Schutz für Mund und Kleidung ist schon seit Wochen in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen Mangelware. Nachdem sich die Situation mit dem Corona-Virus zugespitzt hat, haben sich auch viele Menschen für den Alltag solche Masken gekauft. Nun fehlen sie an den wichtigen Stellen.

"Alle Altenheime, Krankenhäuser und Wohneinrichtungen wie wir leiden unter den Lieferengpässen von Schutzkleidung", sagt Günther Allinger, Geschäftsführer der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf. Daher sei einer Wohnbereichsleitung die Idee gekommen, Schutzmasken selbst herzustellen.

Bunte Mundschutzmasken

"Das Problem am Anfang war, überhaupt Stoff zu bekommen." Durch einen Spendenaufruf konnte dieser Engpass für die Eigenproduktion von Mundschutzmasken überbrückt werden. Bis Ende nächster Woche wollen die Näher für die Einrichtung in Gremsdorf 1000 Stück produziert haben. Und es helfen alle mit: Mitarbeiter, die Angestellten in der hauseigenen Näherei sowie ehrenamtliche Helfer. Bald sollen auch Schutzkittel genäht werden. "Alles ist waschbar und wiederverwendbar", sagt Günther Allinger.

Es werden vor allem bunte Stoffe für die Mundschutzmasken verwendet. "Wir versuchen, unseren Bewohnern die Situation so gut es geht zu erklären. Ein weißer Mundschutz wird aber häufig mit Ärzten wie dem Zahnarzt verbunden und löst Angst aus. Das wollen wir natürlich vermeiden."

Der Alltag im Heim laufe soweit gut. Es herrsche zwar ebenfalls ein völliges Besuchsverbot, aber man mache das Beste aus der Situation. Der Alltag spiele sich momentan auf den Stationen ab. Dennoch überlegen sich die Mitarbeiter immer etwas, das für Abwechslung sorge. "Alle sind wirklich sehr engagiert."

Viele Initiativen

Auch Privatpersonen versuchen zu helfen: Der Hilferuf nach Mundschutzmasken erreichte auch eine nähbegeisterte Neuhauserin. "Auf Facebook hab ich den Aufruf der Awo Bamberg und Erlangen gelesen: Aufgrund der Corona-Pandemie sind Mundschutze kaum mehr zu bekommen. Bitte helfen Sie uns, unsere Bewohner und Mitarbeiter zu schützen."

Die Neuhauserin ist ohnehin schon in verschiedenen Nähgruppen aktiv. Nach diesem Aufruf hat sie sich spontan der Gruppe "Handmade Behelfs-Mundschutz (BMNS)" auf Facebook angeschlossen. Die Mitglieder der Gruppe nähen Behelfs-Mundschutze für Berufsgruppen, die diese dringend benötigen. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und auf Spendenbasis. Die Gruppe, die am 18. März gegründet wurde, zählt mittlerweile 6326 Mitglieder.

Kein 100-prozentiger Schutz

Natürlich bieten diese selbst genähten Mundschutze keinen 100-prozentigen Schutz. Schließlich sind diese handgenähten Masken keine zertifizierten Medizinprodukte und bieten keinen Übertragungsschutz bei Tröpfcheninfektionen. Aber sind sind besser als nichts. Die Neuhauser Hobby-Näherin verwendet dazu ausgediente Tischdecken und Bettlaken aus Baumwolle. "Aus einem Bettlaken kann ich 40 Masken nähen", erklärt sie stolz.

Das Nähen an sich gehe schnell. Die Schutzmasken werden sorgfältig in zwei Lagen genäht. Im Vergleich zu den ersten Modellen hat sich bereits eine weitere Verbesserung durch eine Lage Vlies ergeben. Am Ende werden die fertigen Masken ohne Waschmittel zehn Minuten lang ausgekocht. Dann kommen sie in den Trockner und werden mit dem Dampfbügeleisen gebügelt. Zum Schluss kommen immer zehn Stück in eine Tüte.

Hilfe hilft auch der Psyche

Immer wenn Zeit ist, setzt sich die älter Dame an ihre Nähmaschine. Die Enkelkinder, die mit Oma und Opa zusammen im Haus wohnen, helfen gerne mit und schneiden die Gummis. "Mir gingen sie aus, weshalb ich den Großhandel angerufen habe", erzählt sie. "Als ich erklärte, wozu ich sie brauche, schickte man mir 200 Meter Gummiband. So kann ich weiter arbeiten."

Erst kürzlich hat Maria Alt, eine Mitarbeiterin der Awo Bamberg, die in Weppersdorf wohnt, 40 fertige Masken in Neuhaus abgeholt. "Und ich hab schon wieder eine Bestellung", berichtet die engagierte Masken-Näherin. "Die geht an eine Praxis in Forchheim." Die Hobbyschneiderin näht gerne. "Außerdem lenkt diese Beschäftigung auch ab, vor allem momentan, wo man so viel Negatives hört."

Kommentar von Theresa Schiffl

Ob die Schutzwirkung nun so groß ist oder nicht: Die selbst gemachten Schutzmasken sind aktuell viel mehr als Schutzkleidung. Wenn man - wie ich - aus Pflege und Betreuung kommt, weiß man, was die Mitarbeiter dort schon zu "normalen" Zeiten leisten. Jetzt sind Druck und Arbeitsintensität noch größer geworden. Hinzu kommt, dass sie jeden Tag das Risiko eingehen, selbst am Coronavirus zu erkranken. Die vielen Arbeiter des Gesundheitswesens werden das Engagement der Näher, die ihnen Mundschutzmasken machen, zu schätzen wissen. Es ist ein Zeichen dafür, dass an sie gedacht, ihre Arbeit gesehen und anerkannt wird.

Bleibt zu hoffen, dass sie auch künftig mehr Anerkennung und Achtung von der Gesellschaft bekommen. Jeder ist irgendwann einmal auf ihre Hilfe angewiesen und sollte dankbar sein, dass es die weißen - oder nun mit Mundschutz etwas bunteren - Engel gibt.

Und auch den engagierten Nähern gibt ihre Aufgabe ein positives Gefühl: Sie tun etwas Gutes und sind von der schwierigen Situation und den Problemen mal abgelenkt.