Mainleus —  "Lustig ist das Rentnerleben. Faria, fariaho", schallt es vielstimmig durch das Mehrgenerationenhaus der Awo. Es wird für ein paar Stunden zum Hort des Frohsinns und der Geselligkeit, in dem der Seniorentreff des Awo-Ortsvereins sein 50-jähriges Bestehen feiert. Bei Kaffee und Küchla wird über Gott und die Welt geplaudert. Und nach Herzenslust gelacht - schließlich versüßt ein Lachen den Tag.

Auch Ilse Serafin ist gut gelaunt. Im Seniorentreff fühlt sich die 77-Jährige pudelwohl. "Er ist für mich Abwechslung vom Alltag." "Hier kann man einen Nachmittag lang seine Seele baumeln lassen", ergänzt Heidemarie Plewe. Bereits mit 59 Jahren trat die heute 78-jährige der geselligen Seniorenrunde bei, die derzeit 22 Mitglieder zählt und sich jeden Dienstagnachmittag trifft. "Ich hatte damals gerade meine Arbeit bei der Kulmbacher Spinnerei verloren und suchte Geselligkeit." Diese fand sie beim Seniorentreff.

Ein Gemeinschaftserlebnis

Das gemütliche Beisammensein an einem Dienstagnachmittag sausen lassen - das kommt für die Damen und Herren im reiferen Alter nicht infrage. Denn sie wissen: Zusammen ist man weniger allein. "Viele von uns sind verwitwet. Das Treffen mit Gleichaltrigen in geselliger Runde beschert uns einmal in der Woche ein Gemeinschaftserlebnis", sagt Serafin, die seit sechs Jahren Single ist.

Einen Tisch weiter sitzt ein Männerquartett, das es sich auch an der Jubiläumsfeier nicht nehmen lässt, Schafkopf zu spielen. "Für uns ist das allwöchentliche Kartenspielen beim Seniorentreff eine schöne Abwechslung vom Rentneralltag", sagen unisono die Mainleuser Jürgen Friedlein (76), Karlheinz Meisel (77), Manfred Friedrich (71) und der Schwarzacher Wilfried Hetz (69). Auch die Damen spielen regelmäßig Karten - bei ihnen heißt es "Elfer raus!"

Fred Kögel ist 33 Jahre dabei

Das Urgestein des Seniorentreffs ist Fred Kögel, der seit 33 Jahren mit von der Partie ist. Von 1996 bis 2011 war er Chef der Seniorenrunde. Was hat sich in all den Jahren verändert? "Der Zuspruch hat abgenommen. Früher trafen sich bis zu 70 Leute, jetzt sind es nur noch 22", stellt der Redner ernüchtert fest. Viele ältere Mitbürger seien sich heute viel zu eitel, einem Seniorenclub beizutreten.

Außerdem gebe es seit ein paar Jahren in Mainleus das Altenheim "Mainleuser Stift" der Diakonie Kulmbach, das ebenfalls mit Angeboten für ältere Mitbürger aufwarte, nennt Kögel einen weiteren Grund für den Mitgliederschwund. Er lässt bei der Feier die ersten 40 Jahre des Seniorentreffs Revue passieren, die vergangenen zehn Jahre übernimmt seine Nachfolgerin Heidi Wich, die auch den Awo Ortsverein leitet.

Bereits in den 1960er Jahren hatten sich in der Spinnstube in Hornschuchshausen regelmäßig ältere Mitbürger zum geselligen Beisammensein getroffen. "Nach ein paar Jahren zog man in den Gasthof ,Schwarzer Adler' um. Als Werner Grampp den Awo-Ortsvereins reaktiviert hatte, benannte Otto Schöpfs, der dem Altenclub damals vorstand, diesen 1971 in Awo-Altenclub um", berichtet Kögel. Daraus wurde dann der heutige Awo-Seniorentreff.

Bürgermeister Robert Bosch (CSU) erinnert sich an seine eigene Großmutter, die immer mit dem Fahrrad zum Seniorentreff gefahren war. "Die Awo hat mit ihrem Seniorentreff einen Raum der Begegnung und des Miteinanders geschaffen, der die älteren Mitbürger geistig und wie man an meiner Oma gesehen hat auch körperlich fit hält."

Hartmut Rochholz, stellvertretender Kreisvorsitzender der Awo, dankt Wich und Kögel für ihr ehrenamtliches Engagement. Annemarie Heidenreich vom Awo-Seniorenclub Melkendorf würdigt die jahrelange Freundschaft.

Langjährige Mitglieder ehrt Wich mit Treueurkunden und Präsenten: für 33 Jahre Fred Kögel, für 20 Jahre Rosemarie Groß, für 19 Jahre Heidemarie Plewe, für 17 Jahre Maria Göhring und für elf Jahre Hildegard Schnapp. Die Seniorentanzgruppe der Mainleuser Awo unter der Leitung von Sigrid Fuchs erfreut mit einem Tanz. Alleinunterhalter Peter Birk bringt die älteren Mitbürger zum Schunkeln. Eine Bildergalerie im Mehrgenerationenhaus kündet von zahlreichen Ausflügen. Ob Straußenfarm, Tropenhaus oder Schaubergwerk - langweilig war es den Senioren bei ihren Reisen und Ausflügen nie geworden.