Marion Krüger-Hundrup Sein Paradies ist 160 Quadratmeter groß. Reinhold Pflaum hegt und pflegt es, genießt das Grünen und Blühen. Nahezu täglich zieht es den 68-Jährigen aus seiner Gaustadter Etagenwohnung in diese Oase auf der Erba-Insel. In seinen Schrebergarten, den er vor einigen Jahren von seinem Vater übernommen hat, und der zum Kleingartenverein "An der Schwarzen Brücke e.V." gehört.

"Ich bin in der Natur, hier ist eine besondere Atmosphäre, und es gibt immer etwas zu tun", begründet Reinhold Pflaum sein Faible für den Schrebergarten. Es sei ein ideales Urlaubsziel, meint der Rentner lächelnd. Denn "wir verreisen nicht in diesen Corona-Zeiten", bezieht Pflaum seine Ehefrau Lucia mit ein.

Akkurate Hochbeete

Der leidenschaftliche Amateurfilmer, der sonst die Sehenswürdigkeiten anderer Regionen und Länder aufnimmt, findet sicher auch auf der heimischen Parzelle genügend Motive. Beispielsweise das schmucke, gemütlich eingerichtete Gartenhäuschen, die akkurat angelegten Hochbeete mit Stangenbohnen, Tomaten, Zucchini, Kohlrabi, Zwiebeln oder Salat, Kirsch- und Apfelbäume, Stachelbeerstauden, Nistmöglichkeiten für Vögel. Und dann natürlich den sattgrünen Rasen, der wie mit der Nagelschere geschnitten aussieht, auf dem die beiden Enkel aber problemlos Fußball spielen dürfen.

Und wenn das Mähen, Jäten, Pflanzen, Gießen - Reinhold Pflaum hat einen eigenen Brunnen in seinem Schrebergarten - erledigt ist, warten die Sonnenliege oder der Grill für die Entspannung. Selbstredend, dass auch ein ausgiebiger Plausch über den Gartenzaun hinweg zu den Freuden gehört: "Die Nachbarschaft ist gut hier", betont Reinhold Pflaum, was seine unmittelbaren Nachbarn Jochen und Gabi Vietze bestätigen. Das harmonische Miteinander ist ein Grund mehr, den Urlaub 2020 im eigenen Schrebergarten zu verbringen: "Wegen Corona reisen wir nicht wie sonst in die Türkei", erzählt das Ehepaar Vietze.

Inzwischen hat sich auch Siegfried Prell eingefunden, Vorsitzender des Kleingartenvereins "An der Schwarzen Brücke" und selbstredend ebenfalls Pächter eines Schrebergartens. Er rühmt dieses idyllische Fleckchen Erde, besser als Alpen und Meer und wie geschaffen zum Abschalten und Brotzeit genießen. "Meine Frau Margareta und ich bleiben im Sommer daheim", erklärt Siegfried Prell ohne jeden Anflug von Traurigkeit darüber, dass die Pandemie Reisepläne durchkreuzt hat.

Der Vereinsvorsitzende spricht von einer Warteliste, die er in den letzten Wochen anlegen musste: Über 30 Bamberger haben sich darin für einen Kleingarten auf der Erba-Insel eintragen lassen. "Gestiegene Nachfrage in Corona-Zeiten", fasst Prell zusammen. Nicht zuletzt das 2012 erbaute Vereinsheim "Gärtnerhüttla", das in Eigenregie bewirtschaftet wird, lockt als Ort der Geselligkeit an.

Die gesamte Kleingartenanlage war inkludierter Teil der Landesgartenschau 2012 auf der Erba-Insel. Auch jetzt ist sie gern besuchtes Ziel der Spaziergänger aus der ganzen Stadt. Was einst auf dem Hinterhof eines riesigen Fabrikareals entstanden ist, kann sich sehen lassen.