Die Initiatoren des Bürgerbegehrens hatten am Sonntag allen Grund, kräftig zu feiern. "Es ging ganz schön hoch her in Neida", gibt Christoph Raabs gern zu. Für den ÖDP-Kreispolitiker steht jetzt fest, dass auch in der Stadt ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht werden muss. "Es ist der logische nächste Schritt", sagte er mit Blick auf das deutliche Abstimmungsergebnis vom Sonntag. 16 406 Wähler hatten im Bürgerbegehren für einen Austritt des Landkreises aus der Projektgesellschaft gestimmt.

Vor den Sommerferien werden die Bürger der Stadt Coburg sicher nicht aufgerufen, sich auf einer Unterschriftenliste einzutragen, um ein Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. "Vor allem die drei Damen (Simone Wohnig, Heidi Rädlein und Angela Ambros, die Red.), die das alles im Landkreis gemanagt haben, die haben sich ein paar Monate Ruhe redlich verdient", meint Raabs.

Wie die Frage für ein Begehren in der Stadt aussehen könnte, darüber wollte Raabs noch nicht spekulieren. "Das müssen wir ganz genau überlegen", steht für ihn fest. Er rechnet auch fest damit, dass die Stadt Coburg einem möglichen Bürgerbegehren, ähnlich wie der Landkreis, ein Ratsbegehren entgegensetzen wird: "Es ist inzwischen schon fast üblich, dass einem Bürgerbegehren geradezu reflexartig ein Ratsbegehren entgegen gesetzt wird, obwohl das vom Gesetzgeber wohl nicht so gedacht war."

Kritik an Kritikern

Von "ärgerlichen Nebengeräuschen" spricht Raabs, wenn jetzt aus dem Lager der Flugplatzbefürworter dem Bürgerentscheid die Legitimation abgesprochen werden soll, weil angesichts der geringen Wahlbeteiligung keine echte Mehrheit der Landkreiswähler hinter dem Ergebnis stehe. "Es ist generell so, dass bei Bürgerentscheiden die Wahlbeteiligung eher gering ist. Mit einer Beteiligung von fast 35 Prozent sind wir höchst zufrieden", stellt Raabs dazu fest. Er bezweifelt, dass dieses Argument auch benutzt würde, wenn das Ratsbegehren gewonnen hätte.

Wenn im Herbst mit der Unterschriftensammlung in der Stadt begonnen wird, haben die Organisatoren mehr Zeit, als bei der Aktion im Landkreis. Außerdem hoffen sie auf Unterstützer aus der Stadt für diese Arbeit. "Erste Gespräche haben schon stattgefunden", bestätigt Raabs.

Entscheidung der Bürger

Für Meeders Bürgermeister Bernd Höfer (CSU) erfüllte das Bürgerbegehren eine Forderung, die er schon im Wahlkampf formuliert hatte: "Lasst uns doch die Bürger im Landkreis nach ihrer Meinung fragen. Daran können wir uns als gewählte Mandatsträger dann orientieren."

Dass die Entscheidung gegen eine Beteiligung des Landkreises an der Finanzierung des neuen Flugplatzes gefallen ist, sieht Höfer als Ergebnis eines demokratischen Prozesses: "Wir haben das zu akzeptieren und umzusetzen."

Finanzierungslücke schließen

Bei der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Meeder-Neida wird man nun das Kündigungsschreiben des Landkreises abwarten, wie Geschäftsführer Willi Kuballa erklärt: "Wenn es da ist, werden wir uns zusammensetzen und überlegen." Es muss ein Weg gefunden werden, wie die Finanzlücke geschlossen werden kann, die durch den Austritt des Landkreises aus der Gesellschaft entstehen wird. Die vom Landkreis zugesagte Summe von 1,5 Millionen Euro zum Bau des neuen Verkehrslandeplatzes macht mit fünf Prozent von den veranschlagten Gesamtkosten von 30 Millionen Euro, keinen großen Teil der Finanzierung aus. Kuballa: "Das Projekt wird daran nicht scheitern." Trotzdem muss das Geld aufgebracht werden.

Dass der Landkreis nach seinem Ausstieg von den Vorgängen in der Gesellschaft abgeschnitten ist, relativiert Kuballa ein wenig: "Bis zum 31. Dezember bleibt der Landkreis vollwertiger Gesellschafter." In dieser Zeit sollte auch bereits der Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren gelaufen sein. Den erwartet Kuballa mit etwas Glück noch vor der Sommerpause.