Die Stadtbusse in Coburg sind am Mittwoch alle stehengeblieben. Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte die Busfahrer der SÜC zum ganztägigen Ausstand aufgerufen. Wilhelm Austen, Geschäftsführer der SÜC, äußerte zwar grundsätzlich Verständnis für einen Arbeitskampf, sah jedoch den Zeitpunkt während der Corona-Pandemie als falsch an. Damit sich die Schüler nicht in einige wenige Busse hätten drängen müssen und der Corona gebotene Abstand unmöglich gewesen wäre, entschloss sich die SÜC, den Stadtbusverkehr ganz einzustellen.

Durch den kompletten Ausfall des öffentlichen Personennahverkehrs in der Stadt kam es am zweiten Schultag nach den Sommerferien in Bayern zu einem "deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen", teilte die Polizeiinspektion Coburg auf Anfrage mit. Viele Eltern brachten ihre Kinder zur Schule, die Autos stauten sich mitunter schon auf den Zufahrtsstraßen vor der Stadtgrenze. In der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr seien einige Straßen überlastet gewesen, so die Polizei. Unfälle deshalb habe es nicht gegeben.

Rund 70 Fahrer der Stadtbusflotte waren dem Aufruf von Verdi gefolgt. Der Streik dauerte von 4 bis 23.59 Uhr. Am Werkstor der SÜC in der Uferstraße hatten sich Fahrer versammelt. "Immer soll'n die Busse fahren, bitte nicht am Fahrer sparen!", war auf einem der Transparente zu lesen. Weiter die Forderung "Gutes Geld für Gute Arbeit" oder "Ohne Busfahrer geht gar nichts! Also: anständige Bezahlung".

Belastung für Busfahrer sei groß

In einer Pressemitteilung der Gewerkschaft hieß es, "nach einer enttäuschenden ersten Verhandlungsrunde ohne Angebot des Landesverbands Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO) hat Verdi die Beschäftigten der Busunternehmen Aschaffenburg Verkehrsgesellschaft GmbH (ganztägig), SÜC Bus und Aquaria in Coburg (ganztägig) sowie der Verkehrsgesellschaft Kirchweihtal GmbH (Kaufbeuren von 4.45 bis 8.45 Uhr) für Mittwoch zum Streik aufgerufen". In dem Landesverband (LBO) sind die privaten Busunternehmen organisiert, die Gewerkschaft kritisiert den schlechteren Tarif im Vergleich zum öffentlichen Dienst. Die Gewerkschaft fordert für die Fahrer einen um 3,50 Euro höheren Stundenlohn, ein im Tarifvertrag festgeschriebenes 13. Monatsgehalt sowie bessere Arbeitsbedingungen. "Besonders die Doppelschichten - Frühdienst, lange Pause, Spätschicht - sind eine große Belastung", so Busfahrer Michael Szmaciarz. Von den SÜC-Busfahrern würden gerade 16 nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt, der große Rest nach dem niedrigeren LBO-Tarif.

Die Gewerkschaft verwies weiter auf den Tarifabschluss in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg. Dort seien die Stundenlöhne auf 15 und 16,98 Euro geklettert. Als Laufzeit für einen neuen Tarifvertrag strebt Verdi 18 Monate an.

"Zeitpunkt unangemessen"

Angesichts der Corona-Pandemie und der vielen Kurzarbeiter im Land bezeichnete SÜC-Geschäftsführer Wilhelm Austen den Streikzeitpunkt als "unangemessen". Wegen des Covid-19-Virus hätten viele Verkehrsunternehmen Einnahmeausfälle und höhere Kosten. "Durch vielfältige Schutz- und Hygienemaßnahmen versuchen wir zurzeit, unsere Fahrgäste wieder zurückzugewinnen."

Auf kein Verständnis stieß bei Austen, dass Verdi den Verkehrsbetrieb der SÜC zum Arbeitskampf aufgerufen hat. "Wir bezahlen den Tariflohn , Schicht- und Alterszulagen sowie eine betriebliche Altersversorgung und auch ein 13. Monatsgehalt." Austen bedauerte die Einschränkungen für die Fahrgäste. "Die Eltern waren in den vergangenen Monaten schon genug belastet." Als die Städtischen Werke - Überlandwerke Coburg im Jahr 2000 zur GmbH ausgegründet worden, sei mit Verdi der LBO-Tarif für die Busfahrer abgeschlossen worden, erinnerte der Leiter der Verkehrsbetriebe, Raimund Angermüller. Ziel damals sei gewesen, die SÜC im Wettbewerb mit privaten Busunternehmen gleichzustellen. Am zweiten Schultag nach den Ferien den Verkehr lahmzulegen bezeichnete er als verantwortungslos. Das Fahrpersonal sei systemrelevant, "dann aber besteht auch eine Verantwortung, das System am Laufen zuhalten".

Stadtbusbetrieb in Coburg

Kapazität 34 Busse haben die Verkehrsbetriebe der SÜC zu Spitzenzeiten im Einsatz. Befördert wurden vor der Pandemie in Coburg und angrenzenden Gemeinden zwischen 14 000 bis 15 000 Fahrgäste täglich. Werktags sind die Stadtbusse 5 bis 19.45 Uhr unterwegs, samstags zwischen 6.30 bis 15 Uhr.

Personal Aufgrund der intensiven Personalsuche und wegen des Lockdowns im Frühjahr aufgrund der Corona-Pandemie hat das Unternehmen nach den Worten von Raimund Angermüller, Leiter der Verkehrsbetriebe, einige Fahrer von privaten Busunternehmen gewinnen können.