Eine Therme hat auf wiederholte Vorfälle mit einem neuen Sicherheitskonzept reagiert. Die strengen Einlassregeln zum Geschlechterverhältnis sorgen für Diskussionen.
Die Havel-Therme im brandenburgischen Werder hat bundesweit Aufmerksamkeit erregt, nachdem sie ihre Einlassregeln wegen Problemen mit alkoholisierten Männergruppen drastisch verschärft hat. Mit einem Sicherheitskonzept, das auf eine "Geschlechter-Balance" setzt, reagierte die Therme auf wiederholte Vorfälle, die sowohl Gäste als auch Mitarbeiter betroffen haben.
Die drastische Verschärfung der Einlassregeln erfolgte vor mehr als einem Jahr. Man achte seither auf ein "ausgewogenes Verhältnis der biologischen Geschlechter", betont Geschäftsführer Andreas Schauer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zuvor hatten die Bild und andere Medien berichtet.
Geschlechter-Balance: Umstrittene Sicherheitsmaßnahmen in der Therme
"Wir haben Probleme mit gewaltbereiten Männergruppen, die teils alkoholisiert kommen", erklärte Schauer der dpa. Diese hätten Mitarbeiter und Gäste angepöbelt, es sei zu körperlichen Übergriffen gekommen. Die Probleme in der Therme reichen zurück bis ins Jahr 2024. Wie t-online berichtet, kam es zu Belästigungen, darunter körperliche Übergriffe, Begrapschungen von Gästen und Personal sowie Messerstechereien auf dem Parkplatz.
Da diese Vorfälle "nicht geduldet" würden, habe die Therme mit "relevanten Behörden" ein neues Sicherheitskonzept entwickelt, das seit Ende 2024 greift. Dieses setzt unter anderem auf eine Quotenregelung.
Schneider erklärt: Ein "biologisches Geschlecht" dürfe seither das andere um maximal 20 Prozent überwiegen. Anderenfalls erfolge ein "temporärer Einlassstopp für das überwiegende biologische Geschlecht", sagte Schauer. Vielfalt und Herkunft spielten dabei "ausdrücklich" keine Rolle, betonte er. Ein "eklatantes Missverhältnis – etwa ein starker Überhang eines Geschlechtes – sowie die Anwesenheit von Gruppen - können das Sicherheitsempfinden und somit die Aufenthaltsqualität des in der Minderheit vertretenen Geschlechtes beeinträchtigen", sagte der Thermenchef der dpa.
"Einlassregulierung": Hauptpunkte des Sicherheitskonzepts
Vor etwas mehr als einem Jahr hat die Havel-Therme das umfassende Sicherheitskonzept eingeführt, das auf die Herausforderungen durch frühere Vorfälle zugeschnitten ist. Unter anderem sollten folgende Regeln, die die Havel-Therme unter dem Punkt "Einlassregulierung" auf ihrer Website dokumentiert, sowohl Gäste als auch Mitarbeiter besser schützen:
Ausgewogenes Geschlechterverhältnis: Ein biologisches Geschlecht darf das andere um maximal 20 Prozent überwiegen. Anderenfalls wird ein temporärer Einlassstopp verhängt, unabhängig davon, ob die Kapazitätsgrenze erreicht ist.
Berücksichtigung von Sicherheit und Aufenthaltsqualität: Ein starkes Missverhältnis der Geschlechter oder die Anwesenheit von Gruppen können das Sicherheitsempfinden und die Aufenthaltsqualität des in der Minderheit vertretenen Geschlechts negativ beeinflussen.
Vielfalt und Herkunft: Diese Faktoren spielen laut der Therme ausdrücklich keine Rolle bei der Einlassregulierung.
Zusammenarbeit mit Behörden: Das Sicherheitskonzept der Havel-Therme wurde in Abstimmung mit relevanten Behörden entwickelt.
Für Gruppenbesuche gelten darüber hinaus spezielle Regelungen, um den Ablauf zu koordinieren und die Sicherheit zu gewährleisten:
Anmeldungspflicht: Gruppen ab drei Personen müssen sich spätestens zwei Tage vor ihrem geplanten Besuch per E-Mail beim Kundenservice der Havel-Therme anmelden.
Bestätigung erforderlich: Nach Prüfung der Anmeldung erfolgt eine schriftliche Bestätigung durch den Kundenservice, die vor Ort vorgelegt werden muss.
Keine Garantie durch Online-Tickets: Ein Online-Ticket allein sichert keinen Eintritt, wenn keine Anmeldung erfolgt ist.
Ausnahmen: Familien mit Kindern sind von der Anmeldepflicht ausgenommen.
