von unserer Mitarbeiterin Carmen Schwind

Forchheim — Praktisch musste sie in erster Linie sein, die Kleidung für die reifere Frau im vergangenen Jahrhundert. "Früher trugen die älteren Damen in unserer Gegend ein Trägerkleid oder die Kittelschürze und vielleicht noch ein Kopftuch", erzählt Petra Dietzel, die Inhaberin von "La Boutique" in Forchheim. Am Sonntag wurde dann die bessere Kleidung für den Kirchgang angezogen. Senioren trugen lieber dunkle Töne, die Mode war eher unmodisch.
Die Bundesgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) hat 1970 damals 70-Jährige befragt. Ergebnis: Diese Menschen waren streng religiös erzogen worden, hatten viel und schwer arbeiten und Entbehrungen durch den Krieg in Kauf nehmen müssen. Sie waren auch im Alter genügsam und mit wenig zufrieden. In ihre Rollen als "alte Menschen" fügten sie sich.
"Wenn die Nachkriegskinder, die zwischen 1948 und 1965/70 Geborenen, ins Seniorenalter kommen, werden sie weit mehr Bedürfnisse und Wünsche anmelden: ein eigenes Bad und Dusche, auch im Altenheim, wird dann selbstverständlich sein; eigenes Telefon und Fernsehanschluss wird dann nicht mehr genügen", lautete schon damals eine Erkenntnis von BAGSO.
Und wie ist das mit dem Aussehen? "Frau darf heute alles tragen", sagt Petra Dietzel, egal ob Hose oder Kleid. Ihre Kundinnen zwischen 60 und 80 Jahren würden unterscheiden, ob das Outfit für den Alltag, die Freizeit oder für den Abend sei. "Wenn die Kundin mit dem Enkel zum Spielplatz geht, trägt sie eher sportliche oder bequeme Kleidung", erklärt die Mode-Expertin. Sehr wichtig sei dabei die Jeans, die vor vielen Jahren vom Oberfranken Levi Strauss als strapazierfähige Arbeiterhose für Goldgräber in Amerika entwickelt wurde.
"Durch den Anteil von Elasthan ist die Jeans einfach bequem. Und es gibt sie in vielen Farben, Formen und Ausführungen", so Dietzel im Beratungsgespräch mit Kundin Angelika Fuchs.
Die Materialien hätten sich sehr verändert, sodass viele Stoffe pflegeleicht seien. "Damen über 60 fühlen sich nicht alt und möchten schick aussehen", erzählt Petra Dietzel. Zum perfekten Outfit gehören deshalb auch die richtigen Accessoires wie Taschen, Schuhe und Schmuck. "Früher trugen Seniorinnen eher den klassischen Goldschmuck, aktuell ist auch Modeschmuck sehr gefragt", erklärt sie. Und sie empfiehlt, Kleidung in dezenten Tönen mit einem bunten Schal aufzupeppen.
Zum perfekten Outfit gehört aber auch die richtige Frisur. Friseurin Gabriele Federl aus Effeltrich hat sich auf die Haarpflege von Senioren spezialisiert. "Egal, ob ältere Damen aktiv und fit sind oder im Seniorenheim leben - bei den Haaren sind sie eitel", erzählt die Haarspezialistin, die in einem Pflegeheim arbeitet. Früher sei die krausige Dauerwelle "in" gewesen, heutzutage wollen die Kundinnen nur eine Stützwelle, die Volumen gibt. "Jüngere Kundinnen nehmen graue Haare eher an. Anders bei Seniorinnen, hier wird gefärbt", berichtet Gabriele Federl. Allerdings sollte die Farbe natürlich wirken.
"Stammkundinnen wollen auch immer mal was Neues ausprobieren. Und der Schnitt soll pfiffig sein." Federl erzählt von einer Kundin, die früher selbst Friseurin war, jetzt aber sehbehindert ist und kaum laufen kann: "Trotzdem ist es ihr wichtig, flott angezogen zu sein. Und sie fasst nur kurz in ihre gemachten Haare und erkennt, ob sie richtig sitzen oder nicht."