Die historisches Siedlungsstruktur zu erhalten, Traditionen zu wahren, Neues zu integrieren, die Gemeinschaft zu pflegen und somit ein attraktives Wohn-, Lebens-und Arbeitsfeld zu schaffen, das wünschen sich die Bürger der Seßlacher Stadtteile Merlach und Gleismuthhausen. Dies wurde bei der Abschlusspräsentation der Vorbereitungsphase zur Dorferneuerung am Donnerstagabend im Vereinsheim in Gleismuthhausen deutlich.
Noch in diesem Jahr könne das Verfahren eingeleitet werden, versicherten Wolfgang Kießling, leitender Baudirektor am Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) in Oberfranken, und Hans Rainer Albart, zuständig für die Dorf-und Flurentwicklung am ALE.
Da die Ortsteile von landwirtschaftlichen Flächen umgeben sind, werden demnach auch die Flurwege in das Programm aufgenommen. "Wir werden ein kombiniertes Dorf- und Flurerneuerungsverfahren einleiten", versprach Kießling. Mit dem Baubeginn müssen sich die Bürger noch etwa drei Jahre gedulden. Im Moment, so Kießling, sei mit einer finanziellen Unterstützung in Höhe von 65 Prozent für alle förderfähigen Maßnahmen von Seiten des ALE zu rechnen.
Welche Maßnahmen dies seien, soll in einem nächsten Schritt Mitte des Monats Mai festgelegt werden. Da die Stadt Seßlach Mitglied der Initiative Rodachtal sei, könnten auch ILE- Fördergelder (Integrierte ländliche Entwicklung) fließen. Weitere Synergieeffekte können demnach auch aus dem Projekt "boden:ständig" genutzt werden. Es handelt sich dabei um eine landesweite Initiative von Landwirten und Gemeinden zum Schutz von Boden und Gewässern, die am ALE angesiedelt ist.
Aber: "Nicht alle Wünsche sind machbar", betonte Baudirektor Kießling. So sei das ALE beispielsweise nicht für die Sanierung von Feuerwehrhäusern zuständig.
Hans Rainer Albart erachtet es in Zeiten des globalen Standortwettbewerbes und des Bevölkerungsrückganges für umso wichtiger, gerade den ländlichen Raum vital und zukunftsfähig zu gestalten. "Die Menschen sollen in der Region Arbeit haben, sie sollen in den Orten gerne leben und sich hier wohlfühlen."


Nicht alles ist sofort möglich

Das ALE setzte auf die Bürger und die Stärkung der vorhandenen Potenziale. Dazu zählen demnach vor allem auch das Vereins- und Gemeindeleben, der soziale Zusammenhalt sowie wie die Dorfkultur. Finanzielle Unterstützung, so Albart weiter, sei auch vonseiten der Stadt Seßlach notwendig. "Deshalb bitten wir Sie, gemeinsam mit dem Bürgermeister eine Prioritätenliste anzufertigen." Und: Nicht alle Maßnahmen lassen sich Albarts Worten nach sofort erledigen.
Für Bürgermeister Martin Mittag zeigte die große Resonanz an der Versammlung auf, wie wichtig das Thema für die Bürger sei. Dies bestätigte die Architektin Christine Bardin. Wie sie betonte, seien bereits 888 Stunden an Arbeit von den Bürgern geleistet worden.
Diese hatten in den vergangenen Monaten gemeinsam mit der Architektin und Planerin Christine Bardin die Stärken und Schwächen der beiden Stadtteile analysiert. Darauf basierend wurde ein gemeinsames Leitbild für beide Dörfer erstellt, das die Bürger nun vorstellten. "Nur gemeinsam sind wir zukunftsfähig", sagte beispielsweise der Merlacher Thomas Bösel. Im Zuge der Dorferneuerung sollen zum Beispiel historische Bauwerke wie Brunnen, Backhäuser und Brauhäuser erhalten werden, Fußwege sollen nach Thüringen führen, Ruheplätze und Sitzgelegenheiten an markanten Punkten aufgestellt werden und Grünflächen entstehen.
Das Gewerbe und die Landwirtschaft soll lebendig bleiben, indem zum Beispiel neue Einnahmequellen wie Direktvermarkung oder Energiegewinnung erschlossen werden. Da der Radweg "Eisener Vorhang" durch die Region führt, könnte auch eine E-Bike-Ladestation installiert werden, lautete einer der Vorschläge.