Die Zahl der Touristen, die mit Hotelschiffen für ein paar Stunden nach Bamberg kommen, steigt weiter: Im vergangenen Jahr waren es 66 516 Passagiere, heuer rechnet die Hafenverwaltung mit rund 75 000. Alle wollen natürlich etwas vom Welterbe Bamberg sehen und werden in die Stadtmitte gefahren, wo sie von Gästeführern erwartet und in die Altstadt geleitet werden. In Stoßzeiten sind bis zu sechs Busse im Einsatz. Wo auch immer sie ihre Fahrgäste aus- und später wieder einsteigen lassen, hat das Auswirkungen: auf den übrigen Verkehr und auf Anwohner in Form von Lärm und Feinstaub.

Die Suche der Stadtverwaltung nach dem richtigen Platz für die Transferbusse gestaltet sich schwierig. Den idealen Standort scheint es nicht zu geben. Das machte eine Diskussion deutlich, die im Stadtentwicklungssenat geführt wurde. Es ging um die Erfahrungen mit der südlichen Promenade nach Ablauf der einjährigen Testphase.
Seit 1. April 2010 werden die Haltestellen dort parallel von den Regionalbuslinien und den Transferbussen genutzt. Die Reaktionen darauf waren nach Ablauf des Probejahrs unterschiedlich, berichtete Harald Lang, der Leiter des Stadtplanungsamts. Von den beteiligten Busunternehmen, städtischen Stellen, Gästeführern und dem Verkehrssachbearbeiter der Polizei habe es eine breite Zustimmung dafür gegeben, den Regionalbusverkehr dauerhaft vor der Villa Wassermann abzuwickeln. Vor allem für die vielen Schüler seien diese Haltestellen wesentlich sicherer als früher in der Willy-Lessing-Straße.

Unterschiedlich wird laut Lang die parallele Nutzung der Haltestellen durch die Transferbusse beurteilt. Es habe in Stoßzeiten gegenseitige Behinderungen gegeben, die enge Einfahrt am Schönleinsplatz sei oft durch falsche parkende Fahrzeuge weiter eingeengt. Die Gästeführer fänden den Standort dagegen als Ausgangspunkt gut.

Anlieger haben protestiert


Entschiedene Gegner der Parkraumbewirtschaftung in der jetzigen Form seien die Anlieger. Sie verlangten als Interessengemeinschaft Promenade und mit rund 70 Unterschriften, dass die Bushaltestellen wieder verlegt werden. Die IG zeigte sich laut Lang zwar kompromissbereit, lege aber - ebenso wie der Bürgerverein Mitte - Wert darauf, dass die Situation entzerrt wird.

Trotzdem schlugen die Stadtplaner den Stadträten vor, die südliche Promenade als Aus- und Einstiegstelle für die Transferbusse beizubehalten. Zur Entzerrung hätten sie wieder eine Haltestelle für Regionalbuslinien "mit wenig Fahrgästen und niedrigem Schüleraufkommen" in der Willy-Lessing-Straße schaffen wollen.
Beides wollte die Mehrheit im Senat nicht. Die Sicherheit der Schüler hat für sie Vorrang. Ihretwegen seien ja die Haltestellen von der Willy-Lessing-Straße an die südliche Promenade verlegt worden, erinnerten Helmut Müller (CSU) und Heinz Kuntke (SPD). Beide lobten ausdrücklich die Verwaltung aber für die Mühe, die sie sich bei der Suche nach einer Lösung gemacht habe.

Anders Ursula Sowa (GAL). Sie kritisierte das Baureferat für das "Kuddelmuddel" an der südlichen Promenade, das nach ihrer Überzeugung nicht hätte sein müssen. Klaus Stieringer (BR) pflichtete ihr bei: Die Stadt habe das Problem auf die Anwohner verlagert.

Zugleich brach er eine Lanze für die Flusskreuzfahrer als "interessante Besuchergruppe". Sie seien zwar meist nur wenige Stunden in der Stadt, aber eine vermögende Klientel: "Die kaufen wirklich 'was."
Abweichend vom Verwaltungsvorschlag beschloss eine Mehrheit der Stadträte schließlich einen neuerlichen Probelauf mit den Transferbussen, diesmal aber am Markusplatz. Auch dort werden sie sich die bestehenden Haltestellen mit den Regionalbussen teilen müssen. Einen entsprechenden Antrag hatte CSU-Stadträtin Daniela Reinfelder gestellt.

Das Stadtplanungsamt hatte vom Markusplatz abgeraten. Sein Hauptargument: In dem dicht bewohnten Viertel werde eine noch größere Zahl von Bürgern unter den Emissionen der Busse leiden.
Den einzigen Vorteil des Standortes Markusplatz sieht die Verwaltung in seiner Nähe zur Anlegestelle der Schiffe: Die Busse legen nur eine relativ kurze Strecke über Hafenstraße, Margaretendamm, Löwenstraße und Markusplatz zurück und können die Kernstadt ganz meiden.

Das Stadtplanungsamt hat laut Lang neben dem Markusplatz auch Schönleinsplatz und Schillerplatz als mögliche Alternativen geprüft - und verworfen. Einen weiteren möglichen Platz brachte Herbert Lauer (FW) ins Gespräch: den Parkplatz am alten Hallenbad. Der Weg zum Dom sei höchstens 300 Meter länger und über die Kleberstraße wären die Besucher schnell in der Fußgängerzone. In der Abstimmung spielte sein Vorschlag keine Rolle. Ab wann und wie genau die von den Stadträten beschlossene Probephase am Markusplatz umgesetzt wird, steht noch nicht fest. Vorerst bleibt also die südliche Promenade Anlaufstelle.