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Röttenbach
Querläufer (208)

Die Grenze zwischen real und virtuell zerläuft

Jochen Brosig aus Röttenbach im Landkreis Erlangen-Höchstadt hat eine Lauf-Zwischenwelt gefunden, in der er die Corona-Krise auf seine Weise bewältigt.
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Jochen Brosig privat
Jochen Brosig privat

Raus an die frische Luft. Abwechslung tut gut, denn die Laufwege um meine Heimat herum sind abgelaufen. Ja, alle gelaufen. Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommt? Ich nicht. Ortswechsel wäre nicht schlecht, der Wald meiner Kindheit eine gute Idee. Ein Trailrun im Erlanger Meilwald ist genau das Richtige. Hebt die Stimmung, macht Laune und schult nebenbei die Koordination. Ein paar Höhenmeter sammeln sich nebenbei. Los, nix wie hin!

Am Einstieg des Trimm-Dich-Pfads gleich neben der Handtuchwiese ist für mich der Start. Und was das Beste ist: Der Lauf wird ganz real, echt eben. Nicht virtuell. Virtuell, ein Ausdruck den man in letzter Zeit immer häufiger hört. Laufveranstaltungen sind immer noch nicht möglich. Keiner weiß, wann. Ein Training mit der Laufgruppe - schwierig. Immerhin darf man zu zweit mit Sicherheitsabstand joggen. Willst du als Läufer/in deine Form testen, dann stößt du zwangsläufig auf das Wörtchen virtuell. Virtuell hat etwas von vor dem Bildschirm sitzen oder auf dem Smartphone wischen.

Ein Blick auf Wikipedia verrät mir die Bedeutung von virtuell: "Die Eigenschaft einer Sache, nicht in der Form zu existieren, in der sie zu existieren scheint." Nicht wirklich also. Die Veranstaltung, die es so nicht gibt. Wobei bei einem virtuellen Run, der Lauf an sich, also die Anstrengung, schon ganz real existiert. Wie jetzt gerade auch.

Der Wurzelpfad schlängelt sich durch den Wald. Ein Sprung über den Graben. Bergauf Richtung Spardorfer Höhe. Schnell noch nebenbei ein Foto für Instagram gemacht. Plattformen wie Facebook haben Hochkonjunktur. Auch auf den Sport-Apps geht es rund. Da brauche ich dann schon das passende Foto. Beim Frisör war ich mittlerweile auch.

Im Netz kann man auf dem Hometrainer durchs virtuelle Watopia fahren und an einer Sonntags-Challenge teilnehmen. Den Anderen lockt der Break-Your-Limits-Run oder der NYC-Virtual-Brooklyn-Half. Die Virtual-Runners halten dich auf dem Laufenden über eine Vielzahl von virtuellen Läufen weltweit. "Run alone against the rest oft he world" oder "My virtual vision" oder ein virtueller Vatertagslauf. Auf meiner Laufuhr ploppt ein Sticker auf. Ich habe gerade die Rocket-Beans-HM-Challenge erfolgreich absolviert. Aha, ich wusste gar nicht, dass ich da mitmache.

Für den virtuellen Tangermünder Elbdeichmarathon haben wir uns bewusst entschieden. Der Querläufer und sein Sohn sind im April Marathon gelaufen. Zwar nicht in Paris wie geplant, aber mit Medaille und Urkunde daheim vor der Haustüre. Mit zehn Euro haben wir den Laufveranstalter in Tangermünde unterstützt, dessen Marathonevent natürlich abgesagt war.

Auch beim virtuellen Kren-Benefizlauf waren wir dabei. Der Lauftreff Baiersdorf hat kurzerhand aus dem abgesagten Krenlauf einen virtuellen Spendenlauf gemacht. Ganz reale 2700 Euro kamen so für die Pestalozzischule in Erlangen zusammen. Von wegen virtuell ist nicht wirklich, im Gegenteil.

Vergangenen Sonntag (17. Mai) stand wieder ein virtueller Lauf an. Der 1. Digitale Maisels-Fun-Run. Wieder ein Spendenlauf. Jeder läuft, was er kann - die Zeit ist egal - und schickt ein Bild an den Veranstalter. Die Brauerei Maisel unterstützt das Rote Kreuz mit 50 Cent je Kilometer. 10 320 Euro standen am Ende auf der Spendenuhr.

Aber nächste Woche geht es wieder auf den Mainradweg. Ganz in echt. Nix virtuell. Bleibt fit und gesund. Laufen stärkt das Immunsystem.

Run happy and smile!

Euer Querläufer