Schon als Kind lebte der junge Mann im Heim. Als Jugendlicher war er wohnungslos, nahm Drogen und hatte einen Berg Schulden. Er suchte sich Hilfe in einer Suchtklinik. Danach lebte er in einer Notunterkunft. Eine Arbeit zu finden und eine Wohnung schien schier aussichtslos. Bei seiner Vorgeschichte schreckten Vermieter meist zurück. So seine Erfahrung. Doch der Mann gab nicht auf. Er wollte es schaffen. Endlich auf eigenen Beinen stehen. Ein guter Freund war fest an seiner Seite. So suchten die beiden im vergangenen Jahr Unterstützung bei der neu gegründeten Fachstelle für Wohnungserhalt und Wohnungslosenhilfe Coburg, die vom Diakonischen Werk und dem Caritasverband gemeinsam betrieben wird. Teresa Falter und Katharina Koch sind die beiden Ansprechpartnerinnen.

In dem Fall des jungen Mannes spricht Teresa Falter von vielen Feuern, die gelöscht werden mussten, um bis zum Brandherd durchzudringen. Schon nach dem ersten Gespräch spürte sie eine Erleichterung und Dankbarkeit bei dem Mann. Wusste er doch bis dahin noch nicht von der Möglichkeit, Essen bei der Tafel zu bekommen oder einen Termin bei der Schuldnerberatung machen zu können. "Ich hab ihm vom Foodsharing erzählt und den Coburg-Pass beantragt", weiß sie noch. Großes Glück hatte der Mittdreißiger dann, als es um die Wohnungssuche ging. Teresa Falter konnte ihm einen privaten Vermieter nennen, dessen Räume von einem anderen Klienten abgelehnt worden waren. "Die ersten Schritte waren gemacht. Der Betroffene motiviert. Er ging seinen Weg, bekam die Wohnung und ist jetzt auf Arbeitssuche."

Die Sozialpädagogin weiß, dass die meisten Menschen, die zu ihnen kommen, ein ganzes Bündel an Problemen haben. Deshalb sei der Ansatz auch ganzheitlich. "Wir helfen bei bürokratischen Fragen, vermitteln an therapeutische Stellen weiter und kümmern uns um die Wohnungssuche oder nehmen Kontakt mit dem Vermieter auf, um eine drohende Kündigung zu vermeiden", erläutert sie.

Modellprojekt bis November 2021

Die Fachstelle ist ein Modellprojekt, das noch bis November 2021 vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert wird. In Kooperation mit der Stadt Coburg und der Wohnbau konnten bereits 112 (Stand 8. März) Menschen geholfen werden.

Bei der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt in Coburg ist das nicht einfach. Für die Betroffenen mit ihren komplexen Problemlagen sei es alleine sehr schwer bis gar nicht möglich, eine Wohnung auf dem privaten oder auch auf dem geförderten Wohnungsmarkt zu finden, so Katharina Koch.

Christian Meyer, Chef der Coburger Wohnbau, hilft, wo er kann und ist dankbar für jeden Fall, der vermieden werden kann. Immerhin stehe dahinter immer ein Schicksal, dass auch seine Mitarbeiter berührt, wenn sie zu einer Wohnungsräumung angehalten sind. Meyer sagt aber auch, manchmal sei es schwer, Wohnungen an Menschen wieder zu vermieten, die bereits bei einer vorherigen Vermietung negativ aufgefallen seien (Verwüstung, Vermüllung). Auch mit den Nachbarn seien dann Konflikte vorprogrammiert.

Durch die Arbeit von Katharina Koch und Teresa Falter würden jedoch besondere Härten präventiv vermieden. Manchmal müsse es eben nicht zu einer Kündigung kommen, wenn Kommunikationsbereitschaft und Einsicht vorhanden sind, die Schuldnerberatung eingeschaltet wurde. Durch die Arbeit der Fachstelle könne so durchaus auch Geld für Zwangsräumungen und Renovierungskosten gespart werden. Deshalb unterstützt Meyer dieses Projekt nicht nur, sondern würde es auch gerne auf den Landkreis ausweiten.

Wohnen üben

Teresa Falter und Katharina Koch gehen noch einen Schritt weiter. Ihre bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass der Bedarf einer intensiven Begleitung in Form einer Art "Trainingswohnen" vorhanden sei und gewinnbringend sein könnte. Das heißt, dass Personen mit so genannten Multiproblemlagen, die kaum eine Chance auf dem Wohnungsmarkt hätten und eine tiefergreifende Beratung und Begleitung benötigten, in einer geförderten Wohnung mit intensiver sozialpädagogischer Begleitung ihre Schwierigkeiten angehen könnten. Das selbstständige Wohnen könnte sozusagen geübt werden.

Corona verschärft Situation

Gerade im Hinblick auf die Auswirkungen von Corona erwarten die Sozialpädagoginnen, dass noch mehr Menschen ihren Wohnraum künftig nicht mehr bezahlen können. Der zweite Lockdown hätte die Rücklagen vieler Menschen endgültig aufgebraucht.

Auch Christian Meyer sieht die dritte Welle auf uns zukommen und befürchtet, dass die finanziellen und psychischen Belastungen bei den Menschen zunehmen. Die Mietausfälle würden sich allerdings derzeit noch in Grenzen halten.

Kontakt Diakonisches Werk Coburg e.V., Pfarrgasse 7, Coburg

Teresa Falter,

Telefon 0151/61640549

Caritasverband Coburg, Ernst-Faber-Str. 12, Coburg

Katharina Koch

Telefon 09561/814429