Die staatliche Pharmaindustrie Kubas ist derzeit nicht in der Lage, die am häufigsten verschriebenen Medikamente zu liefern. In einem durchschnittlichen Monat fehlen dem kubanischen Gesundheitssystem 38 Prozent der benötigten Medikamente. Kuba produziert nur noch 59 Prozent der für die öffentliche Gesundheit erforderlichen Arzneimittel. Die Behörden haben die zollvergünstigte Einfuhr von Medikamenten um sechs Monate verlängert, um die Versorgungslücken zu schließen.
Dramatischer Medikamentenmangel verschärft Krise
Der Medikamentenmangel hat einen florierenden Schwarzmarkt mit exorbitanten Preisen entstehen lassen. Familien müssen ihre eigenen Vorräte in Krankenhäuser mitbringen, während Patienten auf Chatgruppen angewiesen sind, um Medikamente zu kaufen, die in staatlichen Apotheken nicht verfügbar sind – allerdings zu Preisen, die das 50-fache der offiziellen Kosten betragen.
Berichte zeigen, dass "Abnormalität zur Normalität" geworden ist, während die Regierung angesichts der Korruption und der Gesundheitskrise kaum Maßnahmen ergreift.
Hinzu kommt die Abwanderung von Ärzten, die das System zusätzlich belastet. Viele kubanische Mediziner suchen im Ausland bessere Arbeitsbedingungen. Die Abwanderung verdeutlicht die tiefen strukturellen Probleme im Gesundheitssystem des Landes, das unter schlechten Arbeitsbedingungen und einem gravierenden Verlust an Fachkräften leidet.
Energiekrise legt Infrastruktur lahm
Kuba sieht sich einer akuten Energiekrise gegenüber, die auf eine breitflächig marode Energieinfrastruktur trifft. Das Ausbleiben von Öl- und Treibstofflieferungen aus dem Ausland führt zu erheblichen Ausfällen bei der Energie- und Treibstoffversorgung, die sich auf alle Lebensbereiche auswirken. Die Kapazität zur Stromerzeugung deckt seit Langem nicht den Bedarf. Havarien und die Verknappung des Treibstoffs führten bereits in den letzten Jahren zu landesweiten, mehrstündigen geplanten Stromabschaltungen, wie das Auswärtige Amt feststellt.
Ein erneuter Zusammenbruch des Stromnetzes kann nicht ausgeschlossen werden. Bei Stromausfällen ergeben sich häufig Probleme bei der Wasserversorgung; teilweise besteht keine Versorgung mit Warmwasser. Die Lebensmittelkühlung kann unter Umständen nicht durchgehend sichergestellt werden. Durchgehende Stromversorgung gibt es nur in Gebäuden und Hotels mit Generatoren, solange diese über Treibstoff verfügen. Viele öffentliche Einrichtungen sind geschlossen oder ohne Klimatisierung.
Der Regionalverkehr mit Überlandbussen ist auf ein Minimum beschränkt und wird absehbar eingestellt. Tankstellen sind in den Notbetrieb gewechselt, werden vielfach gar nicht mehr geöffnet und teilweise durch die Militärpolizei gesichert. Die Abgabe von Treibstoff wurde auf 20 Liter pro Tankvorgang beschränkt. Treibstoff muss teilweise in US-Dollar bezahlt werden. Überlandfahrten im eigenen Fahrzeug oder in einem Mietwagen können aufgrund der Treibstoffknappheit derzeit nicht durchgeführt werden.
Zusätzliche Gesundheitsrisiken durch Infektionskrankheiten
Neben der zusammenbrechenden Infrastruktur bedrohen mückenübertragene Erkrankungen die Gesundheit auf der Insel. Die im Herbst 2025 stark angestiegenen Fälle von Denguefieber, Chikungunya-Fieber und Oropouche-Fieber treten weiterhin auf. Betroffen sind insbesondere die Ost- und Zentrumsprovinzen wie Santiago de Cuba, Matanzas, Granma und Guantánamo, aber auch die Hauptstadt Havanna.
Denguefieber breitet sich in mehreren Regionen Kubas zunehmend aus. Fehlende Medikamente, unzureichende Hygienemaßnahmen und staatliche Untätigkeit verschärfen die Lage dramatisch. Das Gesundheitssystem ist angesichts der Dengue-Epidemie am Limit, auch Cholera wird seit 2012 vor allem aus den Provinzen Havanna, Guantánamo, Santiago de Cuba, Granma und Camagüey sowie Cienfuegos vereinzelt auch bei Touristen gemeldet.
