Kann eine Revolution eigentlich lustig sein? Beim italienischen Komödien-Altmeister Dario Fo schon - vor allem dann, wenn die Revolution eigentlich ein Revolutiönchen ist. Eine klassenkämpferische spontane Aktion zorniger italienischer Hausfrauen beim Einkauf im Supermarkt - darum geht es in Dario Fos betagter Komödie "Bezahlt wird nicht", die am Sonntag als Neuinszenierung Premiere am Landestheater Coburg feiern wird.

Turbulente Verwicklungen

Wie aus Unmut über wieder einmal gestiegene Preise eine zornige Spontanaktion wird und die zu teuren Waren aus Protest unbezahlt nach Hause geschleppt werden: Davon handelt der 1974 erschienene Zweiakter.

Politische Botschaft und komödiantisches Ansinnen - kann das eigentlich zusammen finden. Gastregisseur Thorsten Köhler, dem Coburger Publikum noch bestens bekannt aus seiner Schauspielerzeit im Ensemble des Landestheaters, gibt sich bei der Einführungs-Soiree jedenfalls demonstrativ zuversichtlich, dass Politik und Komik im Namen Dario Fos sehr wohl ein kurzweiliges Techtelmechtel wagen können. Köhler jedenfalls verspricht "einen spaßigen Abend mit einer Botschaft".

Bei der Soiree gewährt Köhler auch diverse Einblicke in den Probenalltag unter den Vorzeichen der Corona-Krise. Schauspieler lustvoll in turbulente komödiantische Verwicklungen treiben und sie zugleich auf Abstand halten - daraus lassen sich aus Thorsten Köhlers Sicht sehr wohl unterhaltsame Funken schlagen. Dabei bleiben die Vorgaben unmissverständlich: "Es gibt keine Küsschen, keine Umarmungen."

Ein Hauch Fellini

Aus Thorsten Köhlers Sicht erzählt Dario Fos Komödie eine Geschichte von zivilem Ungehorsam. Sie erzählt von einer Ehefrau, die als Hausfrau auf die Barrikaden steigt angesichts unverschämt gestiegener Preise. Doch drögen Geschichtsunterricht mit einer Überdosis Kapitalismuskritik muss bei dieser Neuinszenierung niemand befürchten.

Dafür soll jedenfalls das komödiantische Potenzial des Stücks garantieren, das sein Bühnenpersonal in immer absurder wirkende Situationen treibt.

Wer Angst haben sollte vor eventuellen Zumutungen des sogenannten Regietheaters, muss sich vor dieser Premiere trotz politischer Botschaft keineswegs fürchten. Das verspricht zumindest der Regisseur. Das Stück werde in Coburg ganz bewusst in der Entstehungszeit der 70er Jahre belassen, einen Hauch Fellini inklusive. Sogar einen Werbeslogan hat Köhler für seine Inszenierung schon parat: "Lustig, sexy und etwas politisch" soll der Abend werden.

Rund um die Premiere "Bezahlt wird nicht" am Landestheater Coburg

Premieren-Tipp "Bezahlt wird nicht!", Komödie von Dario Fo, ins Deutsche übertragen von Peter O. Chotjewitz, Sonntag, 11. Oktober, 18 Uhr, Landestheater Coburg Produktionsteam Inszenierung Thorsten Köhler

Bühne und Kostüme Justus Saretz

Dramaturgie Carola von Gradulewski / Fabian Appelshäuser

Darsteller

Antonia - Eva Marianne Berger

Margherita - Solvejg Schomers

Giovanni - Nils Liebscher

Luigi - Florian Graf

Polizist, Carabiniere, Leichenbestatter - Frederik Leberle

Weitere Termine 23. Oktober, 19.30 Uhr, 19. November, 19.30 Uhr Die Story Mit einer Meute Hausfrauen, die wegen gestiegener Lebensmittelpreise einen Supermarkt ausrauben und dabei "Bezahlt wird nicht!" skandieren, beginnt Dario Fos gleichnamige Farce. Die spontane antikapitalistische Aktion, die Antonia im Supermarkt noch als eine gute und gerechte Idee erscheint, wächst sich zuhause und im Abgleich mit dem Alltag schnell zum Problem aus.

Der Stolz über ihren Beutezug verlässt die Hausfrau Antonia schnell, als ihr Mann Giovanni nach Hause kommt. Sie nötigt ihre etwas naive Freundin Margherita die Beute zu verstecken und macht sie so gegen ihren Willen zur Komplizin. Ganz in der Tradition der italienischen Commedia dell"arte mit ihrer scharf konturierten und typisierenden Figurenzeichnung und einer Verkettung von Aktion und vorschneller Reaktion werden die Figuren in eine Spirale von Ereignissen geworfen, die sich immer schneller dreht und immer absurdere Situationen hervorruft. "Bezahlt wird nicht!" ist dennoch eine pointierte und zutiefst liebevolle Auseinandersetzung mit der menschlichen Sehnsucht nach Gerechtigkeit und dem Wunsch nach einem Leben, in dem man sich keine Gedanken machen muss, wie Mieten gezahlt und Kühlschränke gefüllt werden.

Tickets gibt es nur an der Theaterkasse: Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr (Tel.: 09561/8989-89; E-Mail: theaterkasse@landestheater.coburg.de; Internet: www.landestheater-coburg.de)