Absagen prägten seit dem Frühjahr das musikalische Leben in der Morizkirche. Nach wochenlangem Lockdown konnte die Reihe "Musik zur Marktzeit" mit Verspätung immerhin doch noch gestartet werden. Inzwischen sind wieder Konzerte möglich. Warum hinter mancher Veranstaltung dennoch Fragezeichen stehen, erklärt Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein im Interview.

Die Corona-Krise hat das Coburger Konzertleben in den letzten Monaten grundlegend verändert. Auch zahlreiche geplante Veranstaltungen der Musica Mauritiana mussten abgesagt werden. Seit 20. Juni fand aber zumindest die Musik zur Marktzeit wieder statt. Worauf mussten Sie achten, um diese Matinee-Konzerte möglich zu machen?

Peter Stenglein: Nun, wir unterlagen und unterliegen den gleichen Hygienebestimmungen wie alle anderen Konzertveranstalter auch. Am 20. Juni galt noch: maximal 50 Besucher dürfen zuhören. Zum Vergleich: In den letzen Jahren hatten wir durchschnittlich zwischen 250 und 300 Besucher. Schrittweise wurde dann gelockert, in den letzen Wochen waren dann 200 Personen erlaubt. Es war ein deutlich größeres Team von Helferinnen und Helfern gefordert, das nicht nur die Menge der Zuhörenden zählen musste, sondern auch auf die Einhaltung des Tragens von Mund-Nase-Bedeckungen die Einhaltung der entsprechenden Abstandsregelung achten musste.

Wie wurden diese Kurz-Konzerte seitdem angenommen?

In den ersten Wochen gab es leider immer wieder Unmut, weil wir regelmäßig Menschen wegschicken mussten. 50 oder 100 Zuhörer durften in die Kirche, mehr eben nicht. Da spielt es keine Rolle, dass die Kirche fast 900 Plätze hat - in Corona-Zeiten ist alles anders. Wie gesagt: Wir mussten Besucher wegschicken, das haben die meisten Betroffenen mit Verständnis hingenommen, einzelne haben sich zum Teil unfreundlich geäußert, das waren aber wirklich nur Einzelfälle. Aufgrund eines im Vergleich deutlich schwächeren Samstags-Tourismus gab es weniger Gäste von außerhalb, wir hatten aber aufs Ganze gesehen einen wirklich guten Besuch, im Schnitt etwa 150 Personen.

Wie haben Sie die Reaktionen des Publikums erlebt?

Ich habe einerseits große Dankbarkeit und Erleichterung erlebt, dass nach dem wochenlangen Lockdown endlich wieder kulturelle Angebote möglich waren. Ich habe großen "Hunger" nach Orgelmusik gespürt, es gab ein diszipliniertes Publikum, das war wunderbar! Auf der anderen Seite gab es auch Verunsicherung: Soll ich in die Kirche gehen? Wie groß ist das Risiko, sich anzustecken? In den letzten Wochen hat sich aber eine gute Routine herausgebildet, die Menschen gingen immer souveräner mit der Situation um.

Welche Erfahrungen haben die Interpreten dabei gesammelt?

Für die Interpreten gab es eigentlich kaum Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren. Die Orgel steht ja auf der zweiten Empore, schon "halb im Himmel". Natürlich ist es schöner, wenn man merkt, dass die Kirche wirklich gut gefüllt ist. Für die Organistinnen und Organisten war es aber wegen einer anderen Sache in diesem Jahr spannend: Viele haben die neuen Bassregister zum ersten mal erlebt - und alle waren von dieser klanglichen Erweiterung begeistert!

Wie soll die Musik an St. Moriz ab Herbst weitergeführt werden?

Zum ersten Mal werden wir in diesem September kein Jahresprogramm vorgeben. Wir denken momentan "kurzfristig", wir greifen auf unsere eigenen Kräfte zurück. Unproblematisch sind Orgelmusiken und Konzerte für Orgel und einzelne Instrumente. In der nächsten Zeit wird hier ein Schwerpunkt liegen, Beginn ist mit einem Orgelkonzert am Erntedankfest, 4. Oktober.

