Der Bildende Künstler Benno Noll lebt in Coburg, agiert aber weiter ausgreifend, national, auch international. An größeren Geistes- und Gedankenzusammenhängen interessiert, beteiligte er sich 2018 am Wettbewerb zur Gestaltung des Humboldt Forums. Sein wie zu erwarten dort nicht angenommener Beitrag symbolisiert jetzt - dank der Sachspende der VR-Bank - den Geist, der auch das Coburger Naturkundemuseum umtreibt. Das Leuchtbild, Modell für die geplant vier mal vier Meter große Wandgestaltung, wurde jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Humboldt Forum wird als neues Museum im Rahmen des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses eingerichtet und nächstes Jahr wahrscheinlich noch nicht eröffnet. Es soll unter anderem die ethnologischen Sammlungen zu außereuropäischen Kulturen - über 500 000 Artefakte - aufnehmen und zusammen mit den auf der Museumsinsel vorhandenen (Geistes-)Schätzen den Dialog zwischen Kunst, Kultur und Wissenschaft fördern, entsprechend der Grundhaltung der Namensgeber Alexander und Wilhelm von Humboldt.

Der - folgt man dem staunenswerten Roman von Daniel Kehlmann "Die Vermessung der Welt - durchaus als erhaben verrückt zu bezeichnende Weltreisende und Forscher Alexander von Humboldt (1769 - 1859), dessen 250. Geburtstag wir am kommen Samstag, 14. September, gedenken, war nicht einfach nur Insektensammler und -zähler. Sein Denken war auf die Welt im Ganzen gerichtet, bestrebt, "den rohen Stoff empirischer Anschauung", von dem zu diesem Zeitpunkt ja tatsächlich noch nicht allzu viel gewonnen war, "gleichsam durch Ideen zu beherrschen". Die Menschen sollten versuchen, aus der Kraft von Kultur und Kunst Wesen und Vielfalt von Natur und Welt zu erfassen. Eines ergibt das andere. Benno Noll zitiert Alexander von Humboldt: "Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben".

Verrostete Eisenspäne

"Science and Silence" hat Benno Noll sein Schrift-Bild überschrieben, das im Original in der von ihm entwickelten Rost-Technik (ausführlich gewässerte Eisenspäne in Acryl) geschaffen wurde. Das Rostfresco fasst in der von Noll adaptieren Originalhandschrift Humboldts dessen Haltung zusammen: "Our Kosmos appears in Science and Silence", wobei Noll mit Silence, also der Stille im weitesten Sinne, den im Kosmos waltenden Geist und das menschliche, ins Spirituelle reichende Bestreben nach Erkenntnis anspricht.

In der nun aus der Cafeteria in den Hofgarten wirkenden Fassung wird das Schriftbild aus einem Aluminiumkasten heraus hinterleuchtet. "Dieses Bild benennt sehr genau, worum es uns hier im Naturkundemuseum geht", freut sich Direktor Carsten Ritzau über die Schenkung.

Benno Noll wurde 1958 in Odenbach/Pfalz geboren und studierte Grafikdesign und Il lustration an den Fachhochschulen Mainz und Bielefeld. Von 1985 bis 1990 lebte er als freischaffender Künstler in Berlin, 1990 Übersiedelung nach Oberfranken und Ausbildung im ökologischen Landbau. 1995 bezog Noll Gut Hambach in Creidlitz. Seit 1985 hatte er zahlreiche Ausstellungen im gesamten Bundesgebiet und wurde mit diversen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. 2014 bezog Benno Noll den von der Stadt Coburg renovierten Westpavillon im Hofgarten als öffentlich zugängliches Atelier.

Alexander von Humboldt, geboren am 14. September 1769 in Berlin, gestorben am 6. Mai 1859 ebenda) war ein deutscher Naturforscher mit einem weit über Europa hinausreichenden Wirkungsfeld. In seinem über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahrzehnten entstandenen Gesamtwerk schuf er "einen neuen Wissens- und Reflexionsstand des Wissens von der Welt" und wurde zum Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft. Er war der jüngere Bruder von Wilhelm von Humboldt. Seine mehrjährigen Forschungsreisen führten ihn nach Lateinamerika, in die USA sowie nach Zentralasien. Wissenschaftliche Feldstudien betrieb er unter anderem in den Bereichen Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Botanik, Vegetationsgeographie, Zoologie, Klimatologie, Ozeanographie und Astronomie, aber auch zu Fragen der Wirtschaftsgeographie, der Ethnologie und der Demographie. In Deutschland erlangte er vor allem mit den Ansichten der Natur und dem Kosmos außerordentliche Popularität. Sein bereits zu Lebzeiten hohes Ansehen spiegelt sich in Bezeichnungen wie "der zweite Kolumbus" oder "wissenschaftlicher Wiederentdecker Amerikas". wp