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Neustadt bei Coburg
Schlagerhotel

Angela Henn alias "Angie Katze" hat Ärger mit dem Finanzamt: Platzt der Traum vom Schlagerhotel?

Angela Henn, Besitzerin des ehemaligen Grenzgasthofes in Fürth am Berg, hat Ärger mit dem Finanzamt. Deshalb droht ihr großer Traum zu platzen.
 
Angela Henn bläst Trübsal! Im ehemaligen Grenzgasthof in Fürth am Berg herrscht Baustopp, weil ihr das Finanzamt Schwierigkeiten macht. Ihr großer Traum von einem Schlagerhotel im Neustadter Stadtteil droht zu platzen. Foto: Christoph Böger
Angela Henn bläst Trübsal! Im ehemaligen Grenzgasthof in Fürth am Berg herrscht Baustopp, weil ihr das Finanzamt Schwierigkeiten macht. Ihr großer Traum von einem Schlagerhotel im Neustadter Stadtteil droht zu platzen. Foto: Christoph Böger
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Ihr großer Traum vom Schlagerhotel droht zu platzen. Angela Henn, auch bekannt als "Angie Katze", macht nämlich kein Hehl aus ihren aktuellen Problemen. Sie hat finanzielle Schwierigkeiten. Das Finanzamt sitzt ihr im Nacken! Die Besitzerin des ehemaligen Grenzgasthofs in Fürth am Berg ist sich ihrer Sache nicht mehr sicher. Gut möglich, dass ihr Schlagerhotel zu einem "Luftschloss" wird.

2015 kaufte Henn die teils renovierungsbedürftigen Gebäude und bot später ihre Räumlichkeiten dem Freistaat Bayern für die Unterbringung von Asylbewerbern an. Der von ihr propagierte Umbau in ein "Schlagerhotel" gestaltet sich schwieriger als gedacht. 2019 sollte der Saal wieder nutzbar gemacht werden - nicht zuletzt, weil sie dort mit Freunden aus der deutschen Schlagerszene ihre Hochzeit feiern wollte. Und zwar mit Gesangspartner Dennis Klak, der auch im richtigen Leben an ihrer Seite steht. Doch daraus wurde nichts.

Angela Henn: Droht der Traum vom Schlagerhotel zu platzen?

Obwohl sie nach eigenen Worten nicht nur jede Menge Geld, sondern auch viel Herzblut und Schweiß in den Grenzgasthof steckt, sind die Räume nicht nutzbar. "Wir haben im Gästehaus viele Zimmer bereits fertig. Der Boden ist verlegt, die Wände tapeziert, die große Holztreppe aufwendig lackiert", sagt sie stolz. Viele Euro habe sie bereits in die Fürther Häuser gesteckt. Doch seit einiger Zeit geht es nicht mehr voran. Es wird weder gearbeitet noch investiert. "Ich habe Ärger mit dem Finanzamt." Details will die 41-Jährige vorerst aber für sich behalten, schließlich liege ein Rechtsstreit in der Luft. Nur so viel: "Ich muss sehr viel Steuern bezahlen. Man macht es mir nicht gerade einfach." Ob diese Umstände das Ende all ihrer Schlagerhotel-Träume bedeuten? "Ich weiß es nicht. Ich hoffe nicht. Ich glaube noch daran."

Es werde halt keinesfalls einfacher. Erst recht nicht, wenn ihr Vertrag mit dem Freistaat Bayern für das Hotel ausläuft. 2016 hat sie eine Vereinbarung zur Unterbringung von Asylbewerbern geschlossen.

Eine Nachfrage beim Landratsamt Coburg ergab Folgendes: Durch den kurzfristigen Bedarf war der Freistaat damals über jedes Wohnungsangebot froh und hat mit Vermietern individuelle Verträge ausgehandelt. Die Konditionen sind unterschiedlich, ebenso wie die Vertragsdauer. Jetzt laufen diese Verträge nach und nach aus.

Verträge werden nicht verlängert

"Da die Unterkünfte schon länger nicht mehr belegt sind und derzeit keine Zuweisungen von Asylbewerbern in hoher Zahl erfolgen, ist auch keine Verlängerung der Verträge durch den Freistaat oder durch das Landratsamt Coburg geplant. Auch nicht für andere Zwecke", erklärt Corinna Rösler, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Derartige Verträge sorgen für Gesprächsstoff. Kritiker und Neider haben wenig Verständnis. In Fürth am Berg wurde Platz für knapp unter 50 Asylbewerber geschaffen. "Mehr haben wir damals ganz bewusst nicht zugelassen, sonst hätten wir als Kommune nur noch geringen Zugriff gehabt und die Regierung von Oberfranken wäre zuständig gewesen", klärt Neustadts Zweiter Bürgermeister Martin Stingl auf. Ein Vertrag in diesem Umfang kostet den Steuerzahler innerhalb von fünf Jahren über zwei Millionen Euro. Täglich gibt es nämlich rund 28 Euro pro untergebrachter Person. Selbst in Monaten, in denen keine ausländischen Bürger dort wohnen, gilt in der Regel diese Vereinbarung. Die Mietzahlungen fließen zuverlässig. Stingl, inzwischen auch stellvertretender Landrat, bestätigt das: "Ja, das wurde in der Anfangszeit bei all diesen Verträgen so vereinbart."

