LKR Coburg
Abstimmung

Flugplatzgegner jubeln im Coburger Land

Mit einem klaren Sieg des Bürgerbegehrens endete gestern der Entscheid im Landkreis Coburg. Nur in Seßlach konnte sich das Ratsbegehren durchsetzen. Jetzt wollen die Initiatoren auch einen Bürgerentscheid in der Stadt.
Die beiden Initiatorinnen des Bürgerbegehrens Heidi Rädlein (Mitte) und Simone Wohnig (rechts) freuen sich zusammen mit Angela Büchner über das deutliche Votum der Landkreiswähler für einen Austritt des Landkreises aus der Projektgesellschaft. Foto: Rainer Lutz
Die beiden Initiatorinnen des Bürgerbegehrens Heidi Rädlein (Mitte) und Simone Wohnig (rechts) freuen sich zusammen mit Angela Büchner über das deutliche Votum der Landkreiswähler für einen Austritt des Landkreises aus der Projektgesellschaft. Foto: Rainer Lutz
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Offenbar hatte jeder mit diesem Ausgang der Abstimmung gerechnet. Gegner und Befürworter des Flugplatzes sahen voraus, dass es ein klares Votum für den Austritt des Landkreises aus der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Meeder-Neida geben würde. Sogar die rund 30 Prozent Wahlbeteiligung waren für die meisten keine Überraschung - zumindest nicht, nachdem das Ergebnis feststand.
Trotzdem herrschte knisternde Spannung im Sitzungssaal des Landratsamtes. Alle Fortschritte, die sich auf den Medienwänden zeigten wurden sofort angeregt diskutiert. Und immer wieder waren es die Gegner des Projekts, die aufatmeten, die sich gegenseitig auf positive Fortschritte in ihrem Interesse aufmerksam machten.
Bei den Befürwortern des Neubaus wurden die Gesichter zunehmend besorgter. Es ging nicht allein darum, ob das Bürgerbegehren sich durchsetzen und der Landkreis gezwungen würde, aus der Projektgesellschaft auszutreten.
Mit diesem Ergebnis rechneten wohl wirklich alle. Es ging auch um die Frage, wie deutlich würde das Signal aussehen, das die Wähler im Landkreis setzen würden.
Es fiel sehr deutlich aus. Nur eine einzige Gemeinde schloss die Auszählung der Stimmzettel mit einem hauchdünnen Votum für den Verbleib des Landkreises in der Gesellschaft ab: Seßlach. Natürlich war mit einem großen Vorsprung für das Bürgerbegehren in Meeder oder Bad Rodach gerechnet worden. Es trat auch ein. Doch mit besonderer Spannung wurden die Ergebnisse aus Ebersdorf erwartet, wo die Firma Schumacher ihren Sitz hat, deren Chef Björn Schumacher sich vehement für den Flugplatz einsetzt.
Erst recht Ahorn, wo mit Michael Stoschek dem Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung der Firma Brose derjenige wohnt, der in den Augen vieler Landkreisbürger den neuen Verkehrslandeplatz am drängendsten haben will. Doch auch in diesen Gemeinden, schaffte das Ratsbegehren für den Verbleib in der Gesellschaft die Mehrheit nicht. Es konnte sich in keiner einzigen Landkreiskommune durchsetzen.

Neubau nicht in Gefahr?

Was ebenso für Spannung sorgte war die Frage nach dem Quorum. Mehr als eine Stunde nach dem Schließen der Wahllokale sind 10 von 17 Gemeinden ausgezählt und die für das Quorum nötige Stimmenzahl von 10 770 ist noch nicht erreicht. Doch dann geht es Schlag auf Schlag. Quorum erreicht, riesige Vorsprungsergebnisse für das Bürgerbegehren aus Meeder und Bad Rodach. Da geht im Jubel unter, dass in einer der Städte, nämlich Neustadt, das Quorum nicht geschafft wird. Doch am Ende zählen nicht die EinzelErgbnisse sondern die Summe die Stimmen im Landkreis und die ist am Ende ein deutliches Signal. 16 406 Wähler wollen, das der Landkreis die Projektgesellschaft verlässt, 68,9 Prozent derer, die abgestimmt haben.
So sprechen nach Abschluss der Auszählung wirklich alle von einem starken Signal - nur in sehr unterschiedlicher Weise. Für Simone Wohnig, eine der Frauen, die das Bürgerbegehren im Landkreis auf den Weg gebracht und mehr als 10 000 Unterschriften dafür gesammelt haben, heißt dieses Signal: "Jetzt greifen wir auch in Coburg an. Erst müssen wir etwas verschnaufen, aber dann werden wir auch in Coburg-Stadt ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen." Anders die Stimmung im Lager des Flugplatzbefürworter und des Ratsbegehrens. "Es ist ein fatales Zeichen an die Unternehmen im Landkreis", urteilt Michael Busch (SPD). Er weiß: "Ich habe das zur Kenntnis zu nehmen" und meint: "So kann eben eine Minderheit entscheiden, was getan wird." Den Neubau des Flugplatzes sieht der Landrat nach diesem Bürgerentscheid nicht in Gefahr.

Falsches Signal

Ähnlich urteilt auch IHK-Präsident Friedrich Hertan: "Ich glaube, dass es im Landkreis eine Mehrheit für den Verbleib des Landkreises in der Gesellschaft gegeben hätte. Wir konnten sie nur nicht mobilisieren." Er spricht von einem falschen Signal für die Coburger Wirtschaft und ebenso nach außen. "Die IHK kämpft für Coburg als Zukunftsregion, nicht als ländlichen Raum", ist Hertan überzeugt und das sei auch die Weise, wie die Region von außen wahrgenommen werde. Gerade in diesem Zusammenhang sieht im Ausgang der Abstimmung eine "fatale Außenwirkung".
Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) hat sich in den vergangenen Wochen stark für den Verbleib des Landkreises in der Gesellschaft eingesetzt. Er weiß: "Jetzt ist klar, dass der Landkreis aus der Gesellschaft austritt", betont aber nebenbei, dass das Bürgerbegehren nur zwei Jahre Rechtskraft hat.
Thomas Büchner (ÖDP), der für den Bürgerentscheid gekämpft hat, bestätigt das. Er sagt aber: "Wer im Kreistag traut sich in zwei Jahren nach so einem Signal der Bürger, wieder in die Gesellschaft einzutreten?"
"Ich hoffe, dass die anderen Mitglieder der Gesellschaft die 1,5 Millionen Euro übernehmen, die der Landkreis beigesteuert hätte."
Landrat Michael Busch

"Das Ergebnis ist für mich etwas beruhigend nach der Kampagne der Gegner, die in letzter Zeit gelaufen ist."
Dagmar Escher,
Sprecherin der Bürgerinitiative

"Nach diesem klaren Signal werden wir durchschnaufen und dann ein Bürgerbegehren in der Stadt Coburg auf den Weg bringen"
Simone Wohnig,
Initiatorin des Begehrens

"Coburg wird deswegen jetzt nicht ins Mittelalter zurückfallen"
Heidi Rädlein,
Initiatorin des Begehrens

"Die IHK kämpft für Coburg als Zukunftsregion, nicht als ländlichen Raum"
Friedrich Hertan, IHK-Präsident