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Forchheim
Tiere

Darum ist es höchste Zeit, dem Igel zu helfen

Der Igel ist auf Futtersuche, um den Winterschlaf zu überstehen. Doch Vorsicht: Die Tiere vertragen nicht alles. Auch muss für einen geeigneten Unterschlupf gesorgt werden. Die Zeit drängt.
 
Igel sind auf Futtersuche, um den Winterschlaf zu überstehen. Die Zeit drängt. Foto: Teresa Hirschberg/Archiv
Igel sind auf Futtersuche, um den Winterschlaf zu überstehen. Die Zeit drängt. Foto: Teresa Hirschberg/Archiv

Kreis Forchheim Schon drei Tage hintereinander huscht ein kleiner, gerade mal handgroßer Igel tagsüber im Garten herum. Was sucht der kleine nachtaktive Igel denn am helllichten Tag? "Nahrung", sagt Friedrich Oehme, Geschäftsführer des Bundes Naturschutz Forchheim. Sucht er die nicht nachts? Ist er vielleicht krank oder hat keine Mutter mehr? "Im Herbst, kurz vor dem Winterschlaf wollen sich die Igel Speck anfressen, um Reserven für den Winterschlaf zu haben", erklärt Oehme.

Wer also in den kommenden Wochen einen Igel tagsüber sieht oder wer ihn auch nicht sieht, aber weiß, dass in seinem Garten ein Igel nachts unterwegs ist, der sollte dem putzigen Gartenbewohner auch tagsüber ein Futter anbieten. Und zwar Katzenfutter. "Der Igel braucht Eiweißfutter, tierisches Eiweiß. Würmer, Schnecken, Käfer. Das Katzenfutter ist auch eiweißhaltig", sagt Oehme. Auch ungesalzene Rühreier kann dem Igel in die Futterschale gegeben werden. Wichtig ist auch, frisches Wasser bereitzuhalten.

Auf keinen Fall Milch

"Auf keinen Fall Milch", warnt Oehme. "Auch wenn man das auf Bildern manchmal sieht, der Igel kann Milch nicht verdauen. Das kann für ihn gefährlich werden, er kann daran sterben", betont Oehme. Hilfreich ist es auch, die Futterschale dort auszubringen, wo sie von größeren Tieren nicht zugänglich ist, denen das Futter auch schmecken würde.

Warum wird dann immer gesagt, dass Igel, die in der kalten Jahreszeit noch außen herumlaufen, Hilfe brauchen, und man sie ins Haus zum Überwintern nehmen soll? "Das ist jetzt noch nicht gegeben. Nur wenn man bei Frost dieses hungrige Tier laufen sieht", erklärt Oehme. Dann führt der erste Gang auch nicht in die Wohnstube, sondern zum Tierarzt zum Entwurmen und dann muss man ihm etwas zum Essen geben. Ob der Igel überhaupt mit in die Wohnung genommen werden soll, ist unsicher. "Denn das Überwintern von Igeln ist kein Hobby, es ist eine ernste Angelegenheit", erklärt der BN-Geschäftsführer - ein Grenzfall.

Abgesehen davon, dass sich der Igel an den Menschen gewöhnt und im Frühjahr umso schwieriger ausgewildert werden kann, hält der Igel möglicherweise auch im Keller einen Winterschlaf. Was tun, wenn er zu schwach ist? Aufwecken? Die andere Seite ist, dass der Igel möglicherweise stirbt, wenn er bei bitterer Kälte noch im Garten herumläuft, in der Hoffnung, ein paar Brocken Futter zu ergattern.

Igel gewöhnt sich an Menschen

Deshalb rät Friedrich Oehme, jetzt tagsüber noch genügend Futter anzubieten. Manche Igel, die zu wenig Speck haben, könnten auch während des Winterschlafs sterben. Sie wachen dann einfach nicht mehr auf.

Wie wichtig für den Igel gerade im Herbst Futter ist, zeigt schon die lange Dauer des Winterschlafs, in der er von seinen Reserven zehren muss. "Er hält Winterschlaf von November bis April, Mai, wenn es wieder Käfer und Schnecken gibt", sagt Oehme. Dass der beliebte Igel genug Winterspeck anfuttern kann, ist das eine.

Doch kann er bei seinem Rundgang auch auf der Suche nach einem Winterquartier sein? Möglich wäre es schon, denn in den vielen aufgeräumten Gärten könnte es für den stacheligen Gesellen auch schwierig werden, einen Unterschlupf zu finden. Selbst hier kann Abhilfe geschaffen werden. "Igelhäuser werden gerne angenommen", weiß Friedrich Oehme. Dabei ist nicht unbedingt die Größe des Igelhauses entscheidend, sondern dass genug Isoliermasse, also trockenes Laub, drin ist.

Ein halbes Jahr im Winterschlaf

"Es wird Zeit, etwas zu bauen", sagt Edith Fießer, die stellvertretende Vorsitzende der Forchheimer Kreisgruppe des Bundes Naturschutz. Das Igelhaus muss nicht aufwändig aus Holz gezimmert sein. "Es soll innen wie eine kleine Höhle sein. Wie die Hälfte eines ausgehöhlten Baums oder ähnliches. Wer das nicht hat, kann aus Ziegelsteinen einen kleinen Unterschlupf bauen und oben drüber ein Brett legen", sagt Fießer.

Das Brett am besten mit einer Plane als Regen- und Nässeschutz abdecken. Dann werden Laub und Reisig über das Dach gehäuft. Auch wenn das Haus auf dem Boden steht, sollte es mit Laub ausgestopft werden. Das Laub muss jedoch trocken sein.

Fällt das trockene, auf dem Dach aufgehäufte Laub auf die Erde, holt sich das der Igel selbst ins Haus, um sich seine Kuschelecke einzurichten. Natürlich kann auch eine Igelunterkunft aus Holz gezimmert werden. Ein Kasten, mit 20 oder 30 Zentimetern in der Länge, Höhe und Breite reicht. Die Eingangstür muss nicht breiter als zehn Zentimeter sein.

Eine Ecke für den Unterschlupf

Und wo soll dieser gemütliche Unterschlupf aufgestellt werden, damit der Igel es auch annimmt? "In einer ruhigen Ecke im Garten. Es könnte auch gut sein, wenn das Haus von Büschen verdeckt wird", sagt Friedrich Oehme. "Der Igel findet es. Wenn er Unterschlupf sucht, wird er das Haus erkunden", sagt Oehme.

Wenn der Igel nun all diese Hilfen erhält - Futter und Unterschlupf - kann er in wenigen Tagen gut gerüstet die Kälte schlafend überstehen und im Frühjahr wieder durch den Garten streunen und freut sich, auch in diesen ersten Tagen, eine gefüllte Schale Eiweißfutter anzufinden, um dann als nützlicher Helfer im Garten an die Arbeit zu gehen. Als gefährdet gilt der Igel noch nicht, aber als besonders geschützt: er darf weder gefangen, verletzt noch getötet werden.