Der Protest der "Interessengemeinschaft der Eigentümer und Landwirte (IGEL) - Pro Alternativen/Contra Südumgehung" geht weiter. Diese lud zur Diskussion ins Gasthaus Bär nach Burgstall ein. Neben betroffenen Landwirten konnte Sprecher Walter Winkelmann auch die Stadträte Bernhard Schwab und Kurt Zollhöfer (beide CSU), Peter Maier (Grüne) sowie Kreisobmann Robert Ort vom Bayerischen Bauernverband begrüßen.

"Die Natur hat keine Lobby, und bei immer mehr Versiegelung ist die Natur der Verlierer", erklärte Anton Frischmann eingangs und stellte die neuen Transparente vor, mit denen die betroffenen Landwirte ihren Protest in diesen Tagen sichtbar machen wollen. Auch wir wollen Niederndorf entlasten, aber keine Südumfahrung. Gerade auch zum Thema Niederndorf habe die Stadt über Jahre ebenso geschlafen wie beim Wachstum der Herzogenauracher Firmen.


Am Stau vorbei durch die Stadt

Den Redebeiträgen war zu entnehmen, dass das Nadelöhr Niederndorf und insbesondere die Vacher Kreuzung schon seit Jahren bekannt und der aktuellen Verkehrsbelastung nicht gewachsen sei. Denn wenn die Nordumgehung nicht ausgebaut werde, dann würden die Fahrzeuge aus Richtung Neustadt weiterhin über die Hans-Maier-Straße und durch Niederndorf fahren. Das könne man täglich erleben. "Die Autofahrer aus dem Nachbarlandkreis wollen zwar nach Erlangen, aber sie umfahren den täglichen Stau auf dem Hans-Ort-Ring und fahren eben durch die Stadt", berichtete Sprecher Walter Winkelmann.

"Der Ausbau der Nordumgehung wurde schon vor Jahren gefordert", erklärte Bernhard Schwab, und dass die aus Westen kommenden Pkw-Fahrer den zu Stoßzeiten für sie schnellsten Weg nehmen, sei völlig normal. Auch die Forderung den ÖPNV noch besser auszubauen, werde nicht viel ändern, befürchtet der CSU-Stadtrat, denn der Mensch wähle von Natur aus dem bequemsten Weg. Auch eine Aurachtalbahn werde das Problem nicht lösen und die Proteste würden dann von den Anliegern der Bahntrasse kommen, ebenso bei einer Aurachtalstraße.

Auch der Forderung erst nur die Ostspange zu bauen, "einen Schritt nach dem anderen zu tun und nicht gleich mit dem größten Brocken anzufangen", konnte Schwab nicht so einfach zustimmen. So seien bisher die Zahlen der Verkehrsgutachten immer übertroffen worden und auch E-Autos benötigen Straßen. "Die Infrastruktur passt einfach nicht mehr zu den ansässigen Unternehmen", erklärte Schwab.

Walter Winkelmann erinnerte noch einmal an die gestellten Anträge bei der Bürgerversammlung und stellte den Flurwegplan vor, der zum Teil in dieser Form nicht akzeptiert werden könne. So sei eine geplante Unterfahrung nicht nachvollziehbar. Man habe dabei nicht an die großen landwirtschaftlichen Fahrzeuge gedacht. Außerdem seien einige Flächen nach dem Bau der Südumfahrung mit der jetzigen Planung nicht mehr erreichbar. "Ihr tut ja schon, als würde die Straße kommen", so ein Zwischenruf des Stadtrates Peter Maier. Auch an eine Begrenzung auf 30 km/h mochte Winkelmann nicht glauben, denn bei Neuses sei keine geschlossene Wohnbebauung und damit eine Begrenzung nicht zulässig.

Christian von Reitzenstein befürchtet, dass sich entlang der Südumfahrung Gewerbe ansiedeln könnte, denn bekanntlich gibt es in Herzogenaurach keine Flächen mehr. Er prophezeite: "In 40 Jahren ist Niederndorf platt". Denn nach seiner Schätzung wurden inzwischen 200 und 240 Hektar zugebaut, dazu kämen noch die Ausgleichsflächen. Außerdem werde nach Schätzungen und den geplanten Baugebieten die Bevölkerung erheblich wachsen, was neben noch mehr Straßen weitere Probleme bringen wird. "In 50 Jahren bringen sich die Menschen gegenseitig um", kam dazu ein Zwischenruf.


Existenzbedrohend

Wie Robert Erhardt und Walter Winkelmann berichteten, mussten einige Kollegen bereits Land für die Schleuse, den ICE und für den Ausbau der Autobahn abgeben. "Das geht teilweise schon an die Existenz", erklärte Winkelmann dazu und bat Stefan Ort, zu berichten. Der Vollerwerbslandwirt aus Kriegenbrunn, der bereits für die genannten Maßnahmen Land aufgeben musste, wäre beim Bau der Südumfahrung mit rund fünf Hektar Pachtfläche dabei, und dies gehe an die Existenz. Er betreibe pfluglosen Ackerbau, bewirtschaftet seine Flächen extensiv und müsste dann auf eine intensive Landwirtschaft umstellen, um genügend Futter für seinen Milchviehbetrieb anbauen zu können. "Bei mir blühen noch Wiesen und die Fruchtfolge ist in der Reihenfolge so gewählt, dass kein Dünger ins Grundwasser gelangen kann." Er nehme auch in Kauf, dass die Erträge niedriger seien. "Ich bin mit Begeisterung Landwirt, auf meine Flächen gibt es Insekten, und auch längst verschwundene Pflanzen kamen wieder zurück." Dementsprechend schmecke auch seine Milch.

Wenn die Südumfahrung kommt, sei es damit vorbei, denn er müsse dann auf intensive Landwirtschaft umstellen, um den Ertrag zu steigern. Dann wäre er gezwungen, überwiegend Mais anzubauen und auch mehr Gülle auszubringen. Sein Appell am Ende lautete: "Verantwortungsvoll mit der Natur umgehen, denn wir haben nur eine!"


Zügellose Versiegelung

Kreisobmann Robert Ort prangerte insbesondere die Ausgleichsflächen an. So sei es ein Unding, wenn bei Baumaßnahmen wertvoller Ackerboden versiegelt und als Ausgleichsmaßnahme nochmal Ackerboden in Magerrasen oder Streuobstwiesen umgewandelt wird. "Das kann nicht sein, dass wertvoller Ackerboden gleich zweimal der Lebensmittelerzeugung entzogen wird", schimpfte der Kreisobmann, der zugleich die nahezu zügellose Flächenversiegelung anprangert.

Das Ziel von IGEL ist nach wie vor, die Südumfahrung zu verhindern, denn der Mensch habe die Natur nicht von den Eltern geerbt, sondern von den Kindern geliehen. Deshalb werden an ausgewählten Stellen wieder Transparente und Tafeln aufgestellt.