von unserem Redaktionsmitglied Ralf Kestel

Ebern — Tante Frieda hat mit ihren 78 Jahren schon einiges mitgemacht. Die rüstige und resolute Dame mit roten Pausbacken hat eine Vorliebe. Sie fährt gerne mit dem Zug. So jeden Dienstag nach Bamberg zum Knochen-Doktor und freitags nach Bad Staffelstein ins Thermalbad. So beschreibt zumindest unser Online-User NewOpinion3 auf der Ebern-Gemeindeseite seine (fiktive?) Verwandte, die in der Kufi-Siedlung lebt und ein Problem hat. Den Fußweg zum Bahnhaltepunkt. Sie vermisst die direkte Anbindung von der Coburger Straße zum Zug.
Das geht anderen auch so, wie sich an den Internet-Kommentaren zum Bericht über die letzte Bauausschuss-Sitzung nachlesen lässt. Ob der Aussagen, dass der Anbau an die Realschule in Richtung einstigem Bahndamm nicht verzögert werden soll und auch noch Platz für zusätzliche Parkplätze wäre, schwant einigen Lesern Böses. Steht der Fußweg auf dem früheren Bahndamm zwischen Tegut-Kreisel und Wohnmobilstellplatz zur Disposition, obwohl er stets ins Städtebauförderungsprogramm aufgenommen worden war und längst verwirklicht sein sollte?

Bahnhof 2004 verlegt

"Der Bahnhof Ebern wurde am 12. September 2004 nach Süden verlegt. Leider nicht an die Coburger Straße, sondern an die Georg-Nadler-Straße. Schon 2004 hieß es, dafür kommt ein Weg von der Coburger Straße zum neuen Bahnhof. Jetzt schreiben wir anno 2015! In fast elf Jahren hat es die Stadt nicht fertig gebracht, diesen wichtigen Weg zu realisieren! Da dies nicht geschehen ist, muss ich einen fehlenden politischen Willen seitens des Stadtrats konstatieren. Das Schlimme dabei ist, dass immer wieder behauptet worden ist, man soll Geduld haben, der Weg kommt schon. Ist er aber nicht ", schreibt beispielsweise "Sententia".

Wo liegen die Prioritäten?

Und "Butterkrem" setzt noch eins drauf: " Ich meine, der Weg vom Tegut-Kreisel zum Bahnhof darf nicht vergessen werden. Mich wundert, dass der Bürgermeister einen Fußweg von der Anlage Richtung Hallenbad sehr wichtig findet, aber kein Wort über den noch wichtigeren Weg zum Bahnhof verliert. Der Weg zum Bahnhof hat meiner Meinung nach Priorität, weil er ältere Ansprüche auf eine Umsetzung hat als der andere Weg."
Nicht anders urteilt "Salbud": Ich hoffe, dass bei aller Eilfertigkeit jetzt auch endlich der Fußweg vom Tegut-Kreisel zum Bahnhaltepunkt in Angriff genommen wird. Der Weg wird immer wieder versprochen, zuletzt hieß es, er wird zusammen mit dem Hallenbad gebaut. Jetzt lese ich aber nichts davon. Parkplätze scheinen wichtiger zu sein. Es gibt ja immer Wichtigeres, wenn jemand ein Anliegen hat. Das nervt!"

Tante Frieda lästert rum

Und so geht's auch Tante Frieda aus der Kufi-Siedlung:" Es ist halt blöd, dass ich erscht mitm Auto zur Bahnstation fahren muss. Ich könnt' so schön hinlaufen, wenn die Stadt den Fußweg gebaut hätte, wie sie es uns weisgemacht hat. Aber du kannst ja heutzutage keinem mehr was glauben. Es hätte so schön sein können, geradeaus und ohne Steigung hätte ich auf dem alten Bahndamm zum Zug latschen können. Und jetzt hat die Stadt den Damm weggebaggert. Dauernd haben sie über den Weg gegackert und gemacht haben sie nix. Wenn sie überhaupt einmal was bauen, dann wird's eine Berg- und Talbahn. Dann darf ich, wenn ich vom Zug komme, die Stiegen rückwärts runterkrabbeln, damit ich zum Weg komme, den's ja gar nicht gibt." So schimpft die Tante Frieda von NewOpinion3, die nicht einsehen will, dass es Wichtigeres gibt. Jetzt redete sie sich richtig hitzig: "Es gibt Wichtigeres als die Wiedereinführung von Altkennzeichen, es gibt Wichtigeres als alten Stadtdienern ein paar Kröten mehr zu zahlen, es gibt Wichtigeres als die Frauenquote, es gibt Wichtigeres als die Wahrheit." Fuhr zum Bahnhof, um bei ihren Salzheringen in Staffelstein abzulästern, denn es war Freitag.
Was sie dabei vermutlich verschwieg. Natürlich sind die Planungen des Büro Ammermann und Döhler im Stadtrat längst abgesegnet und die Zuschussmittel beantragt. So geschehen im Juli 2012. Die Absenkung des Bahndammes nach der Angerbach-Überquerung wurde bewusst gewählt, so dass Schüler, Bewohner des Seniorenzentrums und Anlagenspaziergänger künftig den Weg nutzen können.
Doch grenzt der einstige Bahndamm, der als Gehwegtrasse auserkoren wurde, unmittelbar an ein Grundstück des Landkreises an, auf dem aktuell das neue Hallenbad entsteht, das Tante Frieda wie viele andere auch, die danach riefen, baldmöglichst nutzen möchten.

