Wenn Ludwig Schmitt am Sonntagabend in sein Nikolaus-Gewand schlüpft, dann tut er dies im 27. Jahr in Folge. Denn auch trotz Corona wird er am 6. Dezember zwischen 18 und 20 Uhr durch die Dormitzer Straßen gehen. "Zu Kontakten kommt es da ohnehin eigentlich nie", erzählt Schmitt. "Meistens sitzen die Kinder an den Fenstern und schauen raus, ob sie den Nikolaus sehen. Um 18 Uhr ist es ja bereits dunkel und damit eine ganz besondere Stimmung. Selbst wenn jemand auf der Straße unterwegs ist, normalerweise schauen die Leute nur, trauen sich aber nicht her."

Veränderungen durch Corona

Während der Gang durchs Dorf wohl kaum anders ist als in den vergangenen Jahren, ändert sich der Besuch im Kindergarten grundlegend. Ludwig Schmitts Augen leuchten, wenn er zurückblickt, wie es bisher war. "Es war einfach immer schön, weil ich immer richtig gespürt habe, wie die Kinder sich über den Bischof Nikolaus gefreut haben", berichtet er. Es sei immer zusammen gesungen worden, die Kinder hätten etwas vorgetragen und Bischof Nikolaus hat eine Geschichte erzählt. "Das Entscheidende ist, dass die Kinder es mit allen Sinnen erleben", sagt er, "dann bleibt es auch im Kopf."

Da die Kinder im Dormitzer Kindergarten immer liebevoll von den Erzieherinnen vorbereitet worden sind, sei die Stimmung auch richtig toll gewesen, betont der Nikolaus. "Die Kinder sollen spüren, dass die Gemeinschaft wichtig ist", so Schmitt, "dabei lernen sie, dass man anderen Menschen helfen soll." Der Transfer, dass sich die Kinder Gedanken machen, wie sie selbst anderen helfen können, ginge dabei dann immer sehr einfach. Damit sei die Botschaft des Bischof Nikolaus dann auch schon bei den Kindergartenkindern angekommen.

Kinder wollten nicht, dass er geht

Bisher war es so, dass Ludwig Schmitt als Nikolaus den Wald herab kam. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten des Kindergartens in Dormitz konnten die Kinder seine Ankunft dann am Fenster beobachten. Pro Gruppe nahm sich der 65-Jährige dann immer 30 Minuten Zeit. "Oft wollten die Kinder dann gar nicht mehr, dass ich gehe", schmunzelt Schmitt, "und das, obwohl sie ihre Geschenke schon hatten."

Ganz früher, so erinnert sich Ludwig Schmitt an seine eigene Kindheit, hatten die Kinder Angst vor dem Nikolaus und vor Knecht Rupprecht. "Den Nikolaus hat man damals auch nicht gesehen, sondern nur Ketten rasseln gehört", sagt er. Diese Stimmung möchte er nicht verbreiten. "Sogar in den ersten Jahren, in denen ich in den Kindergarten gekommen bin, hatten die Kinder teilweise noch Angst", so Schmitt, "heute ist das anders, das liegt auch an den Eltern und Erziehern, aber Respekt, Wertschätzung und Achtung ist auf jeden Fall noch da."

In diesem Jahr muss coronabedingt allerdings alles auf Abstand erledigt werden. "Das ist natürlich auch eine Umstellung", sagt Schmitt. Den Besuch im Kindergarten lässt er sich trotzdem nicht nehmen. "Ich habe nun mit den Erzieherinnen vereinbart, dass das Treffen von den Kindern und Bischof Nikolaus draußen stattfinden wird", berichtet er. Dazu wird im Garten des Dormitzer Kindergartens ein Thron aufgestellt, auf dem er Platz nehmen kann. Anders als in den Vorjahren kriegen die Kinder ihre Geschenke von den Erzieherinnen. "Nur so können wir den Abstand einhalten. Sonst müsste ich ja eine Maske tragen und das passt ja wirklich nicht mit dem Bart und so", sagt Ludwig Schmitt lachend.

Doch beim Thema Corona schlägt der gut gelaunte Dormitzer nachdenklichere Töne an. "Die Adventszeit ist ohnehin eine Zeit des Nachdenkens" sagt er, "und in diesem Jahr ist das natürlich nochmal besonders."

Die Botschaft von Bischof Nikolaus sei es, dass man nicht nur an sich, sondern an andere und die Gemeinschaft denken solle. "Manchmal heißt es auch, ,ich liebe dich, deshalb kann ich dich nicht besuchen'", so Schmitt.

Auch die traditionellen Besuche im Seniorenheim sind in diesem Jahr coronabedingt nicht möglich. "Die Augen von Senioren leuchten so sehr, wie die von Kindern", sagt Bischof Nikolaus.