Nachdem vor drei Jahren zwei Äderchen in ihrem Gehirn geplatzt waren, ist Nadine Reichardt linksseitig gelähmt. Doch die junge Frau, Mutter von drei Kindern, kämpft und setzt sich ehrgeizige Ziele. Bereits im April sagte sie, dass es ihr Wunsch sei, wieder laufen zu lernen. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, entschied sie sich für eine besondere Reha. Ein knappes halbes Jahr später ist sie zurück und kann von großartigen Ergebnissen berichten. Zum Beispiel kann sich selbst ein T-Shirt anziehen und auch Fortschritte beim Laufen kann sie berichten.


Ablehnung der Krankenkasse

Doch es gibt auch einen Punkt, der die 36-Jährige schmerzt: "Gestern haben wir die endgültige Ablehnung von der Krankenkasse bekommen." Sie spricht von der Finanzierung der Reha beim Zentrum der Rehabilitation Geerlofs in Pforzheim. In dieser Einrichtung habe sie so viele Fortschritte gemacht, erzählt auch Nadines Mutter, dass sie nun ab Ende September sogar wieder anfangen wird zu arbeiten. "Einmal in der Woche werde ich in einer Physiotherapiepraxis helfen", sagt Nadine. Sie wird dort Dinge am Computer erledigen und mit ihrem E-Rolli selbst hinfahren.

Für die junge Mutter bedeutet das einen großen Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Auch im nächsten Jahr möchte Nadine die Reha in Pforzheim besuchen. Aktuell ist sie aber ziemlich frustriert. "Der MDK ( Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung) hat der Krankenkasse empfohlen, dass die Reha nicht bezahlt wird. Eine stationäre Reha, die 12.000 Euro kostet, wäre bezahlt worden. Im vergangenen Jahr hatte Nadine diese stationäre Reha aber gemacht und keinerlei Erfolg gehabt. Deshalb haben wir uns dagegen entschieden", sagt Nadines Mutter.

"Die sechswöchige Behandlung bei Geerlofs hat 18.000 Euro gekostet, die wir jetzt selbst bezahlen müssen", erklärt Nadine. Die 36-Jährige hatte sich wenigstens erhofft, dass ein Teil der Kosten übernommen wird. "Und dabei hat mich niemand vom MDK gesehen, bevor die darüber entschieden haben, ob etwas bezahlt wird oder nicht."

Ruth Wermes vom MDK erklärt die Sachlage: "Das deutsche Gesundheitssystem und die gesetzliche Krankenversicherung ist keine Vollkaskoversicherung." Das bedeute, dass nur medizinisch notwendige Leistungen übernommen werden. "Es gibt gesetzliche Regeln und Vorgaben, an die wir uns bei einer Leistungsentscheidung halten müssen. Wenn eine Leistung laut dem Standardkatalog keine gesetzliche Leistung ist, können wir auch keine Empfehlung zur Übernahme abgeben", erklärt Ruth Wermes.

Dabei gehe der MDK Bayern immer gleich vor. Bei 1,2 Millionen Entscheidungen im Jahr könne man nicht jeden Fall persönlich begutachten. Jede Entscheidung ist jedoch eine Einzelfallentscheidung. Das Standardverfahren sei, dass man anhand der Unterlagen entscheide. Nur wenn diese nicht eindeutig seien, werde eine persönliche Begutachtung vorgenommen. Häufig erfolge auch eine direkte Rücksprache mit dem behandelten Arzt. "Grundsätzlich gibt der medizinische Dienst aber nur eine Empfehlung ab, die Krankenkasse kann immer eigenmächtig entscheiden", stellt sie klar.

Nadine versucht nun das Geld für ihre Behandlung zusammenzubekommen. Auch Gabis Tagespflege hilft ihr dabei. Dort war die junge Frau bisher jeden Donnerstag zur Betreuung. Am Freitag, 16. September, beim Tag der offenen Tür steht ein Sparschwein für sie bereit. Bis zur nächsten Reha versucht Nadine noch selbstständiger zu werden, hat sich vorgenommen die Elternabende ihrer Kinder zu besuchen und selbst zu kochen. "Es ist keine Strafe, sondern eine Übung", ist ihr Mantra.


Hilfe für Nadine

Tag der offenen Tür Gabis Tagespflege hat am Freitag von 14 bis 18 Uhr einen Tag der offenen Tür. Dort werden Spenden für Nadine in einem Sparschwein gesammelt.

Benefiz-Kabarett Am 4. November findet in der Jahn-Halle in Baiersdorf ein Benefiz-Kabarett mit Claudia Bill statt. Alle Einnahmen gehen ohne Abzüge an Nadine Reichardt.