Neue Ernährungsregeln der Trump-Regierung: "Da können wir durchaus lernen"

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Ernährungsempfehlungen der US-Regierung: "Da können wir durchaus lernen"
US-Präsident Donald Trump (l.) ist bekennender Fast-Food-Fan. Doch einer Empfehlung aus den neuen Ernährungsregeln seiner Regierung stimmt Diätassistentin Veronica Albers vollumfänglich zu.
Ernährungsempfehlungen der US-Regierung: "Da können wir durchaus lernen"
Collage inFranken.de: Oviva ;

Rotes Fleisch, Butter, Milchprodukte. Die neuen US-Ernährungsempfehlungen sind umstritten. Doch in einem Punkt sind sie uns voraus, sagt Expertin Veronica Albers.

Die Trump-Regierung hat mit neuen Ernährungsrichtlinien für Aufsehen gesorgt. Während die US-Gesundheitsbehörden einen radikalen Kurswechsel in der Ernährungspolitik propagieren, äußern Fachleute teils Bedenken. "Meine Botschaft ist klar: Esst echtes Essen", sagte US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. bei einer Pressekonferenz am 7. Januar 2026 im Weißen Haus.

Die neuen "Dietary Guidelines for Americans, 2025–2030" markieren laut den zuständigen Ministern "den bedeutendsten Neustart der bundesstaatlichen Ernährungspolitik in der Geschichte unserer Nation". Im Zentrum steht die Forderung nach "echten, nährstoffreichen Lebensmitteln" – mit einem deutlichen Schwerpunkt auf tierischen Produkten.

"Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen": Expertin kritisiert diese neuen US-Ernährungsempfehlungen

Die Richtlinien empfehlen nun 1,2 bis 1,6 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich – eine erhebliche Steigerung gegenüber bisherigen Standards. Zum Vergleich: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt nach wie vor 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die neuen US-Vorgaben fordern zudem: "Priorisieren Sie proteinreiche Lebensmittel bei jeder Mahlzeit" und nennen dabei explizit "Eier, Geflügel, Meeresfrüchte und rotes Fleisch".

Ernährungsberaterin Veronica Albers von der Abnehm-App Oviva sieht diese Entwicklung kritisch, wie sie gegenüber inFranken.de erklärt. "Die erhöhte Protein-Empfehlung von 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht hat wissenschaftliche Grundlagen und eignet sich insbesondere für bestimmte Bevölkerungsgruppen." Problematisch sei jedoch die starke Betonung tierischer Quellen. "Was die Fleisch-Priorisierung angeht: Hier vermisse ich die Differenzierung", erklärt Albers. "Rotes Fleisch in größeren Mengen steht wissenschaftlich nach wie vor in Verbindung mit erhöhten Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten."

Umstritten ist auch die Empfehlung zu Fetten. Die Richtlinien fordern drei Portionen Vollfett-Milchprodukte täglich und listen Butter sowie Rindertalg unter der Kategorie "gesunde Fette" auf. Dort heißt es: "Beim Kochen mit oder Hinzufügen von Fetten zu Mahlzeiten priorisieren Sie Öle mit essentiellen Fettsäuren wie Olivenöl. Andere Optionen können Butter oder Rindertalg umfassen." Für Albers ist dies "einer der kontroversesten Punkte der neuen Richtlinien". Die Einordnung von Butter und Rindertalg als "gesunde Fette" sei "wissenschaftlich nicht eindeutig haltbar".

"Längst überfällig": Das machen die USA laut Ernährungsberaterin besser

Während Protein und Fette aufgewertet werden, wurden Vollkornprodukte in der Ernährungspyramide herabgestuft. Die Richtlinien empfehlen nur noch zwei bis vier Portionen täglich und fordern eine "signifikante Reduzierung des Konsums von hochverarbeiteten, raffinierten Kohlenhydraten". Albers hält diese Gewichtung für "aus ernährungswissenschaftlicher Sicht fragwürdig", wie sie erklärt. "Vollkornbrot, Haferflocken, brauner Reis und Vollkornnudeln sind wichtige Ballaststofflieferanten, die nachweislich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs senken", erläutert die Spezialistin inFranken.de.

Die Empfehlung von nur zwei bis vier Portionen im Vergleich zu den fünf Portionen der DGE erscheine ihr "zu niedrig angesetzt". Die Expertin sieht die Gründe in unterschiedlichen wissenschaftlichen Traditionen und Forschungsschwerpunkten: "Die USA haben traditionell einen stärkeren Fokus auf Protein-Forschung, während in Europa die mediterrane Ernährung mit ihrem höheren Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln stärker als Vorbild dient." Der Hinweis auf die Darmgesundheit und die Bedeutung fermentierter Lebensmittel wie Sauerkraut, Kimchi oder Kefir sei hingegen "progressiv und wissenschaftlich fundiert", so Albers. "Das Mikrobiom rückt zurecht stärker in den Fokus."

Ein zentrales Anliegen der neuen Richtlinien ist die Warnung vor hochverarbeiteten Produkten. "Vermeiden Sie hochverarbeitete, verpackte, vorbereitete oder verzehrfertige Lebensmittel", heißt es in dem Dokument. Diesen Aspekt begrüßt auch Albers ausdrücklich: "Der starke Fokus auf die Reduktion von hochverarbeiteten Lebensmitteln ist längst überfällig." Mehr als 70 Prozent der amerikanischen Erwachsenen sind nach Angaben der US-Regierung übergewichtig oder adipös, fast ein Drittel der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren habe Prädiabetes. Albers fordert von der DGE, das Thema hochverarbeitete Lebensmittel auch in Deutschland noch deutlicher adressieren. "Da können wir von den USA durchaus lernen."

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