Coburg
Widerstand

"Ist ja wie im Zeltlager hier": Das sagen die Teilnehmer der Coburger Corona-Demo

Etwa 350 Menschen sangen am Montag in Coburg erneut gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung an. Der objektive Beobachter wähnte sich eher im Kinderzeltlager. Aber Bill Gates durfte auch nicht fehlen.
Mancher Teilnehmer war von der Atmosphäre so ergriffen, dass er bei "Heal the World" von Michael Jackson die Sitzbank kaperte.
Mancher Teilnehmer war von der Atmosphäre so ergriffen, dass er bei "Heal the World" von Michael Jackson die Sitzbank kaperte. Foto: Foto: S. Hackenberg
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Die Atmosphäre pendelte zwischen Weihnachtsmarkt und Zeltlager. Dutzende Kinder trugen Leuchtmützen und Lichterketten, ihre Eltern wärmten sich mit Glühwein und verteilten mitgebrachten Proviant.

Viele hatten sich - aus ihrer Sicht - dem Anlass entsprechend gekleidet und ihren Nachwuchs in Schale geworfen: Laternen, die wenige Wochen nach St. Martin wieder aus der Schublade geholt und von Kindergartenkindern spazieren getragen wurden. Geschmückte Bollerwägen, in denen Fünfjährige auf den Marktplatz gezogen wurden. Ein Mann wurde einer Gruppe Erwachsener mit "Das ist der Markus" vorgestellt und vermutlich freundlicher in Empfang genommen als es seinem berühmten Namensvetter in München ergangen wäre. Dann setzen auch schon die ersten Takte von Michael Jacksons "Heal the World" ein, die aus einem tragbaren Lautsprecher kommen, der auf dem Prinz-Albert-Denkmal steht, und ein Kreis aus 350 Menschen setzt sich auf dem Coburger Marktplatz in Bewegung. Mancher Teilnehmer ist von diesem friedlich wirkenden Anblick so ergriffen, dass er sich auf eine Bank stellt und sein Feuerzeug im Takt der Musik schwenkt.

Als Michael Jackson fertiggesungen hat, gibt es Applaus. "Das ist das erste Mal, dass die Corona-Kundgebungen am Montag auch bei uns musikalisch untermalt wurden", meint Polizei-Pressesprecher Stefan Probst, der gemeinsam miteinigen Kollegen das skurrile Schauspiel vom Rand des Marktplatzes aus überwachte.

Es wurden noch weitere Lieder gespielt, die sich inzwischen in so mancher coronabeeinflussten Playlist finden. "Freiheit" von Marius Müller Westernhagen zum Beispiel, oder "Deutschland, zeig' dein Gesicht", in dem es heißt: "Sie sind Meister im Täuschen und Manipulieren. Ich frag' mich: Wer verdient daran? Mit Angst und Schrecken lässt sich's besser regieren." Angst und Schrecken wurde auf dem Coburger Marktplatz, wie bereits in den Vorwochen, nicht verbreitet.

Ein Blick auf andere Städte zeigt, wie schnell sich das ändern kann. In Schweinfurt wurden gerade fünf Teilnehmer der Anti-Corona-Kundgebung in einem beschleunigten Gerichtsverfahren verurteilt - einen Tag nachdem es auf besagter Veranstaltung zu Ausschreitungen gekommen war. Darunter eine junge Mutter, die mit ihrem Kind (4) eine Polizeisperre durchbrechen wollte.

Die Coburger Polizei hat am Montag die Identität von zwei Personen festgestellt. Gemeinsam mit dem Ordnungsamt werde nun geprüft, ob in Coburg Ordnungswidrigkeiten begangen worden sind.

Zitate der Teilnehmer der Anti-Corona-Kundgebung am Montag (27. Dezember)

"Nicht mit meinen Kindern. Coburg schläft da noch."

"Bei Fridays for Future juckt es auch keinen, dass das Minderjährige sind."

"Ich vermittle meinen Kindern noch Werte und Respekt."

" Ich verschwende nicht meine Zeit mit Maßnahmen, wenn mir niemand etwas Neues erzählt."

"Was will die Regierung denn machen, wenn wir da nicht mitspielen?"

" Und jetzt noch Lagerfeuer oder was?"

"Mich bekommt der Gates nicht."

"Ist ja fast wie im Zeltlager hier."

"Die ganzen Politiker werden ihre Quittung bekommen, sobald der Rechtsstaat wieder hergestellt ist."

"Keiner weiß, ob uns die Impfung mehr schadet als nutzt. Das ist nicht der Sinn einer Impfung."

"Nicht die Eltern sind schuld an diesem ,Vorfall‘, sondern die Regierung, die uns für dumm verkaufen will."

" Wenn hier Einer provoziert, dann die Polizei."

" Die sind alle korrupt. Wie kann man da noch in den Spiegel schauen?"

"So kommen die Kinder wenigstens mal raus und auf andere Gedanken."