Wir wissen ja mittlerweile ausführlich, wie rührend die Geschichte von Albert und Victoria verlief, von der großen Queen mit dem kleinen Prinzen aus einem Popel-Herzogtum Coburg. Es war die Liebe des 19. Jahrhunderts, erstmals auch entsprechend inszeniert, von den Protagonisten selbst. Der Coburger Albert war einfach zuuu schön. Das ist wahr, das hat die junge Victoria selbst so geschrieben, in ihr Tagebuch, aus dem wir jetzt eine Menge zu hören kriegen.

Was, wir lesen in einem ganz persönlichen Tagebuch, auch noch öffentlich? Geht schon mal. Wenn die Hauptfiguren ihren 200. Geburtstag feiern könnten, wären sie nicht tot. Will man es den heutigen Coburgern verdenken, wenn sie sich geradezu suhlen in allem, was mit Prinz Albert und Queen Victoria zu tun hat?

Jedenfalls hatte da eine gewitzte Sängerin und Komponistin und dann auch noch Regisseurin, Ulrike Barz-Murauer, früher am Landestheater, früh genug die richtige Inspiration. Sie kramte in den Kisten voller Briefe und Dokumente - um 1840 herum schrieb man sich noch ausführlich, es blieb einem nichts anderes übrig - und dachte sich ein Musical aus. "Albert und Victoria" wurde als semiprofessionelle Produktion, getragen von dem engagierten Förderverein Kleinkunst und Varieté im Raum Coburg, zu etwas ganz Entzückendem, uraufgeführt an sozusagen authentischem Ort, im Riesensaal der Ehrenburg September 2016, und dann wiederholt, weil alle es weiter sehen wollten. Und wie blöde wäre das denn, wenn es nicht auch im Jubiläumsjahr wieder aufgeführt würde, zehn Mal von 29. August bis 21. September mit Marie-Sophie Weidinger und Valentin Fruntke, die im Kostüm Albert und Victoria geradezu furchterregend wie aus dem Gesicht geschnitten aussehen.

Soweit muss man informiert sein, um den Spin-off, wie man in unserer fortgeschrittenen Medien- und Serienwelt heute sagt, zu verstehen, der am Donnerstag nun im traumhaften Marmorsaal von Schloss Rosenau, dem Geburtsort von Prinz Albert und einem Lieblingsort der echten Queen Victoria, Premiere hatte. "Der Himmel hat mir einen Engel gesandt" - was Prinz Albert so gesagt hat - ist die inszenierte Lesung von Ulrike Barz-Murauer überschrieben.

Die wäre - mit denn ewig am Schreibtisch halt Schreibenden - ein bisschen arg länglich, würde im Kopf nicht immerzu das Musical ablaufen. Ulrike Barz hat sich über die Jahre offensichtlich so in den ganzen Stoff verliebt, dass sie wohl nicht mehr genug kriegen kann von den authentischen Texten, den Tagebuchaufzeichnungen von 1836 bis 1839, und verschiedenen Briefen. Und tatsächlich, wo und wie sonst könnten wir so tief in die Gefühle dieser atemberaubenden Gestalten eindringen (was wir doch wollen), auch wenn es sich dabei nicht gerade um Literarisches handelt:

Wir sind quasi unmittelbar dabei während des ersten Besuches von Albert 1836 im Kensington Palast, als die 17-jährige Victoria überwältigt ist: Albert ist so wunderschön, hat große blaue Augen, eine wunderschöne Nase, einen sehr süßen Mund mit schönen Zähnen..." Alles schön, schön, schön.

Sie ändert ihre Einstellung

Bei der Premiere stellte Ulrike Barz selbst das junge Mädchen Victoria dar, sie alterniert in den weiteren Vorstellungen mit Marie-Sophie Weidinger. Der Albert ist hier Stefan Schneller. Horst Gründel wird als bewährter Lord Melbourne gebraucht. Kyoko Frank und Barbara Zeller begleiten die Gesangseinlagen am Hammerflügel.

Dann aber, mittlerweile zur Königin geworden, will Victoria vom Heiraten erstmal nichts mehr wissen - bis, bis der raffinierte Onkel Leopold ihr den Albert 1839 wieder vorbeischickt. Dann nimmt sie ihn. "Das Kennenlernen hat meine Ansicht über das Heiraten sehr geändert", schreibt sie Melbourne. Wir waren bei der Krönung dabei und bei dieser verflixten Heiratserklärung, wo ja sie ihn um seine Hand bitten musste. Wir hören erstaunliche, von Prinz Albert selbst komponierte Lieder und schauen immer mal in das grün oder rot verzauberte Kreuzgewölbe des Marmorsaales. - Ha ja, wenn es doch um Albert und Victoria geht!

Die Produktion Der Himmel hat mir einen Engel gesandt. Inszenierte Brieflesung von Ulrike Barz-Murauer. Produktionsleitung Siegfried Pecher. Lichttechnik Hanna Dallmer-Zerbe.

Darsteller Ulrike Barz-Murauer/Marie Sophie Weidinger, Stefan Schneller, Horst Gründel. Musikalische Begleitung: Barbara Zeller oder Kyoko Frank.

Weitere Termine 29., 31. Mai, 2. Juni, 19.30 Uhr im Marmorsaal von Schloss Rosenau, Rödental. Karten (18 Euro, 15 Euro ermäßigt) in allen Filialen der VR-Bank Coburg, in der Stadtverwaltung Rödental sowie in der Touristinformation Coburg, Herrngasse.