von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Burgkunstadt — Die Hits der deutschen Countryrockband "The Boss Hoss" laufen fast täglich im Radio. Woher die Gruppe ihren Namen hat, wissen viele nicht. Bassist Max Fischer von der Kronach-Lichtenfelser Gruppe "Paul Carpenter And The Royal Agency" bringt Licht ins Dunkel.
Er ist zwar kein Fan der Berliner Hitparadencombo, aber der amerikanischen Kultkapelle "The Sonics". "Ihrem Song ‚Boss Hoss‘ verdankt die deutsche Gruppe ihren Namen", verrät er. Ohne die "Sonics" gäbe es auch nicht das bereits erwähnte heimische Garagenrock ensemble "Paul Carpenter And The Royal Agency". Am Samstag, 8. November, um 20 Uhr spielen die Musiker auf Einladung des Burgkunstadter Kleinkunstvereins "Tecnet Obermain" bei freiem Eintritt im "Tecnet Zentrum" in Burkersdorf die schrägen Songs der "Sonics".
An diesem Abend musiziert noch eine weitere Band mit eigenwilligem Sound. Ihr Name: "Car Crash". Doch dazu später.
Ohne die "Sonics" wäre die heutige Rockmusikszene wohl um einige Bands ärmer: "Die "White Stripes", die "Eagles Of Death Metal" oder die "Hives" geben die Kultkapelle aus den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts als wichtigen Einflussfaktor an.
Der Journalist Bodo Mrozek bringt es in einem Artikel über die "Sonics" für die tageszeitung vom 20. März 2007 auf den Punkt: "Das Problem der Band war niemals ihre Musik, sondern ihr Timing. Damals, in den Sechzigern, waren die Sonics ihrer Zeit um mindestens zehn Jahre voraus. Heute, im 21. Jahrhundert, ist es für sie gut 30 Jahre zu spät."

Musikalischer Selbstmord?

Von einer solchen Kapelle, die nur eingefleischten Szene-Fans bekannt ist, spielen ein paar Musiker aus Oberfranken Lieder nach. Gleicht das nicht einem musikalischen Selbstmord? "Das dachten wir uns zuerst auch. Das will eh keiner hören, ging es uns durch den Kopf. Doch dann entschieden wir uns, aus reiner Gaudi das Ganze ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen", antwortet Max Fischer aus Friesen. Mit Erfolg, wie die gut besuchten Konzerte in der Burgkunstadter Kleinkunstkneipe "Rösla" und dem Kronacher "Blueberry Hill Pub" belegen.
Einige Fans hatten sogar weite Anfahrtswege in Kauf genommen, um die Gruppe zu sehen. "Das zeigt, dass es nicht sehr viele Bands gibt, die Musik von den ‚Sonics‘ nachspielen", erklärt Fischer das Phänomen. Wie wird man Fan einer Gruppe, die in vielen elterlichen Plattenschränken nicht zu finden sein dürfte? Fischer bringt erneut die Berliner Kapelle "Boss Hoss" ins Spiel. Die Bandmitglieder hätten in ihrer Jugend das Ensemble "Hot Boogie Chillin" gehört, das sehr viele Stücke von den "Sonics" in seinem Repertoire gehabt habe. "Aus der Formation ,Hot Boogie Chillin‘ ist übrigens die Gruppe ‚Boss Hoss‘ hervorgegangen", erläutert der Experte.
Mit ihren simplen, einfach gehaltenen Strukturen und ihren lauten, schrillen Songs gelten die "Sonics" als Urväter der Punkbewegung. "Das ist Musik, in der man sich ausleben und austoben kann." Das ist es, was der Musiker an der Gruppe so schätzt.
Auch Multiinstrumentalist Markus Ritzel aus Neuensee, Hansdampf in allen bandmusikalischen Gassen (u. a. "The Dazed", "Hot Rockin‘ Blackbirds"), verleiht mit seinem Keyboardspiel dem Bandsound das gewisse Etwas. Fischer beschreibt sein Orgelspiel als abgefahren, schräg und wild. "So wie es der Sound der ‚Sonics‘ eben erfordert."
Neben Fischer und Ritzel lassen es auch Paul Zimmermann aus Dörfles (Gesang), Christoph Igler aus Marktrodach (Gitarre) und Sebastian Spichal aus Oberlangenstadt (Schlagzeug) bei dem Ensemble "Paul Carpenter And The Royal Agency" krachen. Fischer verspricht ein Konzert mit unbändiger Energie, die sich auf das Publikum übertragen soll. Und eine weitere Band, die sich mit außergewöhnlichen Interpretationen von Popklassikern der "Beatles" oder Stevie Wonder in der oberfränkischen Musikszene einen Namen gemacht hat: "Car Crash". Für Fischer sind die zwei Gruppen eine wunderbare Kombination. "Weil beide ihren eigenen, unverwechselbaren Stil haben."