"Coburg liest" im 16. Jahr seines Bestehens ein bisschen früher und ein bisschen entspannter. Im Hinblick auf Ferien und sonstig Terminliches starten die Literaturtage heuer bereits am 30. März mit dem Roman-Marathon. Zudem sind die fünf Leseabende statt geballt aufeinander zu folgen auf gut anderthalb Wochen verteilt, bis 10. April - auf Publikumswunsch hin.

Wieder bringen sie große Namen neben spannenden Debütanten. Friedrich C. Delius ist der Autor der Gala. Beim Sachbuch-Abend geht der Designspezialist Bernd Polster zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum Walter Gropius an den Kragen. Und erstmals wird es kriminell - mit einem der erfolgreichsten deutschen Kriminalschriftsteller, dem Tatort-Autor Friedrich Ani und seinem Ermittler Tabor Süden.

Das Landestheater zählt neben dem Coburger Literaturkreis, der Volkshochschule Coburg, der Buchhandlung Riemann und verschiedenen privat Engagierten erneut zu den Veranstaltern der Literaturtage. Sachbuch-Abend Am Montag, 1. April trägt "Coburg liest" im Kunstverein dem 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses Rechnung. Bernd Polster stellt seine Biografie über den Bauhaus-Gründer Walter Gropius vor, der zu den Großen der modernen Architektur zählt, tatsächlich aber selbst nicht viel gebaut hat. Doch er gründete ein Architekturbüro, in dem andere jene Bauten entwarfen, die heute als Ikonen der Moderne gelten.

Bernd Polster, Jahrgang 1952, hat eine Reihe von Standardwerken zum Thema Design geschrieben. Autoren-Gala Am Donnerstag, 4. April, findet im kleinen Saal des Gemeindezentrums St. Augustin die Autoren-Gala statt, die erneut eine renommierte Größe des Literaturbetriebs präsentiert. Friedrich Christian Delius gibt Einblick in sein Werk und bringt seine neueste Erzählung mit: "Die Zukunft der Schönheit". Darin geht es um einen Studenten, der während des Besuchs eines Jazzkonzerts in New York im Jahr 1966 von der Musik inspiriert durch die Themen der Zeit schweift, zur Ermordung Kennedys, dem Vietnamkrieg, zur Gewalt gegen Schwarze und dem Widerstand der Studenten. Stilgerecht wird der Ilmenauer Jazzpianist Andreas Gyer am Klavier die Lesung begleiten.

Friedrich C. Delius, geboren 1943, gehört zu jenen Schriftstellern, die das politische Leben der Bundesrepublik Deutschland seit den 70er Jahren kritisch begleiten. Krimi-Abend Erstmals steht ein Krimi-Abend auf dem Programm von "Coburg liest". Am 10. April kommt Friedrich Ani ins Haus Contakt und wird seinen neuen Roman "Der Narr und seine Maschine" vorstellen.

Auch darin ist der Ermittler Tabor Süden die Hauptfigur. Seine bisher über zwanzig Romane um Süden machten Ani zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Kriminalschriftsteller. Er wurde sieben Mal mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.

Friedrich Ani wurde 1959 als Sohn eines Syrers und einer Schlesierin in Kochel am See geboren. Er arbeitete als Polizeireporter, Kulturjournalist und Drehbuchautor. -

Die Lesungen beginnen,wenn nicht anders genannt, um 19.30 Uhr. as

Drei Roman-Debüts in der Reithalle

Romanmarathon Den Auftakt zu "Coburg liest" 2019 bildet der Roman-Marathon in der Reithalle, zu dem am Samstag, 30. März, um 19 Uhr Mercedes Lauenstein, Lukas Rietzschel und Julia von Lucadou erwartet werden. Alle drei präsentieren ihr Romandebüt. Musikalisch umrahmt wird der Roman-Marathon von dem Duo Birdelay mit Jazz und Chansons.

In "Blanca" schildert die 1988 geborene, in München und Italien lebende Mercedes Lauenstein die Flucht der 15-jährigen Blanca vor ihrer überforderten Mutter nach Italien. Auf ihrer turbulenten Reise stolpert sie in komische und traurige Situationen, erlebt Hunger, Durst und erste sexuelle Erfahrungen. Dabei stellt sich Blanca ständig die Frage, wie viel man vom Leben eigentlich erwarten kann.

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Ostsachsen, stellt seinen Roman "Mit der Faust in die Welt schlagen" vor. Zwei Brüder wachsen in der Tristesse der sächsischen Provinz auf und schlagen gegensätzliche Wege ein: nach innen in die Nachdenklichkeit, nach außen in die Gewalt. Rietzschels Roman erschien punktgenau zu den Ausschreitungen in Chemnitz und fand großes Medienecho.

Julia von Lucadou erzählt die Geschichte "Die Hochhausspringerin". In einem perfekten Überwachungsstaat beschließt Riva, nicht mehr zum Vergnügen von Millionen von Hochhäusern zu springen. Die Wirtschaftsjournalistin Hitomi soll Riva wieder zum Springen bringen. Anderenfalls würden beide aus der Stadt verbannt. Julia von Lucadou wurde 1982 in Heidelberg geboren und ist promovierte Filmwissenschaftlerin. as

Verabschiedung Spannende Autoren, Lesevergnügen, Begegnungen - dafür sorgt seit 16 Jahren "Coburg liest". Im Kreis der Veranstalter, Coburger Literaturkreis, Buchhandlung Riemann, Volkshochschule, Landestheater und verschiedene engagierte Einzelkämpfer, sind es ganz konkrete Personen, die "Coburg liest" ihr spezielles Gepräge gaben und geben.

Bei der Programmvorstellung galt es auch Abschied zu nehmen von vier prägenden Mitstreitern. Literaturkreis-Vorsitzender Alois Schnitzer dankte Kerstin Kircher ("sehr urteilssicher und hilfsbereit"), Erich Escher ("der verlässliche Organisator) und Johannes Schmidt ("der Mann für die kniffligen Fälle", etwa das Gespräch mit der "Diva" Martin Walser) für ihr großes Engagement.

Außerdem zieht sich die maßgebliche Initiatorin von "Coburg liest", Irmgard Clausen, zurück. Sie war als damalige Inhaberin der Buchhandlung Riemann eine der hartnäckig treibenden Kräfte, denen es zu verdanken ist, dass ein Literaturfestival in diesem Format in Coburg etabliert werden konnte.

Landestheater extra Literatur in den Häusern unserer Stadt bieten Ensemblemitglieder des Landestheaters wieder am Mittwoch, 3. April. Dabei werden Coburger Bürgerinnen und Bürger zu Gastgebern für Lesungen im intimen Kreis. Sie beginnen um 19.30 Uhr, zum gemeinsamen Ausklang steht ab 20.30 Uhr der Große Saal im Münchner Hofbräu zur Verfügung. Weitere Gastgeber sind willkommen. C.H.