Leider mussten wir die Veranstaltungen zum 150. Jubiläum der Kantorei St. Moriz, die für Oktober geplant waren, auf das nächste Jahr verschieben. Die Kantorei feiert dann "150-1" Jahre ihrer Neugründung.

Anderes, wie das Adventssingen am 1. Advent, wird in modifizierter Form angeboten. Das Posaunenchorkonzert im Januar wird unter den dann geltenden Bestimmungen stattfinden. Beide, Kantorei und Posaunenchor, wirken seit Monaten in kleinen Besetzungen regelmäßig in den Gottesdiensten mit. Das ist anders als vorher, aber auf diese andere Weise herausfordernd und sehr schön.

Großes Kopfzerbrechen bereitet mir aber die Arbeit mit dem Bachchor. 100 Sängerinnen und Sänger, dazu Orchester und Solisten - das kann es leider in diesem Kalenderjahr so nicht geben. Umso dankbarer bin ich über das Projekt "Verdi-Requiem" im vergangenen Jahr, das wir in Kooperation mit dem Landestheater anbieten konnten. Und jetzt? Wir hatten seit etlichen Wochen und Monaten Proben über Internet, diese Proben wurden auch verhältnismäßig gut angenommen, leider konnten aber längst nicht alle Chormitglieder mitmachen.

Wie soll die Aufführung der h-Moll-Messe Ende November unter den geltenden Regeln möglich gemacht werden?

Das ist eine Frage, die in den nächsten Wochen beantwortet werden wird: Gibt es die Aufführung der h-Moll-Messe? In kleiner Besetzung? Gibt es stattdessen ein ganz anderes Konzert? Das wunderbare Main-Barockorchester und ein sehr gutes Solistenensemble sind "gebucht". Wir haben kommende Woche eine Chorversammlung, in der wir diese Fragen besprechen und beantworten werden.

Wie sieht die Probenarbeit für dieses Konzert aus?

Wie gesagt: Wir proben über Internet - und hoffentlich bald auch "real", dann natürlich unter Einhaltung der geltenden Bestimmungen. So das Konzert stattfindet, werden die Solisten mehr Aufgaben übernehmen als sonst oft üblich. Aber das ist Zukunftsmusik, wir werden die Möglichkeiten und Begrenzungen ausloten und dann entscheiden. Die Fragen stellte Jochen Berger

Rund um die Kirchenmusik in der Coburger Morizkirche

Ausblick Wegen der Auswirkungen der Corona-Krise gibt es in diesem Jahr kein verbindliches Saison-Programm der Musica Mauritiana. Alle bislang geplanten Veranstaltungen in St. Moriz stehen unter dem Vorbehalt aktueller Änderungen der gültigen Corona-Regeln. Freitag, 25. September Orgelkonzert mit Edgar Krapp - 18 Uhr Sonntag, 4. Oktober Orgelkonzert zum Erntedankfest Sonntag, 22. November Johann Sebastian Bach h-Moll-Messe, Mitgliedes des Coburger Bachchores, Main-Barockorchester Frankfurt, Leitung: Peter Stenglein, 17 Uhr (mit Vorbehalt) Sonntag, 26. November Adventsmusik zum Zuhören und Mitsingen - 16 Uhr Samstag, 5., 12., 19. Dezember Musik bei Kerzenschein, Peter Stenglein (Orgel) - Beginn jeweils 18 Uhr Samstag, 26. Dezember Kantatengottesdienst - 10 Uhr Donnerstag, 31. Dezember Orgelkonzert in der Silvesternacht - Peter Stenglein, 22 Uhr Sonntag, 31. Januar 2021 Posaunenchor und Orgel, Posaunenchor St. Moriz, Leitung und Orgel: Peter Stenglein, 17 Uhr Tickerts online (www.moriz-klingt.reservix.de/events)