Am Samstag gastierte der Domorganist Florian Wilkes in der Stadtpfarrkirche Kronach . Mit einem fein abgestimmten Programm zu Ehren des großen Kronacher Komponisten Max Baumann brachte er die „Klangmajestät“ zum Strahlen.

Die Orgel braust und dröhnt: Wenn Florian Wilkes in die Tasten greift, vibriert die Luft. Sie zittert; sie bebt. Ein in jeder Hinsicht glanzvolles Konzert erlebten die Besucher in der Kronacher Stadtpfarrkirche.

Mit dem Organisten an der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale „Unter den Linden“ präsentierte sich ein auf nationaler und internationaler Ebene renommierter Kirchenmusiker von außergewöhnlichem Rang. Auf der „Königin der Instrumente“ kredenzte der Orgelvirtuose wunderbare Werke von Max Baumann (1917 bis 1999) sowie weiterer Komponisten , die dessen musikalisches Wirken beeinflussten.

Einflüsse wurden sichtbar

Das Programm stellte viele dieser Einflüsse dar, die sich in einer ganz eigenen Komponisten-Persönlichkeit konzentrieren. Der begnadete Tonschöpfer und Chordirektor lebte und starb in Berlin. Dort war er Professor für Tonsatz an der Musikhochschule , jetzt Universität der Künste (UdK) Berlin. 1960 wurde er zum Professor berufen. Obwohl dessen kompositorisches Schaffen nahezu alle Gattungen der Musik umfasst, nimmt jedoch die Orgelmusik in seinem Werk einen weiten Raum ein.

In interessanter Art und Weise führte Florian Wilkes in die Stücke ein. Ein wichtiger Impulsgeber ist naturgemäß Johann Sebastian Bach . Mit dessen von ihm sehr lebhaft und zupackend gespieltem Präludium und Fuge a-Moll (BWV 543) gelang dem künstlerischen Gast ein markanter Einstieg. Vom ersten Tastenschlag an stellte der Organist , der am Bamberger Dom und an der Hochschule der Künste in Berlin studiert hatte, seine ebenso präzise wie leidenschaftlich-dynamische Spielweise unter Beweis. Unter seinen Händen konnte sich die elementare Klangmacht der Hey-Orgel aus dem Jahre 1993 vollends entfalten – vom fließend leichten und perlenden Spiel bis hin zu gewaltigen Akkorden.

Max Baumann selbst verhalf er mit dessen höchst impressiven Passacaglia opus 99, eines seiner späteren Werke, wie auch dessen Sonatine für Orgel opus 74 aus dem Jahr 1963 zu musikalischen Ehren. Bei der Bezeichnung Sonatine handle es sich, so der künstlerische Gast, um eine Untertreibung für diese Sonate voller sehr schöner und interessanter Klänge.

Ein exzellenter Musikgenuss war der „Karfreitagszauber“ aus der Richard-Wagner-Oper „Parsifal“ in einer Orgel-Transkription. Die Stadtpfarrkirche wurde zur Gralsburg, als der Meister seines Instruments die leicht gekürzte „Karfreitagsmusik“ aus dem dritten Akt von Wagners letztem musikdramatischen Werk symphonisch ausbreitete.

Der Organist interpretierte weiterhin Werke von Anton Bruckner , Sigfrid Karg-Elert, Gabriel Pierné sowie Eugène Gigout. Zusätzlich in das Programm aufgenommen wurde eine große Passacaglia von Max Reger – nach einem Wunsch der Vorsitzenden der Max-Baumann-Gesellschaft, Adelheid Geck, die im Konzertpublikum weilte.

„Mit Bach fang an, mit Bach hör auf!“ So hielt es der Domorganist, der seine Zuhörerschaft mit einem Ohrwurm in die laue Sommernacht verabschiedete. Spektakulär, scharf, drastisch – mit dem wohl bekanntesten Orgelwerk europäischer Kunstmusik schlechthin, Bachs berühmter Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565), setzte Florian Wilkes dem Abend die Klangkrone auf.