"Ich bin ein Mensch, der Kunst auf sich wirken lässt. Und wenn er sich davon angesprochen fühlt, versucht, diese mitzunehmen", erklärte Jürgen Stegmeyer am Wochenende im Atelier des Künstlers Tamahara in Mostviel. Im Internet hatte er gelesen, dass das Kulturamt des Landkreises Forchheim die Aktion "Offenes Atelier" organisiert hatte, und hatte sich mit seiner Ehefrau auf den Weg gemacht auf eine "Tour de Landkreis Forchheim", um so viele Ateliers wie möglich besuchen zu können.

"Mir ist das erste Mal bewusst geworden, wie viele Künstler es hier in der Gegend gibt", sagte Stegmeyer bei seinem Besuch bei Tamahara - einem nicht unbedingt typisch fränkischen Namen. "Den Namen habe ich geträumt", erzählte der Künstler, der in Öl oder Pastell malt, Objekte erschafft, Bildhauerei in Stein, Ton, Bronze oder Holz betreibt, mit Feuer arbeitet oder als Restaurateur Aufträge erhält.

Von der Übersetzerin zur bildenden Künstlerin

Seit vielen Jahren lebt der gelernte Gärtner als freischaffender Künstler, was manchmal schwierig sei, was er aber nie eintauschen würde, denn seine Freiheit ist ihm wichtig. Und so lebt er mit Freundin, Katze und Hund in Mostviel und betreibt das Atelier Tamahara und die Artschmiede.

Anders ist das Leben von Claudia Wirth gelaufen, die am Wochenende ebenfalls ihr Atelier in Egloffstein für Besucher geöffnet hatte. Nach dem Abitur war sie an die Kunstakademie gegangen, hatte aber das Studium abgebrochen. "Man hatte da einfach zu viel Freiraum. In dem Alter konnte ich damit noch nicht umgehen", erinnert sich die Künstlerin. Erst erlernte sie den Beruf der Übersetzerin, heiratete und bekam fünf Kinder. Doch ihr Herzenswunsch, Menschen zu malen, ließ sie einfach nicht los.

Ihr Mann Ekkehard ermutigte sie, sodass sie 2007 wieder anfing, an der Akademie der Bildenden Künste zu studieren und 2011 als Meisterschülerin abschloss. 2012 flog sie mit zwei Kolleginnen nach Uganda. Ein Pastor hatte dort ein Krankenhaus gebaut und wünschte sich schöne Bilder zum Freuen in den Räumlichkeiten. Diese wurden ihm von den Künstlerinnen erstellt und geschenkt.

Intensität der "sprechenden Gesichtsausdrücke"

Vor einiger Zeit hatte Claudia Wirth bemerkt, dass Ölfarbe auf Plexiglas wasserbeständig ist. So entstanden "Die Wartenden" auf Plexiglas, die man auch im Außenbereich aufstellen kann. Von all diesen Werken war Besucherin Magda Schelhorn begeistert: "Diese Farben, diese Intensität, diese sprechenden Gesichtsausdrücke, die Werke sind einfach gut." Auch von der Aktion des Kulturamtes ist Magda Schelhorn angetan: "Durch die Besucher bekommen die Künstler ebenfalls wertvolle Eindrücke."

Das Atelier von Claudia Wirth ist ein heller Raum neben ihrem Wohnhaus, das von Stefan Schnetz in Bräuningshof befindet sich direkt an der Grenze zu Mittelfranken in einem kleinen Wald oberhalb seines Wohnhauses. Seine Skulpturen aus Holz und Stahl präsentiert er dort im Freien. Und gegenüber liegen bereits große Holzstämme von Bäumen aus der Region, die verarbeitet werden wollen.

Stefan Schnetz sollte eigentlich - wie sein Vater - Förster werden. Doch stattdessen entschied er sich für eine Ausbildung als Holzbildhauer und studierte Metallbildhauer. Nachdem ihn eine umgefallene Skulptur schwer verletzt hatte und er nicht wusste, wie es in seinem Leben weitergehen sollte, macht er noch eine Ausbildung zum IT-Kaufmann. Doch alles wurde gut.

Die Proportionen müssen nicht stimmen

Mit seiner Arbeit an der Uni kann er sich und seiner Familie das Leben finanzieren. In seiner restlichen freien Zeit arbeitet er in seinem Ateliergarten, der auch ein Erlebnispark für seine Kinder ist. "Ich habe hier beispielsweise keinen Strom", erzählte der Künstler. Dinge, auf die er im Atelier verzichtet, genießt er umso mehr dort, wo er sie hat. Bei seinen Skulpturen verzichtet Schnetz bewusst darauf, dass die Proportionen stimmen. "Das finde ich so toll an seinen Werken", erklärte Besucherin Karin Jonkman, denn genau das würde die Skulpturen so besonders machen.