Prozess nach Rentnertod in Bayreuth neu aufgerollt: Gericht sieht keine Beweise für Raubmord an 88-Jährigem. In Bayreuth hat sich am Freitag (11. September 2020) der Angeklagte im Prozess um einen gestorbenen Rentner erneut vor dem Landgericht verantworten müssen. Ergebnis: Der Beschuldigte kann für den Tod des 88-jährigen Mannes nicht belangt werden - aus Mangel an Beweisen. 

Das Landgericht verurteilte den Angeklagten lediglich wegen gewerbsmäßigen Diebstahls, unterlassener Hilfeleistung sowie unerlaubten Waffenbesitzes, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Für diese Vergehen muss der Mann fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

Täter sollen 88-Jährigen überfallen und tödlich verletzt haben

Zum Prozessauftakt in Bayreuth vor mehr als zwei Jahren war dem Angeklagten und seinem Mittäter vorgeworfen worden, sie hätten den Rentner kurz vor Ostern 2017 überfallen und dabei so schwer verletzt, dass der 88-Jährige schließlich an den Folgen gestorben sei. Für diese Version des möglichen Tathergangs gibt es aber aus Sicht des Gerichts keine Beweise.  Nach Auffassung des Vorsitzenden wollten die beiden Männer ihr Opfer heimlich bestehlen und dabei keine Gewalt anwenden.

Der Mittäter war im Juli 2018 wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und unterlassener Hilfeleistung zu einer Haftstrafe von mehr als fünf Jahren verurteilt worden. Der Angeklagte hatte seinerzeit eine lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes erhalten - der Bundesgerichtshof hob das Urteil gegen den Mann jedoch letzten Endes auf.

Der neu aufgerollte Gerichtsprozess sollte nun klären, ob die Gewalteinwirkung des Beschuldigten der Auslöser für den Tod des 88-jährigen gewesen seien. Inzwischen gebe es allerdings "ganz erhebliche Zweifel", ob der Angeklagte bei der Tat überhaupt im Haus gewesen sei, räumte der Vorsitzende Richter der dpa zufolge ein. Statt für mindestens 15 Jahre hinter Gitter zu kommen, muss er nun lediglich fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

"Ergebnis für manche unbefriedigend" - Urteil noch nicht rechtskräftig

"Der Strafkammer ist bewusst, dass das Ergebnis für manche unbefriedigend ist", räumte der Vorsitzende Richter laut dpa-Bericht gleich zu Beginn der Verhandlung in Bayreuth ein. Der Rentner sei gestorben und "es wird keiner für seinen Tod verantwortlich gemacht." Über eine Stunde lang begründete er die Entscheidung des Landgerichts.

Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Nach dem Leichenfund vom 19. August 2020 in Bayreuth sind bei den Ermittlern weit über 100 Hinweise eingegangen. Die Polizei hat ihre Präsenz im Stadtgebiet seit der Tatnacht erhöht.

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