2021 ist Strullendorf dran. Die Deutsche Bahn will Ende nächsten Jahres mit dem Neubau des ICE-Streckenabschnitts im und am Kernort starten - und plant Umleitungskonzepte rund um die Großbaustelle.

Weil die staatliche Planung lokale Sensibilität vermissen lässt, gilt für die Gemeindeverwaltung und das kommunale Gremium akut roter Alarm: Das jenseits der Bahnlinie gelegene Gewerbegebiet würde demnach für eine Zeitspanne nur über den sogenannten Nordring erreichbar sein und diese wichtigste Zuleitung gleichzeitig zum Nadelöhr eingedampft. So soll die Straßenüberführung über die Brücke einseitig gesperrt und gleichzeitig schon der Stockweg als Alternativ-Übergang zugemacht werden.

Der Gemeinderat befürchtete beidseitige Rückstaus auf die Staatsstraße zwischen Hirschaid und Bamberg und sammelte Ideen für die Entschärfung der potenziell angespannten Verkehrssituation. Ergebnis des fraktionsübergreifenden Brainstormings: den Stockweg so lange wie möglich auflassen, Autos über die Hauptsmoor-Straße umleiten, den Schwerlastverkehr auf die Bundesstraße 505 steuern, mobile Ampelanlage schalten.

Pläne für den Nahverkehr

Verschärfte Verhandlungen zum Parallelthema Südanbindung ans Gewerbegebiet hielt das Plenum in diesem Zusammenhang für unabdingbar - für eine nachhaltige Umfahrungsregelung.

Damit die Planung der Bahn fundiert beeinflusst werden kann, denkt die Gemeinde Strullendorf daran, Profis ins Boot zu holen, Anwälte und Experten einzuschalten für professionelle Argumentation und sie will dazu die Interessen der Gewerbetreibenden abfragen - und deren Statements mit Lkw-Frequenz-Zahlen hinterlegen.

Etwas mehr Zeit zum Planen und Einfluss nehmen gibt's hinsichtlich des öffentlichen Nahverkehrs und des besseren Hin und Her zwischen Strullendorf, den Ortsteilen und Bamberg. Weil 2024 Konzessionen mit Busunternehmen auslaufen, besteht jetzt die Option, ein holpriges System zu optimieren. Im Zuge der Synchronisierung von Stadtbus und Regionalbus nahm der VGN Verkehrsverbund Großraum Nürnberg jetzt auch die Buslinie zwischen Heiligenstadt und Bamberg via Strullendorf unter die Lupe und präsentierte zwei Varianten, die Verbesserungspotenzial beinhalten sollen.

Aktueller Stand im Moment: Eine Regionalbus-Linie mit geregeltem Schülerverkehr und sporadischem Angebot zwischendrin. Die neue Variante 1 vom VGN setzt deswegen auf zwei Busse im 120-Minuten-Takt: eine schnelle Direktverbindung zwischen Bamberg und Heiligenstadt mit Zwischenhaltestellen in Zeegendorf, Mistendorf und Geisfeld und mit einem ergänzenden Sammel-Kleinbus von Strullendorf über die nicht angebundenen Ortsteile Amlingstadt, Leesten und Roßdorf zurück nach Strullendorf.

Vor- und Nachteile

Als Plus sieht das Bedienungskonzept die Direttissima zwischen Bamberg und Heiligenstadt über Geisfeld, als Minus die fehlende Direktverbindung zwischen Strullendorf und Heiligenstadt, teils lange Fahrzeiten zwischen Strullendorf und den Ortschaften in der Gemeinde Strullendorf - und mehr Linienkilometer als Variante 2.

Diese zweite Option wiederum offeriert eine Direktverbindung zwischen Heiligenstadt und Strullendorf. Der Weg von Heiligenstadt über Mistendorf, Strullendorf und Geisfeld nach Bamberg ist demnach kürzer, beansprucht weniger Linienkilometer und bietet schnelle Direktverbindungen zwischen Strullendorf und den Ortsteilen. Nachteil: Die Fahrzeit Heiligenstadt-Bamberg verlängert sich wegen des Umstiegs auf den Zug um sechs Minuten.

Gemeinderat-Newcomerin Jasmin Uzelino (CSU) aus Geisfeld fand beide Varianten schwierig. Ihr Vorschlag: ein Bus, der von Heiligenstadt nach Bamberg fahrend Strullendorf und alle Ortsteile abfährt. Mit Stopps in der Reihenfolge Zeegendorf, Mistendorf, Leesten, Geisfeld, Roßdorf, Wernsdorf, Amlingstadt und Strullendorf.

Bürgermeister Wolfgang Desel fasste diesen und alle anderen Vorschläge zusammen und kam zum Fazit: Variante 2 ist verworfen - und Variante 1 nur in der Uzelino-Version oder mit Zubringer-Bus akzeptabel. Eine weitere Idee ist außerdem eine zusätzliche Anbindung Ost - mit Geisfeld als Schnittstelle für die Richtung Litzendorf und Melkendorf.

Mehrheit für den Bauantrag

Beim Neubau-Großprojekt Integratives Generationen Zentrum (IGZ) ist der Plan schon in einer fortgeschrittenen Phase. Der Gemeinderat stimmte über den konkreten Bauantrag ab, der weitere bereitliegendee Fördergelder lostreten soll: Je nach Planungs- und Ausführungsschritt können die Mittel stufenweise abgerufen werden.

Der Entwurf stammt noch von H2M-Architekten Stephan Häublein, der nun vom Büro Schlosser & Keller aus Bamberg abgelöst wird.

Der finanziell abgespeckte Plan zeigt unter anderem vier versetzte Häuser mit Satteldach mit einer kompletten Grundfläche von 933 Quadratmeter und einer jeweiligen Firsthöhe von neun Metern mit Keller, Erdgeschoss und Dachgeschoss als Basis - und geht jetzt zum Landratsamt zur Genehmigung.

Dass mit dem Bau eines komplett neuen Generationenzentrums anstelle des maroden und viel zu kleinen Mehrgenerationenhauses auch im neuen Gemeinderat weiter gehadert wird, zeigten spontane Ausbrüche um die weiterhin angespannte finanzielle Situation der Gemeinde.

Für Bernhard Zollner aus der Neuen Liste bleibt das 10,5- Millionen-Projekt "trotz Förderung utopisch. Wir werden in Zukunft mit völlig anderen Problemen konfrontiert". Die Fraktion habe damals nur zähneknirschend zugestimmt. "Weil aber schon mal entschieden wurde, dass gebaut werden soll", gab sich Strullendorfs Zweiter Bürgermeister Stefan Zahner (ebenfalls Neue Liste) versöhnlich und plädierte für breite Zustimmung: Der Bauantrag wurde bei vier Gegenstimmen genehmigt.