Internationale Organisationen zeigen sich besorgt. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO/WHO) bestätigt, dass es dem Gesundheitssystem zwar an ausgebildetem Personal nicht mangelt, jedoch ein gravierender Mangel an Reagenzien und Laborbedarf für Diagnostik, Antibiotika und anderen Medikamenten für die Behandlung sowie grundlegenden Versorgungsgütern für das Funktionieren der Gesundheitsdienste besteht.
Empfehlungen für Kuba-Reisende
Das Auswärtige Amt gibt klare Handlungsempfehlungen für alle, die dennoch nach Kuba reisen müssen:
Vor der Reise:
Während des Aufenthalts:
- In der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts registrieren
- Powerbanks, Taschenlampen und Kerzen mitführen, um längere Stromausfälle zu überstehen
- Nach Einbruch der Dunkelheit besonders vorsichtig im öffentlichen Bereich bewegen
- Konsequent vor Mückenstichen schützen, insbesondere tagsüber und in der Dämmerung
- Nur Hotels und Privatpensionen mit staatlicher Erlaubnis nutzen
- Keine Überlandfahrten bei Dunkelheit unternehmen
Die Situation verdeutlicht eindrücklich, wie schnell ein einst renommiertes Gesundheitssystem unter dem Druck wirtschaftlicher und politischer Krisen zusammenbrechen kann. Für Touristen, die das Karibikparadies besuchen wollten, bedeutet die aktuelle Lage ein erhebliches Risiko, das ohne funktionierende medizinische Versorgung lebensbedrohlich werden kann, wie der ADAC warnt. Die Reisewarnung für Kuba reiht sich ein in eine Serie drastischer Warnungen des Auswärtigen Amts im Jahr 2026.
Vom Touristenmagneten zur Krisenregion
Kuba blickt auf eine lange Tradition als beliebtes Reiseziel zurück. Bereits im 19. Jahrhundert errichteten wohlhabende Kubaner ihre Sommervillen in Varadero, wo die ersten Parzellen für Ferienwohnungen 1887 entstanden. Den ersten großen Tourismusschub erlebte die Insel während des Ersten Weltkriegs, als in den 1920er-Jahren ausländische Investoren und berühmte Persönlichkeiten die Region für sich entdeckten. Vor der Revolution 1959 war Kuba ein Spielplatz für wohlhabende US-Amerikaner, die in Havanna Casinos, Nachtclubs und Luxushotels frequentierten.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er-Jahren öffnete sich Kuba verstärkt für den internationalen Tourismus. Die Hauptstadt Havanna mit ihrer kolonialen Architektur, Varadero mit seinen über 20 Kilometer langen weißen Sandstränden, die Cayos-Inseln sowie Trinidad entwickelten sich zu gefragten Destinationen. Besonders Kanadier, Europäer und später auch US-Amerikaner schätzten die Kombination aus Karibikstränden, Kolonialarchitektur, Oldtimern und dem besonderen Flair der sozialistischen Insel. Deutsche Touristen gehörten lange zu den wichtigsten europäischen Besuchergruppen. Wer heute Karibik-Kreuzfahrten plant, sollte alternative Destinationen in Betracht ziehen.
Das 21. Jahrhundert brachte zunächst kontinuierliches Wachstum. Die Annäherung zwischen Kuba und den USA unter Präsident Obama führte 2016 zu einem Anstieg der US-amerikanischen Touristen um 74 Prozent, 2017 sogar um 119 Prozent auf 620.000 Besucher. Im Jahr 2019 erreichte Kuba mit über 4,2 Millionen internationalen Besuchern einen historischen Höchststand. Doch die COVID-19-Pandemie traf den Tourismussektor verheerend: 2021 brach die Besucherzahl um fast 70 Prozent ein, auf gerade einmal ein Sechstel der Prognose, so die Deutsch-Kubanische Industrie- und Handelskammer.
Die Erholung verlief schleppend – 2022 kamen nur 1,6 Millionen Besucher, 2023 etwa 2,4 Millionen, was lediglich 56 Prozent des Niveaus von 2019 entsprach. Im ersten Quartal 2025 verzeichnete Kuba erneut einen deutlichen Rückgang mit nur 571.772 Touristen. Selbst der wichtigste Markt Kanada verzeichnete einen Einbruch um über ein Viertel, wie die University of Navarra in einer Analyse feststellt. Die aktuelle Energiekrise von 2026 könnte dem bereits angeschlagenen Tourismussektor nun den endgültigen Todesstoß versetzen, schlägt das deutschsprachige Online-Nachrichtenportal "Cuba heute" Alarm.