Die Firma plant in Franken drastische Maßnahmen - 475 Stellen werden insgesamt abgebaut. Ein Standort des Autozulieferers wird in diesem Zug komplett geschlossen.
"Diese Nachricht ist ein Schock für uns. Es geht um Existenzen", betont die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jessica Reichert in einer aktuellen Mitteilung der IG Metall. Der Automobilzulieferer Valeo informierte die Mitarbeiter demnach am Mittwoch (14. Januar 2025) über das endgültige Aus des Standorts in Bad Neustadt an der Saale (Landkreis Rhön-Grabfeld). 183 Mitarbeiter sind dort aktuell noch tätig. Die Bestürzung sei dabei allen anzusehen gewesen.
Bad Neustadt ist jedoch längst nicht der einzige Valeo-Standort in Franken, an dem Einschnitte geplant sind. Wie Unternehmenssprecher Andreas vom Bruch am Donnerstag (15. Januar 2026) im Gespräch mit inFranken.de angibt, sollen an den Standorten in Ebern (Landkreis Haßberge) sowie in Erlangen Stellen abgebaut werden. In Ebern seien demnach 134 Arbeitsplätze betroffen, in Erlangen 158 Stellen.
Umbruch bei Valeo: Stellenabbau in Erlangen und Ebern, Werksschließung in Bad Neustadt
Hintergrund für die Umstrukturierungen an den Standorten sei der Entschluss des Unternehmens, den Forschungs- und Entwicklungsansatz aufgrund der schwierigen Lage der Industrie und des hohen Wettbewerbs im Ausland anzupassen. "In der Branche gibt es Hiobsbotschaften seit Monaten. Angesichts dieser dramatischen Situation muss auch Valeo handeln", betont der Pressesprecher. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Unternehmens soll demnach in größeren Zentren zusammengefasst werden.
Das entsprechende Zentrum in Deutschland, das durch die neue Strategie künftig gestärkt werden soll, befindet sich in Erlangen. 37 der abgebauten Stellen in Ebern und 40 der gestrichenen Stellen in Bad Neustadt sollen daher künftig nach Mittelfranken verlegt werden. Die Kompetenz aus dem Bereich Elektromotoren aus Bad Neustadt und die elektromechanische Kompetenz aus Ebern würden die vorhandenen Ressourcen in Erlangen demnach vervollständigen. Auch dort sei ein Stellenabbau jedoch nicht zu vermeiden. Diese Maßnahmen sind nun geplant:
- Standort Ebern: Nachdem dort bereits 250 Stellen abgebaut wurden, sollen nun etliche weitere folgen. 134 Arbeitsplätze sind von den neuen Maßnahmen betroffen. Aus dem Forschungszentrum sollen demnach 37 Arbeitsplätze nach Erlangen verlegt und 72 Stellen gestrichen werden. Im Bereich unterstützender Funktionen sollen weitere 25 Stellen abgebaut werden.
- Standort Bad Neustadt: Die Belegschaft vor Ort wurde in den vergangenen Jahren bereits massiv reduziert, die Produktion eingestellt. Laut dem Unternehmenssprecher soll der Standort jetzt komplett aufgelöst werden. 183 Mitarbeiter waren dort zum Jahreswechsel noch tätig. 143 Mitarbeiter sollen nun ihren Job verlieren, 40 Stellen nach Erlangen verlegt werden.
- Standort Erlangen: 77 der in Bad Neustadt und Ebern abgebauten Arbeitsplätze werden in das Forschungs- und Entwicklungszentrum nach Erlangen verlegt. Auch dort sollen jedoch Stellen gestrichen werden - und zwar 158, wie der Unternehmenssprecher mitteilt. Betroffen sei der Bereich Forschung & Entwicklung.
IG Metall zu Werksschließung in Bad Neustadt: "Ein Skandal"
Die nun beschlossenen Zahlen können sich allerdings noch ändern, betont der Sprecher. Schließlich stünden die Verhandlungen mit den Sozialpartnern noch aus. Auch einen genauen Zeitrahmen könne er bisher nicht nennen. Es sei jedoch davon auszugehen, dass viele Veränderungen noch im laufenden Jahr stattfinden werden.
Die Nachricht der Werksschließung in Bad Neustadt schockiert auch Reiner Gehring, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt und zuständiger Betriebsbetreuer: "Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten, die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, will sich das Unternehmen aus der Verantwortung ziehen", betont er.