Baustellenverkehr

Wegen der notwendigen Baustelleneinrichtung und des Baustellenverkehrs wurde der Fußwegbau noch unter Bürgermeister Robert Herrmann im Einklang mit allen Stadtratsmitgliedern zurückgestellt, zumal auch noch die Erweiterung der Realschule in westliche Richtung hinzukam. Die dazu notwendigen Erdbewegungen und Baustelleneinrichtungen hätten den Fußweg komplett ramponiert.
Und noch eine Baustelle steht im Raum: das Betreuungsgebäude für Grund- und Realschule am Standort des alten Hallenbades.
Zwischenzeitlich hat das Bayernwerk auf der künftigen Trasse noch ein neues 20-kV-Erdkabel verlegt, das die Station im Seniorenzentrum mit dem Umspannwerk verbindet und die Versorgungssicherheit erhöht, wozu ein Fußweg wieder hätte aufgebaggert werden müssen. Womit Steuermittel gespart wurden. Der Fußweg kommt, halt nicht im Eilzugtempo, versichert denn auch Bürgermeister Jürgen Hennemann.
Er rückt auch ein Missverständnis zurecht, da im Umweltausschuss der Bau von zusätzlichen Parkplätzen wegen des Hallenbades und der Realschule gefordert wurde.
Dabei argwöhnten einige Leser, dass dafür der einstige Bahndamm geopfert werden könnte. Dazu der Bürgermeister: " Der Kreis hat für den Neubau des Hallenbades elf Parkplätze auf dem vorhandenen Parkplatz vor dem alten Hallenbad in der Georg-Nadler-Straße und fünf neu zu bauende am Eingang des neuen Hallenbades nachgewiesen. Für den Realschulanbau weist der Kreis weitere Parkplätze auf den vorhandenen Parkplatz vor dem alten Hallenbad in der Georg- Nadler-Straße, teilweise doppelt, aus. " Dabei seien für die Realschule 26 Parkplätze notwendig.

Zusammenhang mit Mensa-Plan

"Über diese Parkplätze und wo sie vom Kreis nachgewiesen werden, müssen noch Gespräche geführt werden. Das hängt auch vom Mensa-Neubau für Grund- und Realschule auf dem alten Hallenbad-Standort ab ", erläutert Hennemann. Deswegen seien Verhandlungen über Flächenbedarf und Kostenaufteilung zwischen Kreis und Stadt am Laufen.
Hennemann: "Als Stadt allein können wir uns einen solchen Mensabau nicht leisten. Wir suchen derzeit nach Übergangslösungen als Ersatz für das Kujathaus, das nicht mehr sanierungsfähig ist, da die Realisierung einer gemeinsamen Mensa sicher noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird. In der aktuellen Haushalts- und Finanzplanung vom Kreis ist nichts enthalten."
Eine Möglichkeit für weitere Parkplätze des Kreises für die Realschule wäre die bereits vom Bauausschuss beschlossene Schaffung eines Parkstreifens an der Angerstraße.
Keinesfalls betreffe eine Lösung aber die geplante Fußwegverbindung zwischen Tegut-Kreisel und Bahnhaltepunkt. "Die kommt, allerdings erst nach den Baumaßnahmen an Hallenbad und Realschule. Die Stadt habe eine Planung als Teil des Anlagenrings, an der festgehalten wird. "Wir wollen als Stadt versuchen, zumindest bei trockenem Wetter, diesen Trampelpfad vorher nutzbar zu machen. Entsprechende Überlegungen gibt es im Bauamt."

Gestaltung der Außenanlagen

Auch der Fußweg von der Georg-Nadler-Straße zum Altstadtparkplatz und Bahnhaltepunkt sei weiter fest vorgesehen, ebenso die Fußwegverbindung vom Anlagenring, Wohnmobil-stellplatz zum neuen Hallenbadeingang, da auch der Altstadtparkplatz von den Besuchern des Hallenbades genutzt werden soll.
Für die Landkreisflächen liege noch keine Außenanlagenplanung vor, ebenso nicht für die Gestaltung des Schulhofes der Realschule. Die sei aber notwendig, da für die Schüler ausreichend Pausenfläche zur Verfügung stehen müsse.