Die Neonazi-Partei "Der III. Weg" hat eine Demonstration in Fürth angemeldet, um gegen angeblich steigende Kriminalität durch Asylbewerber zu protestieren. Konkret sollte sich der Demonstrationszug am Samstag gegen die Asylunterkunft mit etwa 700 Menschen im ehemaligen Möbel Höffner richten. Dem Aufruf folgten Schätzungen zufolge etwa 80 Rechtsradikale.

Das Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus sowie der Fürther Ortsverband der Partei "Die Linke" hatte zu Gegendemonstrationen aufgerufen. Bei den Protesten gegen den rechten Aufzug sprach auch Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD).

Er sagte, er sei stolz auf alle, die zu der Gegendemonstration gekommen seien. "Sie kommen zu Tausenden bei dieser Hitze auf die Straße, um gegen Fremdenhass und Rassismus zu demonstrieren. Dafür ein herzliches Dankeschön", ruft Jung den Demonstranten in Fürth entgegen.

Sichtlich zufrieden zeigt sich das Stadtoberhaupt, dass der Aufmarsch der Rechtsextremen im Vorfeld verkürzt werden konnte. Ursprünglich hätten die rechten Demonstranten bis 20 Uhr gegen die "Asylflut" protestieren wollen. Nun sei der braune Aufmarsch schon um 16 Uhr vorbei. Laut Polizei war nach der Abschlusskundgebung der Rechten die Versammlung bereits um kurz nach 15 Uhr beendet. Die Kundgebung der Rechtsradikalen bezeichnet Jung als "erbärmlich". Glücklicherweise würden die Rechten nicht direkt an der Flüchtlingsunterkunft in dem ehemaligen Möbelhaus vorbei marschieren. Jung verurteilt die rechte Demo trotzdem als "Provokation" und verweist auf das ungleiche Kräfteverhältnis zwischen den beiden Lagern. "Dort demonstriert nur eine Handvoll, hier sind wir Tausende," sagt Jung und zeigt auf die viele Menschen mit den bunten Plakaten.

Gegen 13 Uhr trafen von der Polizei begleitet rund 80 Demonstranten aus der rechtsextremen Szene am Versammlungsort im Fürther Stadtteil Ronhof ein. Sie sind nach Angaben der Polizei mit einem Linienbus zum Versammlungsort gebracht worden. Dort wurden die Rechten von den Gegendemonstranten mit einem großen Pfeifkonzert und "Haut ab!"-Rufen empfangen.
Die Polizei trennte die beiden Lager mit mehreren hundert Einsatzkräften. Die Demonstrationsorte sind von der Polizei großräumig abgesperrt worden. Die Gegendemonstranten haben sich an verschiedenen Orten rund um die rechte Demo versammelt, um sich den Rechtsextremen von allen Seiten in den Weg stellen zu können.

Die Polizei schätzt die Zahl der Gegendemonstranten auf insgesamt rund 1500 Personen. "Ich finde es klasse, dass so viele Menschen da sind", freut sich Hans Brenner vom Bündnis gegen Rechts. Bis zum frühen Nachmittag ist es nach Angaben von Polizeisprecher Robert Sandmann zu keinen größeren Zwischenfällen gekommen.

Nachdem die rechten Demonstranten mit einem Bus wieder abgereist waren, zogen noch rund 200 Gegendemonstranten zum Fürther Rathaus. Die Versammlung war um 17 Uhr beendet, wie die Polizei am Abend mitteilte.

Insgesamt sei es zu keinen nennenswerten Störungen gekommen. Weder Demonstrationsteilnehmer noch Polizeibeamte wurden nach bisherigen Erkenntnissen verletzt.


Andere rechte Aufmärsche am Samstag

Zum Beginn des Herbstfestes in Rosenheim haben rund 200 Menschen gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen Partei "Die Rechte" demonstriert. Der Demonstrationszug der etwa 30 Parteianhänger kam am Samstag nach wenigen Metern zum Stillstand. Das Bündnis "Rosenheim nazifrei" blockierte den Weg. Vereinzelt kam es zu Rangeleien und Schubsereien. Es blieb aber weitgehend friedlich.

"Bis auf eine Gewahrsamnahme und eine Festnahme aus dem linken Lager ist alles ruhig geblieben", sagte ein Polizeisprecher am Nachmittag. "Keine Flaschen, keine Steine." Zuvor hatten sich beide Gruppen auf dem Bahnhofsvorplatz direkt gegenübergestanden. Die Polizei hielt beide Lager auf Abstand. Besucher des Herbstfestes, das am Samstag in Rosenheim begann, mussten einen anderen Weg nehmen; der Verkehr vor dem Bahnhof war lahmgelegt.

Eine in München angekündigte Demonstration des Anti-Islam-Bündnisses Pegida kam am Samstag nicht zustande. "Das ist auch ein großer Erfolg für die Münchner Stadtgesellschaft", teilte der Verein "München ist bunt" mit, der eine Gegendemonstration mit mehr als 150 Teilnehmern organisiert hatte. mit dpa