Droht gar eine Insolvenz?

Wenn Mietverträge auslaufen und Investoren keinen Nutzen mehr von ihrer erworbenen Immobilie haben, besteht die Gefahr, dass Eigentümer auch vor einer Insolvenz nicht zurückschrecken. Hinter vorgehaltener Hand wird in Fürth am Berg deshalb bereits wild spekuliert: "Das mit dem Schlagerhotel klappt eh nie. Und dann bleibt die Bank auf dem Grenzgasthof sitzen."

Konfrontiert mit solchen Vermutungen schüttelt Angela Henn verärgert den Kopf und bläst sofort zur Gegenattacke: "Das ist Quatsch und ich bekomme auch keine 28 Euro pro Tag für einen Platz, sondern weniger." Und außerdem: "Jeder mit Mumm in der Hose hätte das Hotel damals kaufen können. Es stand jahrelang leer, keiner wollte es haben. Es hat sich niemand getraut." - Bis die Schlagersängerin aus Grub in Fürth entschlossen zugriff.

Angela Henn, alias "Angie Katze": Die Sängerin Angela Henn trat erstmals 2010 öffentlich groß in Erscheinung; damals war sie das Fotomotiv für das Plakat von Deutschlands größter Erotikmesse "Venus" in Berlin. Später nahm sie an der Vox-TV-Serie "Ein Bus voller Bräute" teil, geriet aufgrund einer "Botox-Party" in die Läster-Maschinerie von Stefan Raab und drehte eine Serie für das Magazin "Punkt 12" bei RTL.

Aus Angela wurde "Angie" Angela Henn beziehungsweise "Angie Katze" (so ihr damaliger Künstlername) bezeichnete sich selbst damals als "It-Girl". Der Begriff "It-Girl" steht seit 2009 sogar im Duden und beschreibt junge Frauen, "die durch ihr häufiges öffentliches Auftreten in Gesellschaft prominenter Personen" einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden.

2014 begann Angela Henn eine Gesangskarriere. Zusammen mit dem türkischen Sänger Güray Atalay nahm sie den Song "Bir dahakine" auf. Deutscher Schlager 2016 folgte der Wechsel zum deutschen Schlager. Mit "Ladiooo" (2017) und "Verliebt" (2018) schaffte sie es in die Charts. Aktuell ist sie in einem Musikvideo mit ihrem Gesangs- und Lebenspartner Dennis Klak zu sehen. Der Titel der aktuellen "Scheibe" lautet "Donner und Blitz".

Erinnerungen von Christoph Böger: Stachelbeerkuchen, Knecht Ruprecht und Biene Maja Seit gefühlt einer halben Ewigkeit stehen die Gebäude am Ende des kleinen Dorfes mehr oder weniger jetzt schon leer. Sie verwahrlosen immer mehr und wirken wie ein Schandfleck in Fürth am Berg.

Ausgerechnet der Grenzgasthof! Nicht die Reste der Raubritterburg oben auf dem Berg, von wo aus die Burgherren einst die Furt durch das Flüsschen Steinach kontrollierten und für deren Durchquerung die Kaufleute abkassierten, waren in den 80er, 90er und Anfang der 2000er Jahre der Anziehungspunkt des Neustadter Stadtteils, sondern diese beliebte Gastronomie nur einen Steinwurf vom thüringischen Nachbardörfchen Mogger entfernt. Dort wo der Grenzzaun der innerdeutschen Grenze zu sehen war und die Bahnstrecke nach Neustadt ein jähes Ende fand, schräg gegenüber von der alten Schmiede, in der einst noch Pferde beschlagen wurden, herrschte täglich ein buntes Treiben.

Ob Thüringer Klöße in der Gaststube, Stachelbeerkuchen mit leichter Tanzmusik im Wintergarten, feuchtfröhliche Polterabende mit Bratwurst und Kraut, Hochzeitsfeiern bis in die frühen Morgenstunden mit kostenlosem Rock 'n' Roll für die komplette Allee oder heitere Konfirmationsfeten im Saal - bei der Familie Bätz war die Hölle los. Weihnachtsfeiern mit Knecht Ruprecht und Faschingssonntage mit verschwitzten Cowboys, Indianern oder Biene Majas - Fürth am Berg war bunt, in Fürth am Berg pulsierte am Wochenende das Leben - dank den Besitzern des Grenzgasthofes. Meinungsverschiedenheiten und familiäre Zwistigkeiten innerhalb der betreibenden Familien waren der Anfang vom Ende eines über viele Jahre und bis zum Schluss gut florierenden Traditionshauses. Schade!