Einen Zwischenbericht über ein denkmalfachliches Gutachtens zur Strecke der Dampfbahn Fränkische Schweiz zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle präsentierten Vorsitzender Johannes Füngers und Ulrich Bahr im Gasthaus Resengörg in Ebermannstdt. Ziel der Studie ist es, die Strecke als Ensemble unter Denkmalschutz zu stellen.
Viele Relikte, die auf die Eisenbahngeschichte hinweisen seien verloren gegangen oder ins Depot gewandert, bedauerte Ulrich Bahr. Dennoch könnten hier Interessenten dank der intakten Museumsbahn erfahren wie die Eisenbahn die Region geprägt habe. So gesehen diene die Arbeit der Vereinsmitglieder der Dampfbahn "der Volksbildung im Eisenbahnwesen".


Das Ensemble ist wichtig

Thomas Gunzelmann, beim Landesamt für Denkmalpflege zuständig für den Bereich Kulturlandschafts-Dokumentation unterstrich, dass bei der Untersuchung dessen, was aus der Zeit der
Entstehung der Bahn, die zwischen 1891 und 1930 errichtet wurde, noch vorhanden ist, auch die soziokulturellen Aspekte berücksichtigt würden. Der Wert der Strecke bestehe nicht in einzelnen Weichen oder Bauten, vielmehr sei das Gesamtensemble schützens- und erhaltenswert. "Nicht jede einzelne Schiene, nicht jede Schraube sei erhaltenswert, sondern die Summe der Elemente".
Denkmalpflegerin und Geografin Inga Krafczyk rief die einzelnen Bauabschnitte in Erinnerung und betonte, dass es sich beim Abschnitt zwischen dem Tal-Bahnhof Gößweinstein und Behringersmühle um das letzte Nebenbahn-Teilstück in ganz Bayern handelt, das 1930 eröffnet wurde. Dafür sei sogar der Flusslauf auf einer Länge von 200 Metern verlegt worden. Es falle auf, dass bei der Erschließung des Wiesenttales durch die Bahn nicht nur auf die landschaftlich reizvolle Umgebung Rücksicht genommen wurde, markante Punkte wie die Neideck oder die Streitburg wurden durch eine entsprechende Linienführung sogar gezielt in Szene gesetzt.


Alles wird dokumentiert

Brücken, Dämme und Durchlässe werden ebenso dokumentiert wie Bahnhofsgebäude, Wartehallen und Lokschuppen. Aber auch Laternen, Holzumschlageplätze, die wegen der Eisenbahn entstanden waren, würden erfasst und kartiert. Erhaltungszustand und Sanierungsbedarf würden ermittelt und dokumentiert.
Gutachter Gernot Dietel sprach von außergewöhnlich wertvollen Dingen, die hier noch erhalten seien. Es gebe hier zwar keine spektakulären Bauten, jedoch sei die Verbindung von Bahn und Landschaft einzigartig. Die Bauweise der Bahn sei typisch für die Zeit kurz vor und nach der vorletzten Jahrhundertwende und somit "sehr interessant". Auf kurzen Abschnitten seien sogar noch die original Holzschwellen aus der Bauzeit erhalten. Am Bahnhof Behringersmühle gebe es noch eine Gelenk-Zungenweiche, eine der ganz wenigen, die noch in Betrieb sind. "Eine Delikatesse", so Dietel. "So etwas finden Sie sonst nur noch im Museum." Auch wenn von einem Wasserkran nur noch die Fundamente stünden, sei dies ein wichtiges Zeugnis der Eisenbahngeschichte dieser Region.
Ebenfalls positiv vermerkte der Gutachter, dass die Bahnhöfe und Stellwerks-Anbauten größtenteils noch erhalten sind. Die Bauart sei für die Zeit der 20er Jahre typisch.
Die Fahrzeuge seien zwar typische Elemente der Strecke und gehörten dazu, ob sie jedoch zusammen mit der Strecke unter Denkmalschutz gestellt werden könnten, müsse noch diskutiert werden.
Insgesamt sei entlang der gesamten Strecke weit mehr historische Substanz vorhanden, als bei anderen bayerischen Nebenbahnen. Dank des Engagements der Dampfbahnfreunde sei der Bahnkörper in einem "überwiegend guten Zustand".
Für Robert Pick vom Landesamt für Denkmalpflege ist es gut vorstellbar, dass die Strecke als Ganzes unter Schutz gestellt wird. "Was die Mitglieder der Dampfbahn bisher geleistet haben ist das, was man sich unter Denkmalschutz vorstellt", lobte er. Dabei betonte der Denkmalschützer, dass den Dampfbahnfreunden ein Instrumentarium zur Seite gestellt wird, das hilft und nicht einschränkt.
Wichtig dabei: Die Bahnhöfe sollen möglichst im Besitz der Kommunen sein. Bürgermeister Helmut Taut (FW) versprach deshalb alles zu tun, um einen Verkauf des Bahnhofes Muggendorf zu verhindern. Auch die Mitglieder der Dampfbahn unterstrichen, wie würden alles unternehmen, um den Bahnhof Behringesmühle, der sich in Privatbesitz befindet, zu erwerben.