Sigismund von Dobschütz

Was für ein "gewaltiges" Werk ist der bereits 2016 im Blessing-Verlag erschienene Debütroman "Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod" von Gerhard Jäger (51). Voller Sprach- und Bildgewalt schildert der österreichische Autor den mehrwöchigen Forschungsaufenthalt des 25-jährigen Wiener Historikers Max Schreiber in einem kleinen, von der modernen Welt abgeschiedenen Tiroler Bergdorf, dessen Ereignisse während des historischen Lawinenwinters im Januar 1951 in einem dramatischen Höhepunkt enden.
Gerhard Jäger lässt uns eintauchen in eine dörfliche Welt, aus Raum und Zeit gefallen, geprägt von Härte, Wortlosigkeit und Misstrauen gegenüber allem Fremden. Die Dörfler hängen noch immer ihren alten Mythen an. Hier herrscht noch die Natur über den Menschen.
Der junge Großstädter dringt unerwünscht in diese fremde Welt ein. Die ersten Wochen sitzt er allein am Wirtshaustisch. Es dauert Wochen, bis er sich nach dem Schneeschippen "Schulter an Schulter" von den Männern des Dorfes endlich angenommen fühlt. Doch schon bald zerstört er alles: Er verliebt sich ausgerechnet in die stumme Maria vom abseitigen Lanerhof, die als Urenkelin einer vermeintlichen Hexe von den Dörflern gemieden und nur vom Jungbauern Georg Kühbauer umworben wird. Pfarrer, Ortsvorsteher und auch der blinde Seiler warnen ihn. Doch der junge Großstädter hört nicht auf die Ratschläge. So erreicht das Geschehen bald seinen dramatischen und mit tödlichen Lawinenabstürzen auch naturgewaltigen Höhepunkt.
Seite für Seite hält Gerhard Jäger den Leser mit seiner sprachgewaltigen Formulierungskunst und eindringlichen Beschreibung des dörflichen Lebens in mystischer, unheildrohender Stimmung. Dieser Debütroman ist wirklich lesenswert, allein schon seine sprachliche Ausdruckskraft begeistert.