Michael Busch In Weisendorf und den Ortsteilen startete bereits der Europa-Wahlkampf. Plakate mit dem CSU-Spitzenkandidaten Manfred Weber stehen an den Straßenecken. Direkt daneben stehen seit dem vergangenen Wochenende aber auch Schilder, auf denen eine ganz andere Problematik angesprochen wird. Und doch hängen die beiden Schilder irgendwie zusammen.

Die Schilder werben dafür, dass die Weisendorfer Bürger sich bei einem Bürgerentscheid am 26. Mai gegen eine geplante Mastanlage aussprechen. Bereits jetzt gibt es 3500 Menschen, die sich hinter die Abstimmung stellen, indem sie den Antrag der Bürgerinitiative "Gegen die Rindermastanlage bei Kairlindach" unterstützten. Gegen ein Projekt, das vorsieht, dass 480 Rinder auf einer Fläche von rund 1500 Quadratmeter untergebracht werden sollen. Insgesamt sollen zwei Hallen mit je 2300 Quadratmeter entstehen. Um dies zu verhindern, hatte Gemeinderätin Christiane Kolbet gesagt: "Unsere einzige Chance ist, dass die Art der Nutzung nicht umgeschrieben wird, und dazu brauchen wir Rückhalt in der Bürgerschaft."

Manfred Weber kennt wahrscheinlich die geplante Mastanlage bei Kairlindach nicht, aber er äußerte sich klar zu einer Grundsatzfrage in der Landwirtschaft. "Ich will, dass wir in der EU selbst ausreichend gesunde Lebensmittel produzieren, um uns nicht von Dritten abhängig zu machen. Dazu brauchen wir verschiedene unterstützende Instrumente, denn unsere Landwirte können nicht zu Weltmarktpreisen produzieren, wenn sie gleichzeitig wichtige Umwelt- und Naturschutzauflagen einhalten sollen." Im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt mahnte er an, dass die EU dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren dürfe.

Für die Bürgerinitiative gibt es aber gute Gründe, gegen den Bau der Anlage an dieser Stelle zu kämpfen. Am Wochenende fertigten sie Plakate "Keine Mastanlage bei Kairlindach". Auf den in Weisendorf verteilten Plakaten steht: "Die geplante Mastanlage bei Kairlindach wird Tierleid, mehr Verkehr, Gestank, Flächenfraß und Umweltzerstörung mit sich bringen."

Fakten müssen auf den Tisch

Untermauert wird das durch begleitende Information. Im Internet schreiben die Organisatoren: "Die Befürworter der Mastanlage bei Kairlindach betreiben gezielte Desinformation! Sie behaupten: Falls das Bürgerbegehren Erfolg haben sollte und die Mastanlage an der geplanten Stelle neben der Biogasanlage nicht gebaut wird, muss mit einer Erweiterung der Biogasanlage gerechnet werden. Fakt sei: Der Betreiber der Biogasanlage, Jürgen Schenk, hat das Bebauungsplanverfahren zur Erweiterung der Anlage selber einstellen lassen."

Verhindern könne das Bürgerbegehren nur den jetzt geplanten Standort neben der Biogasanlage, heißt es weiter. Aber gerade die Verwertung des anfallenden Mists in der Biogasanlage und die daraus resultierende Verstromung sei der Vorteil des derzeit geplanten Standortes, erklärte der Landwirt in der Vergangenheit.

Fakt sei, so die Initiative: "Der Vorhabensträger müsste dazu erst einmal eine andere geeignete Fläche haben und dafür einen neuen Bauantrag einreichen."

Jürgen Schenk hält sich aus der Diskussion heraus. Im Januar erreichte der Fränkische Tag den Landwirt am Telefon. Er bat um Verständnis, dass er sich aktuell nicht zur Kritik an seiner geplanten Mastanlage äußern wolle. Auch aktuell ist er nicht erreichbar. "Ich muss mich als Unternehmer weiterentwickeln und auch sehen, dass ich wirtschaftlich auf meine Kosten komme", hatte er gegenüber der Presse Anfang Januar erklärt. Für die Umsetzung der Pläne will der Landwirt drei Millionen Euro investieren. Doch nun kommt es am 26. Mai erst einmal zum Bürgerentscheid.