Eine aktuelle Studie vergleicht, wie weit die Rente in Europa reicht. Besonders in Deutschland bleibt für viele Rentner eine große Finanzlücke im Alter.
Geht es in Deutschland um das Thema Rente, dann geht es meist auch immer um Altersarmut. Zuletzt zeigte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) mit ihrem Rentenatlas, dass es auch 2025 weiter ein großes Problem bleibt. Außerdem legten Angaben der Auswertungen des Statistischen Bundesamtes offen, dass viele Gehälter gar nicht mehr reichen werden, für genug Geld im Ruhestand.
Eine aktuelle Studie zeigt, dass nur in vier Ländern die Rente alleine zum Leben reicht. Die Plattform DataPulse hat in ihren Berechnungen laut eigenen Angaben "die realen Ausgabegewohnheiten der über 60-Jährigen europaweit analysiert, inflationsbereinigt auf das Preisniveau von 2023 hochgerechnet und sie direkt den durchschnittlichen staatöichen Altersrrenten gegenübergestellt."
Vier Länder in Europa bieten Rente zum Leben
Das Ergebnis: Nur in Spanien, Rumänien, Polen und Tschechien reicht die Rente alleine zum Leben. Hier sind sie höher als die Ausgaben. In den restlichen Ländern in Europa deckt demnach die durchschnittliche Rente nicht einmal "vor Steuerabgaben die gesamten jährlichen Ausgaben einer Person".
Laut Aufarbeitung durch das Nachrichtenmagazin Focus, zeigen die Angaben auch, dass die gesetzliche Rente in Deutschland damit nur etwa zwei Drittel der Lebenserhaltungskosten deckt.
Den Rest müssen Rentner aus Ersparnissen, privater Vorsorge, Unterstützung durch Familie oder zusätzlicher Arbeit aufbringen.
Deutschland gilt bei der Rente als "Defitizland"
Folgt man den Auswertungen der Studie, dann zeigt sich auch, dass Deutschland als sogenanntes "Defizitland" einzustufen ist. Die Studie teilt Europa in verschiedene Kategorien auf:
Rente im Überschuss: Nur bei den bereits vier genannten Ländern übersteigt die typische staatliche Rente tatsächlich die durchschnittlichen jährlichen Ausgaben. Rumänien (+21 %), die Tschechische Republik (+18 %), Polen (+4 %) und Spanien (+3%). In diesen Ländern können Rentner, die ausschließlich vom Staat leben, ihre durchschnittlichen Ausgaben wahrscheinlich decken.
Die Beinahe-Erfolgreichen: Es gibt in der Studie zwei Länder: Bulgarien und Dänemark. Hier liegen die Renten, vor Steuern, knapp unter dem Betrag der Ausgaben (weniger als 10 % Unterschied).
Rente im Defizit - die Mehrheit: In 24 Ländern besteht laut Angaben eine große Diskrepanz zwischen den staatlichen Leistungen und den tatsächlichen Ausgaben von Menschen über 60. Am größten ist die Spannung in Kroatien, wo die Rente 40 % unter den durchschnittlichen Ausgaben liegt, dicht gefolgt von Slowenien (39 %), Ungarn (38 %) und Norwegen (37 %). In diesen „Defizitländern" müssen Rentner und Rentnerinnen andere Wege finden, um mehr als ein Drittel ihres Lebensunterhalts zu finanzieren.
Die Verantwortlichen weisen darauf hin, dass es sich "bei den in dieser Studie verwendeten Rentenwerten um Bruttobeträge handelt". Die staatlichen unterliegen in fast allen EU-Mitgliedstaaten der Einkommensteuer sowie häufig auch Sozialversicherungsbeiträge.
Für eine Einordnung der DataPulse-Ergebnisse hat sich auf Anfrage von inFranken.de, die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier geäußert.
Engelmeiser sieht darin eine Bestätigung aktueller und vergangener Entwicklungen: "Die aktuellen Zahlen bestätigen leider, was wir seit Jahren beobachten: Die Renten sind für viele Menschen in Deutschland zu niedrig, um den Lebensstandard im Alter zu sichern."
Und die SoVD-Chefin ist sich sicher: "Der Paradigmenwechsel hin zu mehr Eigenvorsorge ist gescheitert, denn die meisten Menschen konnten den Leistungsabbau bei der gesetzlichen Rente durch betriebliche oder private Vorsorge nicht ausgleichen".
Engelmeier: "Wenn Renten nicht zum Leben reichen, ist das ein klarer sozialpolitischer Handlungsauftrag. Deshalb muss die gesetzliche Rente wieder deutlich gestärkt werden, damit Menschen nach einem langen Arbeitsleben von ihrer Rente gut leben können."
Der wichtige Vergleich der durchschnittlichen Jahresrente und der Kaufkraft
Ein sehr interessanter Punkt, den die Studie in einer der zahlreichen Statistiken aufgreift, ist der Vergleich der durchschnittlichen Jahresrente mit der Kaufkraft, die bei Rente tatsächlich dahintersteht.
Liegt hier Luxemburg bei der durchschnittlichen Jahresrente mit rund 34.000 Euro weit vorne, kommen Senioren im Land bei der Kaufkraft auf nur 23.000 Euro aufs Jahr gesehen.