Ein Jahr später: Verständnis, Kritik - und ein Gerichtsverfahren
Die Einführung der Geschlechter-Balance hat sowohl Zustimmung als auch Kritik hervorgerufen. Laut t-online äußerten einige Gäste Verständnis für die Maßnahmen, während andere die Regelungen als diskriminierend empfinden. Watson zufolge wurde kritisiert, dass die Regelung beide Geschlechter betrifft, obwohl die Vorfälle hauptsächlich von Männergruppen ausgingen.
Ein Jahr nach der Einführung der Regelung zieht die Therme eine positive Bilanz. "Seit wir das machen, funktioniert es sehr gut", bekräftigt Thermen-Geschäftsführer Schauer. Der Betrieb sei "deutlich entspannter" geworden, und die Zahl der Vorfälle habe stark abgenommen. Die Polizei habe seltener eingreifen müssen.
Allerdings habe es auch eine Klage und Gerichtsverfahren gegeben, weil sich homosexuelle Männer, die nicht angemeldet waren, wegen der Abweisung diskriminiert gefühlt hatten, gab Schauer gegenüber der dpa zu: "Es ist nicht unser Traum, dass wir vorne Security stehen haben, und es ist traurig, dass man solche Maßnahmen ergreifen muss." Aber die Therme erfahre viel Zuspruch für die geänderten Einlassregeln.
Kontroverse um Geschlechterquote
In den sozialen Medien schlagen die Maßnahmen der Havel-Therme zur Geschlechter-Balance hohe Wellen und werden kontrovers diskutiert. Dabei stehen sowohl die strengen Einlassregeln als auch die gesellschaftlichen und sicherheitspolitischen Implikationen im Fokus. Die Meinungen sind auch hier gespalten, die Einführung der Geschlechterquote wird von einigen als notwendige Sicherheitsmaßnahme erachtet und von anderen als diskriminierend kritisiert. So erklärt die Berliner Zeitung auf Instagram die Hintergründe der Maßnahme, die mit Messerstechereien und sexuellen Übergriffen einhergingen.
Ebenfalls auf Instagram wirft das beliebte Schweizer Online-Nachrichtenportal Watson die Frage auf, ob die Maßnahme wirklich sinnvoll ist, da weibliche Gruppen selten für ähnliche Probleme sorgen wie männliche Gruppen.
Dennoch bleibt die Maßnahme umstritten, da einzelne Gäste rechtliche Schritte einleiteten und Vorwürfe der Diskriminierung laut wurden. Laut Spiegel wird der Fall zudem zunehmend politisch instrumentalisiert. Rechte Gruppierungen nutzten die Diskussion für politische Instrumentalisierung.
Vorbild für andere Einrichtungen?
Security in Bädern ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) "bei Weitem nicht Alltag in den deutschen Bädern". Es sei aber "punktuell eine sinnvolle Ergänzung des Sicherheitskonzepts, vor allem an besucherstarken Tagen und in bestimmten Regionen", erklärte der Verband auf dpa-Nachfrage. Allerdings sei "die genannte Problematik kein bäderspezifisches Phänomen", sondern spiegele die "gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen wider, die eben auch in Bädern sichtbar werden".
Die konkreten Maßnahmen der Havel-Therme wolle man nicht bewerten. Die DGfdB befürworte aber, dass "der Betreiber Verantwortung gezeigt hat und Sicherheit vor Gewinnmaximierung stellt, um auf die Bedürfnisse der Gäste einzugehen".
Das Beispiel der Therme zeigt, wie Sicherheitskonzepte auf spezifische Herausforderungen zugeschnitten werden können. Laut Traunsteiner Tagblatt könnte das Konzept auch anderen Freizeitbetrieben als Vorbild dienen. Die Maßnahmen sorgen für eine höhere Aufenthaltsqualität und Sicherheit. Ob die Geschlechter-Balance langfristig als Erfolgsmodell angesehen wird, bleibt abzuwarten. Die Diskussion zeigt jedoch, dass das Thema Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zunehmend an Bedeutung gewinnt, wie Welt beschreibt.
Die Havel-Therme bezeichnet sich selbst als "Die Premium-Spa-Therme vor den Toren Berlins" und befindet sich in Werder (Havel), idyllisch gelegen am Ufer des Großen Zernsees. Sie wurde am 18. Juni 2021 eröffnet, nachdem sie über zehn Jahre Bauzeit benötigte. Die Kleinstadt befindet sich im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg, etwa 15 Kilometer westlich von Potsdam und rund 40 Kilometer von Berlin entfernt.
Die brandenburgische Therme gehört damit zu den Bädern im Berliner Umland, die auch in einem aktuellen bundesweiten Thermen-Ranking erwähnt werden. Laut der Rangliste zählen drei fränkische Thermen zu den besten in ganz Deutschland. Die Top-Thermen in Franken bieten eine einzigartige Kombination aus Natur und Wellness. Laut einer Umfrage gehören die Obermain Therme und die Therme Bad Steben zu den beliebtesten Anlagen der Region.
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