"Wir wissen, dass das hier bei vielen mit Vorurteilen behaftet ist." Peter Förster betrachtet seine Hände und legt sie in den Schoß. Er zögerte zuerst, mit der Zeitung zu sprechen. Eben genau wegen dieser Vorurteile. Er schämt sich nicht. Steht dazu, dass er und seine Frau Monika auf geförderten Wohnraum angewiesen sind. Will aber auch nicht, dass die Leute mit dem Finger auf sie zeigen. "Wir sind so froh, dass wir diese Wohnung bekommen haben. Sonst wären wir irgendwann auf der Straße gestanden", sagt der 67-Jährige und betrachtet seine Frau, die neben ihm auf dem Sofa in den neuen vier Wänden sitzt.

Die Regale sind bereits eingeräumt, die Wände dekoriert, nur das Bett ist noch nicht da. Lieferverzögerungen wegen Corona. Solange schläft das Ehepaar auf der Couch. Die Försters hatten die Hoffnung auf eine der 16 Wohnungen im Neubau der Wohnungsbau- und Sanierungsgesellschaft (GWS) in der Mayer-Franken-Straße 38 eigentlich schon aufgegeben. Vor einem Jahr hatten sie sich beworben. Zunächst wurden sie abgelehnt. Im Juni kam dann doch der erlösende Anruf. Seit ersten September sind sie drin. "Für uns ein Sechser im Lotto."

Lesen Sie mehr: Darum steigen Forchheims Mietpreise so stark

Monika Förster (66) arbeitete bei Piasten. Doch dann wurde sie schwer krank. 1995, 2006 und 2009 bekam sie die Diagnose Krebs. Zweimal Brustkrebs, einmal Lungenkrebs. "Dabei habe ich nie geraucht." Förster leidet an einem Gendefekt, der das Krebsrisiko erhöht. Dabei handelt es sich um das Gen BRCA1. "Genau wie bei der Schauspielerin Angelina Jolie, die sich deshalb vorsorglich beide Brüste entfernen ließ", erzählt Förster.

Unzählige Krankenhausaufenthalte bestimmten ihr Leben. Eine schwere Zeit für sie und ihren Mann. Heute kämpft sie mit den Folgeschäden: zwei künstliche Kniegelenke und ein "zerstrahltes Brustgelenk". "Jetzt habe ich nur wenig Rente, weil ich in all den Jahren, als ich krank war, nicht arbeiten konnte", erzählt die gelernte Industriekauffrau. Heute ist sie Rentnerin, ebenso wie ihr Mann, der 20 Jahre bei Wellpappe in Forchheim angestellt war. "Ich habe 50 Jahre gearbeitet. Als Rentner ist man arm dran", bedauert Peter Förster.

Bewerberzahlen deutlich gestiegen

Die neuen Wohnungen richten sich besonders an Menschen mit niedrigem Einkommen. Mieter müssen einen Wohnungsberechtigungsschein vorlegen, der vom Liegenschaftsamt ausgehändigt wird. Bei der GWS Forchheim melden sich immer mehr einkommensschwache Menschen. Rentner, Bezieher von Arbeitslosengeld oder Hartz IV, junge Familien, Alleinerziehende oder Menschen mit Behinderung - sie alle hoffen auf Unterstützung.

600 Bewerber zählt die GWS aktuell für eine öffentlich geförderte Wohnung. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. "Nicht nur wegen der Flüchtlingskrise. Vielmehr deshalb, weil in Forchheim lange wenig preisgünstiger Wohnraum gebaut wurde", erklärt Alexander Dworschak, Geschäftsführer der GWS Forchheim.

Sozialen Frieden sichern

12 der 16 Wohnungen in dem Neubau der GWS, direkt neben dem Seniorenzentrum Jörg Creutzer, sind vermietet. Vier sind noch frei. "Wir legen Wert auf gemischte Strukturen. Deshalb wurde vorher festgelegt, welche Wohnung mit welcher Einkommensstufe belegt wird", schildert Dworschak. Und wieso? "Sonst rutscht das Haus ab. Das zeigt die Erfahrung. Eine einteilige Struktur fördert den sozialen Unfrieden."

In Bayern wurde die Einkommensstufe, mit der man Anspruch auf geförderten Wohnraum hat, zuletzt angehoben. "Man wollte diese Möglichkeit einer größeren Gruppe anbieten und gegen das schlechte Image ankämpfen. Das mache ich jeden Tag." 60 Prozent der bayerischen Bevölkerung hätten demnach Dworschak zufolge Anspruch auf eine öffentlich geförderte Wohnung.

Um dieses Image, das Sozialwohnungen häufig in der Öffentlichkeit haben, sichtbar zu widerlegen, wurde auch beim Neubau in der Mayer-Franken-Straße auf höhere Qualität gesetzt.

Alte Wohnung wurde auf Dauer zu teuer

Die Wohnung in Hetzles, in der die Försters zuletzt wohnten, wurde auf Dauer viel zu teuer. Um sie überhaupt bezahlen zu können, fuhren beide für den ASB Forchheim behinderte Kinder in den Kindergarten und in die Schule. "Das machen wir so lange weiter, bis wir gesundheitlich nicht mehr können", betont Peter Förster und schaut auf die Uhr. Er muss nochmal los. Die Wände in der alten Wohnung streichen. Fast hat er es geschafft. "Ist ja das letzte Mal. Denn hier ziehen wir nicht mehr weg."

Wohnungsberechtigungsschein und neues Projekt der GWS

Einkommen Voraussetzung, um Mieter einer Wohnung im geförderten Wohnungsbau zu werden, ist ein sogenannter Wohnungsberechtigungsschein. Er wird vom Liegenschaftsamt ausgehändigt. Entscheidend hierbei ist das Bruttojahreseinkommen, aber auch ob es sich bei den Bewerbern beispielsweise um junge Familien, Alleinerziehende oder Menschen mit Behinderung handelt. "Es ist fast immer eine Individualentscheidung", betont Alexander Dworschak, Geschäftsführer der GWS Forchheim.

Angebot Im Neubau in der Mayer-Franken-Straße sind elf Dreizimmerwohnungen (62 bis 76 Quadratmeter groß), vier Vierzimmerwohnungen (90) und eine Einzimmerwohnung (35) entstanden. Die Miete kostet 7,80 Euro pro Quadratmeter. Direkt daneben baut die GWS ein Gebäude für die Tagespflege der Diakonie. Pläne Im kommenden Jahr soll das nächste Projekt der GWS beginnen. In der Bammersdorfer Straße gegenüber des Verwaltungsgebäudes sollen 35 neue Wohnungen entstehen. Insgesamt 120 Wohnungen bietet die GWS aktuell im geförderten Wohnungsbau.