Als Wolfgang Schenker 1989 zum Bund Naturschutz kam, waren es vor allem die Energiefragen, die ihn beschäftigten und die ihn als Physiklehrer reizten. Ausstieg aus der Atomkraft und das Engagement der Naturschützer für dieses Ziel und für erneuerbare Energien waren der Grund, warum er den Weg zum Kulmbacher Kreisverband fand. "Ich bin ja nicht als Naturschützer geboren - aber ich habe in all den Jahren, in denen ich mich engagiert habe und in denen ich Vorsitzender war, sehr viel gelernt", blickte Schenker zurück. Zwischen 1994 und 1998 und seit 2006 bis heute war Wolfgang Schenker Vorsitzender. Jetzt hat er das Rentenalter erreicht, ist nach Bamberg umgezogen und sagte schweren Herzens Adieu. "Meine beiden Kinder sind in Bamberg, ich bin Bamberger - es war klar, dass wir diesen Schritt gehen", erklärte Schenker.
"Ich habe den Verein in einer schwierigen Situation übernommen, wir haben uns für die Energiewende, gegen das TTIP und für den Atomausstieg eingesetzt", blickte Schenker zurück. Doch der größte "Coup", den er in seiner Laufbahn beim Bund Naturschutz gelandet hat, war die Umweltschule Schlönz in Schlömen. Ohne Finanzierungskonzept ist die Umweltschule realisiert worden, Förderungen gab es letztlich reichlich.
"Wolfgang Schenker war jemand, der kritisiert hat, der aber immer auch Alternativen aufgezeigt hat. Er hat sich mit seinem Engagement für den Umweltschutz ein hohes Maß an Wertschätzung erarbeitet", lobte sein Stellvertreter Karl-Heinz Vollrath den scheidenden Vorsitzenden.


Es ging immer um die Sache

Und auch Landrat Klaus Peter Söllner und Bürgermeister Stefan Schaffranek fiel der Abschied schwer. "Die Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz war immer gut und konstruktiv. Viele Argumente, die vorgebracht worden sind, wurden auch umgesetzt", so Söllner und erinnerte in diesem Zusammenhang auch an Aktionen wie den autofreien Sonntag. "Bei den Gesprächen zwischen dem Bund Naturschutz und der Stadt ging es immer um die Sache. Es gibt auch persönlich viele Übereinstimmungen", sagte Schaffranek.
Für die nächsten zwei Jahre wird Karl-Heinz Vollrath das Amt des Kreisvorsitzenden weiterführen - erst dann wird beim Kreisverband des Bundes Naturschutz neu gewählt. "Wir haben bislang keinen Nachfolger, und es wird schwer sein, die Lücke zu füllen, die Wolfgang Schenker hinterlässt", so Vollrath. Wolfgang Schenker wurde vom gesamten Team des Bundes Naturschutz mit sehr persönlichen Worten verabschiedet und mit dem Umweltpreis ausgezeichnet.
Doch auch der Vorsitzende des Bundes, Hubert Weiger, hatte eine Überraschung: Er überreichte Wolfgang Schenker das goldene Ehrenabzeichen des Bundes für seine 14-jährige Vorstandstätigkeit und überraschte den scheidenden Vorsitzenden mit einem Reisegutschein. Die größte Gabe Schenkers, so der Bundesvorsitzende, sei die Fähigkeit, andere Menschen zu motivieren. "Wolfgang Schenker hat den Vorsitz in einer Phase übernommen, in der die Kreisgruppe gefährdet war", erinnerte Weiger an die Anfänge Schenkers. Auch für die Errichtung der Umweltschule Schlönz hatte der Bundesvorsitzende größten Respekt. "Schlönz ist ein Ort der Identifikation - solche Orte, die Kraft geben und die schön sind, braucht der Bund Naturschutz", so Weiger.
Doch bei der Hauptversammlung herrschte nicht nur eitel Sonnenschein. Kassierer Uwe Garz legte offen, dass der Kreisverband im abgelaufenen Geschäftsjahr 3000 Euro Minus gemacht habe. Deshalb sind die Ausgaben auf das Nötigste beschränkt worden, das Büro ist aus den Räumlichkeiten in der Oberen Stadt ausgezogen - in die Hans-Herold-Straße 4, um Miete zu sparen. Verabschiedet wurde auch der langjährige Kassierer Manfred Ströhlein. An seine Stelle tritt Dieter Beck.


Jahresmotto Flächenfraß

Das Jahresmotto 2016 ist "Bodenschutz statt Flächenfraß". Schenker nannte Beispiele in Kulmbach und Umgebung, die diesen Flächenfraß beweisen: die Umgehung Melkendorf, die Ortsumgehung Untersteinach, neue Siedlungs- und Gewerbegebiete seien ein Beispiel von unverhältnismäßigem Landverbrauch. "Mit neuen Discountern kann man keine Leute nach Kulmbach locken, sondern wenn Leute nach Oberfranken kommen, dann immer, weil wir hier noch eine schöne, einigermaßen intakte Landschaft haben", monierte der stellvertretende Kreisvorsitzende Karl-Heinz Vollrath. Aus diesem Grund soll es in diesem Jahr wieder etliche Aktionen geben, zum Beispiel eine Radtour zu umstrittenen Baumaßnahmen.