Dass die beiden großen Musikschulen Kronachs auch jenseits der Pandemie Klappstuhlkonzert können, zeigten sie am letzten Dienstag vor den Sommerferien beim abendlichen „Kronacher Klappstuhlkonzert“ im Parkdeck Turnerheim. Durch die Zusammenarbeit der „ Berufsfachschule für Musik Oberfranken “ mit der „Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach “ sowie den Ideenreichtum ihres gemeinsamen Leiters Burkhart M. Schürmann wurde der Abend zu einem Erfolg. In seiner Moderation freute sich der Schulleiter nicht nur über die große Zahl an Besuchern, sondern machte zugleich Werbung für den gemeinsamen Förderverein beider Schulen. Der trägt seit kurzem den kurzen, aber bedeutungsvollen Namen „Movimento“.

Das Konzert war von Solidarität mit der Ukraine geprägt und wurde deshalb auch gleich mit einem Knaller eröffnet: Mit „Stefanija“ des „Kalush Orchestra“ präsentierte die Band der Musikfachschule den ukrainischen Siegerbeitrag des diesjährigen Eurovision Song Contests. Den rappenden Vokalpart übernahm dabei der Ukrainer Tymur Fadieiev instrumentalisch begleitet von Jakob Kammerer, während Franziska Trommer (Flöte), Erik Meyer (E-Bass) und Jannis Bock (Drums). Programmatisch fortgesetzt wurde die Konzerteröffnung durch den Kammerchor der Musikfachschule mit einem Volkslied aus der Ukraine, dem Friedensgebet „Verleih uns Frieden“ in einem Satz des Augsburger Renaissance-Komponisten Johann Kugelmann sowie der ukrainischen Nationalhymne. Später steuerte Tymur Fadieiev noch zwei gefühlvoll gesungene ukraininsche Volkslieder bei.

Mit einer Melodie samt Variationen von Carl Maria von Weber baute Helena Hebentanz an der Klarinette eine klingende Brücke zu traditioneller Musik aus Irland, England und Südeuropa. Dabei stach das Blockflötenorchester „rec’time“ unter Leitung von Franziska Trommer hervor, die als instrumentale Allrounderin diesmal an der Harfe überraschte. Bemerkenswert waren die Fertigkeiten der jungen Solisten Tara Scholl (Gitarre) und Tristan Richter (Klavier) sowie des Akkordeon-Duos mit Christian Köhler und Lucas Brückner. Das junge Alte-Musik-Ensemble überzeugte mit einer erfrischenden barocken Ber-gamasca aus Italien, ein Holzbläser-Trio mit Marc Tetzel (Flöte), Yvette Wirsing (Oboe) und Ina Siegelin (Klarinette) musizierte munter drei Sätze aus einer Suite des Tschechen Pavel Stanek.

Volksmusik und Tanz-Ensemble

Das Global-Folk-Ensemble des noch jungen Fachbereichs „Volksmusik“ komplettierte diesen Themenbereich traditioneller, klassischer und populär-klassischer Musik mit einem bulgarischen Traditional, das von einem Tanz-Ensemble unter Leitung und Mitwirkung von Maria Kuhn auch tänzerisch mitreißend umgesetzt wurde. Bei der Veranstaltung verkündete Schürmann, dass die Erweiterung des Ausbildungsangebots um die Fachrichtung „Musical“ zum kommenden Schuljahr verwirklicht werden könne.

Im Vorfeld habe dazu bereits eine Zusammenarbeit zwischen Daniela Pfaff-Lapins als Lehrkraft für Musical-Gesang und dem stellvertretenden Schulleiter Manuel Grund als neuem Dirigenten des Sinfonieorchesters der Neustadter Musikfreunde stattgefunden.

Eine Kostprobe daraus gaben Leoni Adler, Melanie Grund (Sopran), Jakob Kammerer (Tenor) und Juan M. Orellano (Bariton), begleitet von Marco Fröhlich am Klavier, mit Melodien aus Musical und Operette von Lucy Simon und Paul Abraham . Swingend leitete das Blechbläser-Ensemble zum letzten großen Block dieser peppigen Serenade über, der in wechselnden Formationen von der Schulband unter Leitung von Jannis Bock und Marco Fröhlich gestaltet wurde. Begleitet von Erik Meyer (E-Bass) und Jannis Bock (Drums) sowie gelegentlich bereichert durch David Staufer und Ina Siegelin (Saxophon), Kilian Schmid (Trompete) und Felix von Dombrowski (Posaune), coverte Hanna Stickert zwei Titel von Adele.

Jakob Kammerer zeigte die Bandbreite seines Talents mit Songs von Lionel Richie , Vulfpeck, Blackstreet und Gloria Gaynor. Tymur Fadieiev wiederholte noch einmal den ESC-Hit „Stefanija“ als Erinnerung an die beiden mit ukrainischer Flagge beklebten Pappkartons, die am Ausgang aufgestellt waren, um Spenden für die Ukraine-Nothilfe zu sammeln. Genau 722,65 Euro konnte das Sekretariat der Musikfachschule auszählen und auf das Spendenkonto überweisen.