Es ist ein Bewusstseinswandel zu spüren in der Region. Da ist Christian Gunsenheimer sicher. Beweis: Die Idee einer Energiegenossenschaft für das Coburger Land, an der sich jeder Bürger beteiligen kann, fand erfreulichen Zuspruch. Noch ist die "Geno" in Gründung. Doch Anteile können schon gezeichnet werden. Christian Gunsenheimer ist Vorsitzender des Aufsichtsrats.

"Eine Genossenschaft zu gründen, ist gar nicht so einfach", sagt er. Aber von Anfang an waren begeisterte ehrenamtliche Helfer zur Stelle. "Es ist ein Verdienst dieser Leute, wenn wir jetzt die Gründung erreichen", betont Gunsenheimer. Eine beachtliche Zeit ist dennoch ins Land gegangen, zwischen der Idee und der Gründung. Angefangen hat nämlich alles schon in der Anfangsphase des Projekts zur regionalen Daseinsvorsorge Moro im Landkreis.

"Wir hatten einen Workshop zum Thema Energieversorgung ausgerichtet, der erfreulich stark angenommen wurde", erinnert sich Stefan Hinterleitner. Der Regionalmanager ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Energiegenossenschaft. Bei dem Workshop wurden die Teilnehmer auch nach ihrem Interesse an einer möglichen Energiegenossenschaft befragt. "Fast alle fanden die Idee gut und rund zwei Duzend haben gleich erklärt, sie könnten sich vorstellen, einzusteigen", erinnert er sich. Das war 2013. Dann wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geändert. "Das sorgte für einige Wirrungen, die Rahmenbedingungen waren plötzlich andere. Manche Projekte wurden schwieriger", erklärt Hinterleitner, warum sich die Gründung der Genossenschaft hinzog.

Eigenen Beitrag leisten

Der Enthusiasmus der Beteiligten wurde dadurch nicht gebrochen. Wer hier einsteigt, glaubt daran, einen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel zu leisten, will Energie lokal erzeugen, statt sie quer durch das Land zu transportieren. Das gilt auch und besonders für Walter Flohrschütz. Der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft weiß: "Wir können nicht allein die Welt retten, aber wir können unseren Beitrag leisten."

Es wurde nach Interessierten gesucht, die von Anfang an einsteigen wollten. Als erstes gingen die Betreiber des Vorhabens auf diejenigen zu, die schon beim Workshop Interesse bekundet hatten. In Arbeitsgruppen beschäftigten sich bald Ehrenamtliche mit Themen wie der Gründung der Genossenschaft, der Suche nach möglichen Projekten oder mit der Ausarbeitung einer Satzung. "Da hat uns Rüdiger von Berg enorm geholfen mit seiner unglaublichen Erfahrung im Genossenschaftswesen", betont Stefan Hinterleitner. Von Berg war viele Jahre Vorstandsvorsitzender der VR-Bank und Vorsitzender des Genossenschaftsverbandes in der Region.

Schritt für Schritt wurde alles zusammengetragen, was nötig ist, um in die Gründungsphase einzutreten. Diese läuft gerade. Aber schon jetzt kann jeder, der dabei sein will, Anteile der Energiegenossenschaft kaufen. Einer kostet 500 Euro.Was die Genossenschaft mit dem Geld ihrer Anteilseigner unternehmen will, legt die Satzung unter Paragraf 2 fest: "Gegenstand des Unternehmens ist: die Errichtung, der Betrieb und die Unterhaltung von Anlagen zur Erzeugung, Speicherung und Verteilung vorzugsweise regenerativer Energien, der Absatz der gewonnenen Energie in Form von Strom, Gas und Wärme, die Unterstützung und Beratung in Fragen der regenerativen Energiegewinnung und des Handels einschließlich der Information von Mitgliedern und Dritten sowie Öffentlichkeitsarbeit.

Außerdem die Erbringung von Dienstleistungen, die dem Zweck der Genossenschaft entsprechen (zum Beispiel Humuserzeugung / Phosphatgewinnung; Landwirtschaftliche Projekte zur Bindung von CO2 im Boden, Speicherung von Energie und so weiter), der Kauf und Verkauf von Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien, die Verwaltung sowie Geschäftsführung für Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energien der Mitglieder oder Bürgergemeinschaften."

Wer einsteigt, steht sicher zu diesen Unternehmenszielen. Aber wer Geld in eine Genossenschaft steckt, sieht das in der Regel auch nicht als verlorene Spende an. Er möchte Erträge erzielen. "Wir versprechen da keine horrenden Renditen. Es wird in einem gewissen Rahmen sein, aber nicht utopisch", stellt Walter Flohrschütz klar. Auch Christian Gunsenheimer lässt keinen Zweifel daran, dass rentable Projekte das Ziel sein müssen. Es geht ihm aber auch darum, das Thema regenerativer, lokaler Energieerzeugung ins Bewusstsein der Bürger in der Region zu bringen.

Basis für Vertrauen

Dass Interessenten Vertrauen in diese Bürgergenossenschaft setzen können, begründen die Verantwortlichen gleich mehrfach. "Es gibt keine Nachzahlverpflichtung", erklärt Stefan Hinterleitner. Das bedeutet, dass die Genossenschaft nicht auf die Mitglieder zukommen kann, um Geld nachzufordern, wenn sie sich bei einem Projekt vertan hat. Entsprechend vorsichtig muss mit Risiken umgegangen werden.

Einer anderer Faktor ist die Regionalität. "Wir sind ja in der Region in verschiedenen Bereichen aktiv und bekannt", meint Hinterleitner mit Blick auf Vorstand und Aufsichtsrat, wo unter anderem Seßlachs früherer Bürgermeister Hendrik Dressel, Werner Weber aus Untermerzbach, Günter Engel aus Sonnefeld und der Coburger Wolfgang Weiß mitarbeiten. Und dann ist da noch die Unterstützung durch die Kommunalpolitik, in deren Interesse die Gründung einer solchen Genossenschaft liegt.

Nun muss der Gründung ein Projekt folgen, das die Genossenschaft auf die Beine stellt. Es ist bereits eines in Aussicht. Auf dem Dach der neuen Mensa des Gymnasiums Ernestinum in Coburg soll eine Anlage zur Gewinnung von Solarstrom errichtet werden. Die Stadt Coburg schreibt dieses Vorhaben aus, und die Genossenschaft wird sich darum bemühen, es zu bekommen. Die Idee ist dann, dass die Genossenschaft die Anlage errichtet und anschließend an die Stadt vermietet, die sie betreibt. Es sind auch schon weitere Vorhaben im Blick der Verantwortlichen. Aber darüber wollen sie noch nicht sprechen.