Um den Forderungen in der aktuellen Tarifrunde der Textil- und Bekleidungsindustrie Nachdruck zu verleihen, fand gestern bei der Firma Mann und Hummel in Himmelkron ein Warnstreik statt. "Die Arbeitgeber versuchen, die Pandemie für ihre Zwecke auszunutzen. Sie haben nach mehreren Verhandlungsrunden ein indiskutables Angebot vorgelegt", sagt der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Ostoberfranken, Stefan Winnerlein.

Am Freitagmorgen wurde es ruhig in den Werkshallen der Firma Mann und Hummel. Die Beschäftigten der Nachtschicht verließen eine Stunde vor Schichtende ihren Arbeitsplatz und nahmen so an der Protestaktion der Gewerkschaft teil. Tina Schramm, Vertrauenskörperleiterin und Mitglied der bayerischen Tarifkommission, sagte: "Bei uns läuft trotz Pandemie die Produktion im Schichtbetrieb. Auch mit versetzten Schichten und Masken bringen unsere Kollegen jeden Tag ihre Leistung. Deshalb stehen wir gemeinsam hinten den Forderungen der IG Metall."

"Wir können im Moment nicht mit großen Kundgebungen auf unsere Anliegen aufmerksam machen. Aber wir sind kreativ: Mit Disziplin, Abstand und Sicherheit stand die Nachtschicht komplett für eine Stunde", betonte Melanie Popp, Betriebsratsvorsitzende bei Mann und Hummel in Himmelkron und Mitglied der bundesweiten Verhandlungskommission.

Die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde vier Prozent mehr Geld, eine verbesserte Altersteilzeit und zukunftssichere Beschäftigung in den Textilen Branchen.

Die Arbeitgeber fordern insbesondere eine lange Vertragslaufzeit von 26 Monaten. Mit nur 1,1 Prozent zum 1. April 2022 sollten sich die Beschäftigten nach 14 Monaten Wartezeit zufriedengeben.

Zur Überbrückung der Wartezeit bieten die Arbeitgeber lediglich 200 Euro Einmalzahlung im Jahr 2021 an. In einer zweiten Stufe zum 1. Dezember soll es laut Arbeitgebern 2022 noch einmal 1,2 Prozent oben draufgeben. Dieses Angebot lehnte die IG Metall ab. red