Eigentlich ist der VW Polo noch ganz gut beieinander. Erst der Blick ins Innere offenbart, dass der Fahrer sich eher weniger um sein Gefährt zu kümmern scheint. Leere Pfandflaschen am Boden, ein Berg alter Kleidungsstücke im Kofferraum. Fettige Fastfood-Tüten gammeln vor sich hin. Ein Stapel Papier ist schon vergilbt.

Vielen, die auf dem Parkplatz am Engelgarten in Höchstadt parken, dürfte der blaue Polo mit ERH-Kennzeichen schon aufgefallen sein. Auf der Windschutzscheibe prangt ein behördlicher Aufkleber, knallig rot und kreisrund. Unter dem Scheibenwischer steckt ein Knöllchen in einer Plastikhülle. Das Auto steht seit längerer Zeit.

Solche Fälle landen früher oder später auf dem Schreibtisch von Hans Leuchs, Leiter des Umweltamts beim Landratsamt. Er ist zuständig für jene Autos, die von der Polizei den "Roten Punkt" aufgeklebt bekommen. "Zur Zeit habe ich etwa einen in der Woche", sagt Leuchs. Dabei handelt es sich um Fahrzeuge, die einfach in der Öffentlichkeit abgestellt werden und vor sich hin gammeln. Entsorgung auf die "einfache Art" quasi.
Im Amtsdeutsch heißt das "Unerlaubte Sondernutzung nach Straßen- und Wegegesetz". Wer sein altes Auto einfach irgendwo abstellt, bekommt Ärger mit den Behörden. Denn die Schrottkisten werden dann ganz einfach nach dem Abfallgesetz behandelt.

"Meistens sind die Autos nur noch ein Haufen Müll", sagt Leuchs. Nummernschilder weg, manchmal sei sogar die Fahrgestellnummer rausgeflext. "Normalerweise haben wir das Problem, dass kein Halter mehr festzustellen ist." Dann werde abgeschleppt und verschrottet.

Das Problem beim Polo: Er ist zugelassen und hat ein Kennzeichen. Der Halter ist also bekannt, reagiere allerdings nicht auf Schreiben. Formal gesehen, parke das Auto also normal. "Ein zugelassenes Auto geht mich erstmal nichts an", so der Amtsleiter. Seit Juni letzten Jahres stehe der Polo unbewegt am Engelgarten. Nachdem die Polizei auf das Fahrzeug aufmerksam wurde und auch die Stadt Höchstadt sich an das Landratsamt gewandt hatte, hat es dann am 13. Januar den roten Aufkleber bekommen. Der Grund: Der TÜV war abgelaufen. Erst jetzt gab es für die Behörden die Möglichkeit, etwas zu tun. Denn einen Parkverstoß hat der Halter nicht begangen. Am Engelgarten gibt es keine Parkgebühren.


Wenn Halter mehrfach umziehen

Für das TÜV-Vergehen gab's dann das Knöllchen, das noch unberührt unter dem Scheibenwischer klemmt. Auf dem "Roten Punkt" befindet sich die Aufforderung, das Auto wegzufahren. Auch in Briefform sei der Halter informiert worden. Doch: Keine Reaktion. "In solchen Fällen sind die Halter mehrmals umgezogen", sagt Leuchs. Normalerweise wäre das Auto nun ein Fall für die Schrottpresse. Der Landkreis würde es abschleppen und entsorgen lassen. Die Frist, bis gehandelt wird, betrage einen Monat.

Beim Polo ist allerdings erst einmal die Polizei gefragt. Diese muss wegen dem abgelaufenen TÜV die Kfz-Zulassungsstelle informieren, die dann wiederum die Polizei auffordert, die Zulassungsplakette zu entfernen. Erst dann kann Leuchs tätig werden.

"Die Frage ist: Wann ist ein Auto ein Wrack?", sagt Gerhard Backert von der Höchstadter Polizei. Oft handle es sich bei Autos, die ohne Kennzeichen am Straßenrand stehen, um Fahrzeuge, die die Halter verkaufen wollen. "Die sind dann äußerlich gut in Schuss und sind dann nach ein paar Tagen auch wieder weg", sagt Backert. Hier drücke man ein Auge zu und klebe nicht gleich den Aufkleber. Aber gestattet sei es trotzdem nicht. Beim Polo sei nun zu klären, ob noch Versicherung und Steuer bezahlt werden.

Schrottreif oder straßentauglich? Diese Frage muss Leuchs öfter beantworten. "Wenn das Auto noch tiptop dasteht, verschrotten wir es natürlich nicht gleich." Vor drei Jahren sei gegenüber vom Weberskeller in Höchstadt ein größerer BMW abgestellt gewesen. "Das war eine langwierige Geschichte", erinnert sich Leuchs an die Suche nach dem Halter. Momentan stehe auch in Lonnerstadt, gegenüber von der Feuerwehr, ein Altauto mit Rotem Punkt.

Bleibt die Frage, warum der Polofahrer sein zugelassenes Auto nicht abholt. Kommen vielleicht die Briefe nicht an? Ist er ins Gefängnis gewandert und deshalb nicht erreichbar? Ist er seinen Führerschein los oder steckt hinter dem verwahrlosten Altauto ein schlimmes menschliches Schicksal?


Hunderte Euro Zwangsgeld

Warum Menschen versuchen, ihre Autos auf diese Weise los zu werden, noch dazu, wenn der Halter ausfindig zu machen ist, sei mit Logik nicht zu ergründen, sagt Leuchs. Sollte das Amt den Wagen verschrotten lassen, käme inklusive Gebühren und Zwangsgeld eine Summe von mehreren hundert Euro auf den Halter zu. Sicherlich mehr, als das Auto überhaupt noch wert ist. Obwohl es ja relativ gut beieinander ist. Zumindest äußerlich.