von unserer Mitarbeiterin Carmen Schwind

Forchheim — Das Schlagwort vom demografischen Wandel macht die Runde. Wie wirkt sich dieser im Landkreis Forchheim aus? Fragen wir einfach beim Kreis seniorenring nach. Georg Hofmann ist der Sprecher des "Arbeitskreises Fünf", bei dem sich Menschen zwischen 50 und 88 Jahren treffen, um Computer-Kenntnisse auszutauschen: "Wir sind kein typischer Kurs, denn die, die sich auskennen, erklären den anderen etwas."
Hofmann erzählt, dass dieser Kreis vor etwa elf Jahren mit fünf bis sechs Interessierten begann. Jetzt kämen zehn bis zwanzig Teilnehmer. "Manche bringen ihren eigenen Laptop mit, machen ihre Arbeit, helfen anderen und gehen dann wieder", berichtet Hofmann. Mehr ältere Menschen, die sich für moderne Technik interessieren - ein erster Anhaltspunkt für eine Veränderung. Was sagt die Statistik dazu?


Gemeinsam gealtert

Landrat Hermann Ulm ist ein Experte für den demografischen Wandel, mit dem er sich bereits wissenschaftlich auseinandergesetzt hat. Der CSU-Politiker erklärt, dass hier zwei Faktoren berücksichtigt werden müssten: die Bevölkerungsentwicklung und die Bevölkerungsstruktur. "Unser Landkreis liegt nah an Ballungszentren", erklärt Ulm, so habe dieser in den letzten Jahrzehnten vom Trend "Raus aufs Land" profitiert. Es seien klassische Neubaugebiete entstanden, für die Schulen und Kindertagesstätten extrem wichtig waren. Alle seien nun gemeinsam gealtert, die Kinder erwachsen, der Trend und die Bedürfnisse hätten sich geändert. "Wir erwarten auf gesamter Landkreisebene in den nächsten Jahren gleichbleibende, im nordöstlichen Teil allerdings rückläufige Zahlen bei der Bevölkerung", sagt der Landrat und zeigt auf eine Auswertung vom Bayerischen Landesamt für Statistik.


Oberfranken schrumpft

Hier ist nachzulesen, dass in den nächsten 20 Jahren beispielsweise in Oberbayern mit einer Bevölkerungszunahme von etwa zehn Prozent gerechnet wird, in Mittelfranken mit etwa zwei Prozent und in Oberfranken mit einem Verlust von etwa acht Prozent. "Wobei sich Prognosen auch ändern können, denn die für den Landkreis Forchheim war vor einigen Jahren auch noch schlechter", ergänzt Hermann Ulm.
Und wie sieht die Altersstruktur im Landkreis aus? "Unser Landkreis ist ein vergleichsweise junger, auch was die Prognosen angeht. Die Prognose für Oberfranken dagegen ist deutlich rückläufig", sagt Ulm. Statistiken zeigen, dass 2012 die mittleren Altersjahrgänge im Landkreis Forchheim am stärksten besetzt waren, während es voraussichtlich im Jahr 2032 die über 65-Jährigen sein werden. Dafür soll es weniger jüngere und mittlere Altersklassen geben.


Alle Generationen sind betroffen

Für den Landkreis ergeben sich daraus einige Veränderungen. "Letztendlich geht es darum, dass innerhalb der Gemeinden die Infrastrukturen erhalten und weiterentwickelt werden, die notwendig sind, um vor Ort leben und alt werden zu können", fasst Hermann Ulm zusammen. Denn nicht nur Senioren seien von der Entwicklung betroffen, sondern alle Generationen. "Die Lebensqualität muss stimmen, denn sonst ziehen keine jungen Familien hierher. Und wenn die Alten auch noch wegziehen müssen - wer bleibt dann noch übrig?", überlegt der Landrat.
Deshalb unterstütze der Landkreis Forchheim, der sich als Gesundheitsregion beworben hat, die Gemeinden bei Themen wie dörfliche Infrastruktur, Breitband und medizinische Versorgung. "Die Kommunikation im Wirtshaus ist ebenso wichtig wie ein Bäcker oder Metzger vor Ort, denn die Stadtteile und Gemeinden müssen lebenswert sein", sagt Ulm, deshalb habe er ein Amt für Jugend, Familie, Senioren und Soziales eingerichtet, von dem er sich positive Synergien erhofft.