In eine Grundsatzdiskussion ausgeartet ist bei der Kreistagssitzung in Coburg der Beschluss zur Stellungnahme des Landkreises im Planfeststellungsverfahren für den Bau der bei Drossenhausen geplanten Raststätte. Insbesondere Thomas Kreisler (Grüne), der gemeinsam mit dem "Offenen Kreis" Bad Rodach sogar eine Demo gegen die Raststätte am Landratsamt organisiert hatte, wehrte sich mit Verweis auf den Klimawandel vehement gegen den Bau der Anlage: "Sie ist ein Projekt, das aus der Zeit gefallen ist."

Wohlgemerkt: Bei der Stellungnahme des Landkreises ging es nicht um ein "Ja" oder "Nein" zur Tank- und Rastanlage. "Da ist die Messe schon seit vielen Jahren gelesen", versuchte Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk) erfolglos, die Diskussion in die richtige Bahn zu lenken. Zwar räumte Thomas Kreisler selbst ein, dass es "für eine verwaltungsrechtliche Auseinandersetzung zu spät" ist, aber ein politisches und nicht nur auf sachliche Hinweise beschränktes Statement wollte er vom Landkreis schon sehen.

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Josef Brunner (SPD), der vor sechs Jahren als damaliger Bürgermeister der Gemeinde Meeder Preisrichter beim Architektenwettbewerb für die Raststätte war, gefielen die jetzt vorliegenden Pläne gar nicht. Von vielem, was dem Landkreis und der Gemeinde damals versprochen wurde, sei heute nicht mehr die Rede. Brunner nannte als Beispiele einen Wall als Licht- und Lärmschutz für Drossenhausen, eine Lösung für den Baustellenverkehr über die Autobahn und einen Zugang von außen zur Rastanlage. Bei anderen Kritikpunkten Brunners, insbesondere zur Ver- und Entsorgung der Raststätte, setzte Dieter Pillmann (geschäftsleitender Beamter des Landratsamtes) verbal ein Stop-Schild: "Da sind wir schlicht und ergreifend nicht zuständig."

Nicht nur Martin Finzel (SPD) wunderte sich aber schon, warum bei den Planungen für den Bau der Tank- und Rastanlage die bestehenden Tankstellen bei Ebersdorf/Zeickhorn und Eisfeld-Süd keine Rolle spielen. "Man muss doch bei der Planung daran denken, was sich davor und dahinter abspielt", kritisierte Bernd Lauterbach (Grüne) die zuständigen Stellen wie die Autobahndirektion Nordbayern. Dagmar Escher (Grüne) verwies darauf, dass die Festlegung zum Bau der Raststätte von 1994 stammt und sich seitdem viel getan habe: "Wir sollten ein Signal setzen, dass wir gegen weitere Flächenversiegelung sind."

Auch an die Lkw-Fahrer denken

Für die Idee, sich in der Stellungnahme grundsätzlich gegen die Raststätte auszusprechen, konnte sich Rainer Mattern ganz und gar nicht erwärmen. Der Fraktionsvorsitzende von CSU/Landvolk verwies auf den Mangel an Parkplätzen entlang der A73 und die damit verbundenen Folgen: "Die vielen Lastwagen, die in Rödental und Ebersdorf in Wohngebieten parken sind was, wo wir was dagegen tun sollten." Da seien die Rastanlage und der Parkplatz an der anderen Autobahnseite ein ganz wichtiger Faktor. Ausdrücklich gegen den Vorwurf von Kreisler, er habe ein Mehr an Parkplätze auf der Rastanlage gefordert, wehrte sich Frank Rebhan (SPD). Der Neustadter Oberbürgermeister wollte nur nicht ausschließen, dass die Zahl der Parkplätze vielleicht irgendwann mal nicht mehr genügt. Deshalb wäre es seiner Ansicht nach sinnvoll, "Flächen vorzusehen, mit denen wir reagieren können, wenn die Parkplätze nicht ausreichen". Denn als Gesellschaft müsse man auch Verantwortung für die Probleme der vielen Lastwagenfahrer übernehmen.

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Gegen die Stimmen von sieben Kreistagsmitgliedern verabschiedet wurde am Ende doch die Stellungnahme, die vor zwei Wochen im Kreisausschuss entwickelt wurde. Zentrale Forderungen darin: die Errichtung von Schnellladestationen für E-Fahrzeuge, die Nutzung regenerativer Energie (Photovoltaik), die Verwendung heimischer Hölzer beim Bau sowie die Errichtung behinderten- und blindengerechter Anlagen. Modifiziert wurde der Beschlussvorschlag noch durch den Hinweis, dass die Autobahndirektion bei eventuell künftig notwendigen Erweiterungen auch die Anlagen in der näheren Umgebung (also die Autohöfe bei Ebersdorf und Eisfeld) im Blick haben möge.