Ein Lachen hallt durch die langen Gänge der CO I in Coburg. Es kommt von den Putzfrauen, die die Klassenzimmer blitzeblank halten. Ansonsten ist es still hier. Lediglich sieben Kinder kommen zur Notbetreuung in die staatliche Realschule. Der Unterricht findet im Homeschooling statt.

Wie es am Montag weitergeht, weiß derzeit noch niemand. Schulleiterin Susanne Carl und Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) erwarten am Freitagnachmittag die Instruktionen aus München: Wechselunterricht, Präsenzunterricht, in welchem Rhythmus, für welche Klassen...

Mit Weitblick

Der Grund für die Pressekonferenz, zu der die Stadt Coburg am Montag eingeladen hat, ist eine Momentaufnahme von "Schule und Unterricht in Zeiten der Corona-Pandemie". So jedenfalls hat der stellvertretende Schulleiter Oliver Jacob seine Präsentation überschrieben. Doch zunächst geht es um Fakten, die die Stadt Coburg als Bildungspartner der Coburger Schulen auszeichnen.

Norbert Anders, der Leiter des Amtes für Schule, Kultur und Bildung, nennt die Schulen "bestmöglich ausgestattet". Schon 2005 hätte die Stadt Coburg Weitblick bewiesen und begonnen Serverlandschaften und die technische Ausstattung der Schulen zu vereinheitlichen. "Das spielt uns jetzt enorm in die Karten. Im Vergleich zu anderen Kommunen sei die Stadt Coburg - trotz einiger Baustellen - auf der Überholspur in Sachen Digitalisierung."

Coburg als Flaggschiff

Das bekräftigt auch Susanne Carl: " Coburg ist das Flaggschiff europaweit." Neben der optimalen und qualitativ hochwertigen EDV- Ausstattung seien es vor allem die Mitarbeiter der EDV-Abteilung, die kompetent, freundlich, bescheiden ("wie es nur kluge Menschen sind") und gut vernetzt seien. "Alle 21 Schulen werden sehr fürsorglich betreut - das ist nicht selbstverständlich," so die Schulleiterin im Namen aller.

Arno Feiler, Leiter der IT, nimmt das Lob für seine drei Mitarbeiter gern entgegen. "Wir sind stets auf der Suche nach praktikablen Lösungen." Er freut sich mitteilen zu können, dass mittlerweile alle Coburger Schulen ans Glasfasernetz angeschlossen sind. Von den sieben Förderprogrammen, an denen sich die Stadt Coburg im Hinblick auf digitalen Unterricht beteiligt, seien fünf bereits abgeschlossen. Flächendeckend konnten an allen 21 Schulen digitale Klassenzimmer eingerichtet werden. 681 Schülerleihgeräte, die höchsten Ansprüchen genügen, wurden bestellt. 472 sind bereits ausgeliefert. Für die Lehrer werden jetzt noch 410 Laptops angeschafft. Investitionssumme 410000 Euro (inklusive Betreuung und Wartung). Damit alle Schulen auf eine optimale Internetversorgung zugreifen können, werden alle Schulen neu verkabelt. Die Konzeptionen dafür sollen Ende 2021 stehen. Baubeginn ist Mitte 2022. 3,2 Millionen Euro sind dafür veranschlagt.

Derzeit sei eher die Internetversorgung der Kinder daheim das Problem. Doch da kommt die IT der Stadtverwaltung an ihre Grenzen.

Eltern befragt

Dennoch ist Oliver Jacob überzeugt, dass die Schule die meisten Jugendlichen beim Homeschooling gut begleitet. Eine Elternbefragung unterstreicht das. "Natürlich seien nicht immer alle Kinder erreichbar, aber wir achten stark darauf, dass wir keinen verlieren und die Schere nicht weiter auseinandergeht", sagt der stellvertretende Schulleiter. Was die Schulfamilie alles dafür getan hat, erläutert er auch den Vertretern der Stadt. Susanne Carl nennt ihr Konzept das "Pistazieneis" neben den Vanillesorten.

Die Schüler bekommen jeweils montags über das Programm "Homeworkers" ihre Arbeitsaufträge für die ganze Woche. Zudem gibt es einen Stundenplan, in dem die Live-Unterrichtsstunden (über Teams) eingetragen sind. Die Lehrer stehen von 8 bis 18 Uhr online für Fragen zur Verfügung. "Das gab es früher nicht", sagt Jacob und nennt einen Vorteil, der das Homeschooling mit sich gebracht hat.

Mehr Transparenz

Auch die Verbindung zu den Eltern laufe über das Portal und werde sehr gut angenommen. Bei einer Elternbefragung hätte die Schule zwei Drittel Rücklauf gehabt. Darauf aufbauend habe die Schule flexibel reagiert und Anregungen und Kritik sehr ernst genommen. "Unser Unterricht ist viel transparenter geworden. Eltern können jederzeit einsehen, was gerade läuft und sich einbringen", sagt Jacob. Klar sei aber auch, dass Homeschooling immer Kompromisse verlange. An oberster Stelle müsse die Erreichbarkeit der Schüler stehen.

Wenn sich ab Montag der Unterricht hin zum Wechsel- und Live-Unterricht ändert, stellt das die Lehrer vor neue Herausforderungen.