Der selbstgebackene Geburtstagskuchen war früher ein Ritual. Heute lehnen ihn viele Kindergärten ab. Zu groß ist die Sorge vor Salmonellen und Ähnlichem.

So manches stressgeplagte Elternteil mag es als gute Nachricht auffassen: Den Aufwand, vor dem Kindergeburtstag noch schnell einen Kuchen für den Kindergarten zu backen, können sie sich sparen. Denn der selbstgebackene Kuchen ist in Kitas nicht mehr gern gesehen.

Wie ist die Situation in Höchstadt? Im katholischen St.-Nikolaus-Kindergarten wurde das Mitbringen von Kuchen oder anderen Speisen für Geburtstagsfeiern der Kinder schon vor Jahren immer mehr reduziert, erklärt Leiterin Rita Wittmann. "Wenn zu Hause etwas gebacken wird, wissen wir ja nicht, was drin ist", sagt Wittmann. Daher bitte man die Eltern, sich bei Geburtstagen ihrer Kinder auf Kleinigkeiten - höchstens abgepackte Süßigkeiten - zu beschränken.

Die Kindergärten müssen heute strenge Hygienevorschriften einhalten und Kinder mit Allergien Schützen. Die Zahl der an Allergien leidenden jungen Menschen steigt. "Vor 15 Jahren hatten wir kein Kind mit Erdnuss-Allergie, heute gibt es welche", sagt Wittmann.

Geburtstage seiner Sprösslinge werden im Nikolaus-Kindergarten auch nicht mehr schwerpunktmäßig mit Essen gefeiert. Da findet man Alternativen. "Aber was ist bei Sommerfesten", fragt sich Rita Wittmann. Da würden von den Eltern 40 oder 50 Kuchen in den Kindergarten mitgebracht. Dies könnte man ebenso in Frage stellen.


Kein Spaß mehr

"Wir wissen schon bald nicht mehr, was wir noch dürfen", sagt Andrea Käppner zu dem Thema. Die Leiterin des evangelischen Matthias-Clausius-Kindergartens in Höchstadt-Süd und ihre Mitarbeiterinnen fühlen sich "immer mehr beengt. Die Einschränkungen machen keinen Spaß mehr".

Theoretisch dürften selbst gebackene Kuchen nur noch mitgebracht werden, wenn die Mutter das Rezept vorlegt und die Inhaltsstoffe genau aufgelistet sind. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat man sich im Matthias-Claudius-Kindergarten aber darauf verständigt, erst einmal keine Geburtstagskuchen mitbringen zu lassen.
Andrea Käppner arbeitet seit 20 Jahren in Kindergärten und kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als Mütter zum Geburtstag ihrer Sprösslinge deren Lieblingsessen in den Kindergarten mitgebracht haben. Heute wäre das unvorstellbar. Schon bei Würstchen müsse man die Gefahr einkalkulieren, dass die Kühlkette unterbrochen worden sein könnte.

Das Mittagessen für die meisten Kinder im Kindergarten wird inzwischen von einem externen Anbieter geliefert. Der habe die Verantwortung für Qualität und Inhaltsstoffe. "Was die Mütter mitgeben, dürfen die Kinder essen", erzählt Käppner.

Das Personal im Matthias-Claudius-Kindergarten hält sich strikt an die Vorschriften. "Wir haben auch Angst vor Anzeigen der Eltern", gesteht die Kindergartenleiterin offen ein, denn manche würden schnell mit dem Rechtsanwalt drohen. Andrea Käppner spricht von einer schwierigen Situation: "Wir können nicht mehr so ungebunden mit Kindern arbeiten wie früher."

Höchstadt bildet da in Bayern keine Ausnahme: "Wir raten unserem Personal dringend davon ab, selbstgebackenen Kuchen anzunehmen", erklärt eine Sprecherin eines bayerischen Kita-Zweckverbands und nennt gleich mehrere Gründe.

Zum Beispiel: Kinder, deren Eltern nicht selbst backen könnten oder wollten, würden stigmatisiert. Oder: Kinder, die sich auf Wunsch der Eltern vegan ernähren, könnten Kuchen zu essen bekommen, der diesen Anforderungen nicht genügt. Gleiches gelte für die Ernährungsregeln muslimischer Kinder.


Strenge Hygienevorschriften

Doch auch die strengen Hygienevorschriften bereiten Kitas Probleme. Schließlich wüssten Erzieherinnen nicht, welche Zutaten die Eltern beim Backen verwendet hätten.

So ein Kuchen könne aber Allergien auslösen oder voller Keime sein - womöglich sogar voller gefährlicher Salmonellen, wenn er unter 70 Grad gebacken worden sein sollte. Nicht auszudenken, was beim Verzehr eines Stück Kuchens alles passieren kann.