Rudi Löhr (76) aus Wolkenstein gehört zu den treuesten Lesern des Fränkischen Tages. "Wenn ich um 5 Uhr aufstehe, schlage ich als erstes die Zeitung auf", berichtet der Senior, der schon als Neunjähriger diese Zeitung ausgetragen hat. "Ich weiß nur noch, dass die Zeitungen in Wannbach, wo ich zur Schule ging, angeliefert wurden. Ich habe sie den drei Kilometer langen Fußweg über den steilen Berg herauf nach Wolkenstein mitgenommen und dann am Nachmittag verteilt", berichtet Löhr.

Bei Aufräumarbeiten ist ihm der Agentur-Vertrag, den sein Vater Ferdinand für ihn am 16. Mai 1951 mit dem Fränkischen Tag abgeschlossen hat, in die Hände gefallen. "Ich war damals erst elf, da haben die mich noch nicht für voll genommen", lacht der Senior. Er erinnert sich, dass es damals, Anfang der 50-er Jahre nur dreimal in der Woche eine Zeitung gab.


Fleißig Werbung gemacht

Die Vertragsbedingungen kennt Rudi Löhr auswendig. "Ein Abonnement kostete damals pro Monat zwei Mark 40. Davon durfte ich 30 Pfennig als Trägerlohn für mich behalten. Den Rest musste ich unaufgefordert auf das Postscheckkonto des Fränkischen Tages einzahlen", berichtet Löhr. Er schmunzelt: "Ab da habe ich immer Geld gehabt."

Viel war es nicht, denn von den 13 Häusern, die es damals in Wolkenstein gab, hatten anfangs kaum die Hälfte eine Zeitung. Er habe schon drauf geachtet, dass sich das ändert, berichtet Löhr, der einen zweiwöchigen Fahrradausflug mit der Schule an den Bodensee nicht mitmachen durfte, weil er damals noch kein Fahrrad hatte. Also hat er fleißig Werbung für den Verlag gemacht, um Geld zu verdienen hat. Er schaffte es, dass zwei Drittel aller Wolkensteiner den Fränkischen Tag gelesen haben.

Er habe das sehr ernst genommen, was in dem Agenturvertrag stand. Da hieß es nämlich: "Ich übernehme die Gewähr, für den Fränkischen Tag intensiv zu werben, um einen hohen Abonnentenstand zu erreichen." Und: "Ohne Genehmigung des Verlages dürfen andere Zeitungen und Zeitschriften vom Vertreter (unserer Agentur) nicht vertrieben werden."


Auch Berichte geschrieben

"So lange ich die Agentur hatte, und das waren ein paar Jahrzehnte, gab es in Wolkenstein niemanden, der eine andere Zeitung abonniert hatte", erinnert sich Löhr, der auch für Inhalte der Zeitung sorgte: Als Schriftführer und Kassier der Freiwilligen Feuerwehr Moggast berichtete er über Einsatzübungen und Leistungsprüfungen. Auch Neuerungen beim Bauernverband fasste Löhr zusammen und reichte seine Berichte exklusiv an den Fränkischen Tag weiter.

"Eigentlich sollte ich studieren, aber das kam für meinen Vater nicht in Frage. Als ich einen Beruf lernen wollte, machte er mir deutlich: 'Du wirst in der Landwirtschaft gebraucht.' Also habe ich mich gefügt", berichtet Rudolf Löhr , der sich mit zehn Hektar abrackerte, um seine Familie zu ernähren.

Bis 1994 - dieses Datum ist handschriftlich auf auf dem Umschlag, in dem der Vertrag aufbewahrt wurde vermerkt - hatte Rudi Löhr die Agentur. Ein Schlaganfall zwang ihn dazu, seine Passion aufzugeben. "Aber nicht, bevor ich eine Nachfolgerin gefunden hatte", unterstreicht Löhr. Wer heute die Zeitung austrägt, weiß der Nachrichtenbote von einst nicht: "Da kommt jemand von auswärts mit dem Auto."