von unserem Mitarbeiter Stephan Stöckel

Altenkunstadt — Als Elektriker kennt sich Richard Ehlert mit Dingen aus, die unter Spannung stehen. Auch in seiner Freizeit steht er unter Hochspannung. Der 23-jährige ist Gitarrist der Gruppe "Voltage Kill". Ein Name, der Bände spricht. Er passt für ihn und seine Bandkollegen wie die Faust aufs Auge zu einer Metalcombo. "Eine Gruppe namens ‚Voltage‘ gibt es bereits. Warum nicht ‚Voltage Kill"? Der Ausdruck, der die Anspannung vor dem Sterben beschreibt, schwirrte mir schon länger im Kopf herum."
Nach Ansicht der Musiker spiegelt sich in dem Namen aber auch das Lampenfieber wieder, vor dem kein Künstler gefeit ist. Davon weiß auch Sänger Tobias Lindner ein Lied zu singen: "Nervosität ist immer mit dabei. Wenn die ersten Minuten vorüber sind und der Adrenalinschub eingesetzt hat, kann man befreit aufspielen." Das wollen die Musiker auch am Freitag, 7. November, in der Altenkunstadter Kleinkunstkneipe "Nepomuk" tun, wenn sie im Rahmen des Metalfestivals "Rise Of Chaos" auftreten.
Mit einer Mischung aus "Oldschool Thrash- und melodischem Death-Metal", wie es im Musikerjargon so schön heißt, wollen die fünf Akteure, die aus den Landkreisen Kulmbach und Bayreuth stammen, in der oberfränkischen Metalszene durchstarten. Was hat der Metal, was andere Musikrichtungen nicht haben? Für Schlagzeuger Adrian Kaspar aus Neudrossenfeld ist der harte, energiegeladene Sound eine ehrliche Musik: "Ein Metalsänger nimmt kein Blatt vor den Mund. Er sagt, was er denkt." Zudem gehe es in dieser Musikrichtung weit weniger um Kommerz. Hard'n'Heavy-Musikanten würden sich viel weniger verbiegen lassen, als Künstler anderer Genres, meint der Neudrossenfelder. Durch seinen Vater gelangte der 25-jährige auf die harte Musikschiene. "In seinem Plattenschrank finden sich noch alte Vinyl-Scheiben von Gruppen wie "Black Sabbath", "Deep Purple" und "Led Zeppelin", um nur einige zu nennen."
Der eine mag Thrash, der andere Death-Metal - von jedem Bandmitglied fließen die unterschiedlichen musikalischen Vorlieben in das Klangbild der Gruppe mit ein. Kaspar outet sich als Fan des Death-Metal: "Die große Trommel, auch Bass Drum genannt, wird mit zwei Pedalen gespielt. Damit ist man dreimal so schnell wie normal. Man fühlt sich an Maschinengewehrfeuer erinnert."

Gesellschaftliche Relevanz

Die harten Jungs haben - für eine Metalband nicht alltäglich - eine Ballade in ihrem Programm. Sie heißt "9/11" und handelt - wie könnte es auch anders sein - von den Terroranschlägen vom 11. September 2001. "Das Lied beschreibt eine Person, die eingeklemmt unter den Trümmern des World-Trade-Centers liegt. Ob sie stirbt, wird von mir als Texter offengelassen", erklärt Lindner. Mit diesem Lied wolle man dem Zuhörer vor Augen führen, dass das Leben von der einen auf die andere Sekunde zu Ende sein könne.
Ehlert steuert ebenfalls Texte bei. Anhand der fiktiven Figur eines "Death Rider" - eines Todesreiters - verdeutlicht er, dass man sich seinen Problemen im Leben stellen muss. Die beiden Songschreiber wollen ihre Texte auch allgemein verstanden wissen. "Wir verpacken Themen von gesellschaftlicher Tragweite so, dass auf den ersten Blick niemand daran denkt", sagt Ehlert. Persönliche Erlebnisse würden ebenfalls Eingang in Songs finden, ergänzt Lindner.
Von direkten Parolen oder Gesellschaftskritik halten die Akteure nicht viel. Lindner: "Unsere Fans sollen Spaß haben an unserer Musik und bei unseren Konzerten abschalten vom Alltag."