Auf 90 Jahre Lebenserfahrung konnte Elisabeta Holz am vergangenen Dienstag zurückblicken. Die Jubilarin wurde am 23. Mai 1927 im rumänischen Timisoara oder auch Temeschburg geboren. Im Rückblick auf ihr Leben sagte sie: "Ich kann es gar nicht fassen, dass ich 90 Jahre alt bin."
Und wenn man ihr Leben so betrachtet, grenzt es wirklich an ein Wunder. Sie wuchs in einem landwirtschaftlich geprägten Elternhaus auf. Als Nachkommen der sogenannten Donauschwaben pflegte sie die deutsche Sprache und Kultur. "Rumänien war das Vaterland, hier (Deutschland) war das Mutterland", erzählte sie. Als Banater Schwaben litten sie und ihre Eltern unter den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges. Da dieser schreckliche Krieg maßgeblich von Deutschland mitverursacht und verloren wurde, zwang man die damals 17-Jährige, für fünf Jahre in Russland Wiederaufbauarbeiten zu leisten. Sie sollten sich mit Essen für eine lange Reise versorgen, teilte man ihr und den anderen Frauen vor Beginn der Reise mit. Dann wurden sie in einem zugenagelten Viehwagon auf eine 18-tägige Fahrt ins Ungewisse gesandt. Die Frauen von 17 bis zu 35 Jahren und die Männer von 16 Jahren bis zu 45 Jahren wurden unter diese Fron gezwungen. "Wenn eine Frau ein Kind hatte, das schon ein Jahr alt war, dann musste sie gehen. Die Mutter verzehrte sich vor Kummer um ihr Kind und starb und der Vater war im Krieg gefallen. Solche Kinder wurden dann oft von wildfremden Menschen aufgezogen", berichtete sie von ihren Erlebnissen.


Entbehrungsreiche Jahre

Nach fünf harten und entbehrungsreichen Jahren kehrte sie aus der Ukraine nach Hause zurück, nur um kurz darauf von Rumänien zu weiteren fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt zu werden. Diesmal traf es die ganze Familie. Man enteignete sie, und als sie nach den fünf Jahren wieder zurückkehrten, lebten fremde Menschen in ihrem Haus. Eine harte Zeit unter dem rumänischen Präsidenten Nicolae Ceausescu folgte. Erst als der Präsident und seine Frau 1989 gestürzt und hingerichtet waren, konnte Elisabeta Holz das Land verlassen. Zuerst kam sie in Deutschland in Nürnberg an. Von dort ging es dann in den Norden. Nachdem sie sich hatte registrieren lassen, stellte man ihr die drei Städte Forchheim, Coburg oder Bayreuth als Heimatort in Aussicht. "Wir haben uns für Coburg entschieden", betonte sie. Ihre Tochter Anna Rost lebt inzwischen in Dörfles-Esbach und kümmert sich liebevoll um ihre Mutter. Die Jubilarin hat neben ihrer Tochter und dem Schwiegersohn zwei Enkel und sechs Urenkel. "Jeden Morgen danke ich Gott für die Nacht und abends für den Tag", erzählte die Jubilarin.
Ihren Geburtstag feierte sie mit Stadtrat Hans-Heinrich Ulmann, der ihr mit einem bunten Blumenstrauß Glückwünsche der Stadt Coburg und des Oberbürgermeisters überbrachte. em